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400 000 Euro für Brunnen-Sanierung

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Von: Thomas Brückner

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Das Brunnenhaus am Hirtenbach: Geht das Sanierungskonzept auf, soll in Laubach sowie in Münster und Teilen Wetterfelds (auch sie werden aus den Kernstadt-Brunnen versorgt) Mitte 2022 wieder ungechlortes Trinkwasser den Hahn verlassen. © Thomas Brueckner

Die Trinkwasserbrunnen in Laubach bereiten den Verantwortlichen seit Langem schon arges Kopfzerbrechen. Immer wieder mal werden Eintrübungen, ab und an auch coliforme Keime festgestellt. Jetzt steht das Sanierungskonzept. Mitte 2022, so die Hoffnung der Stadt, soll das Problem behoben sein.

Im Dezember 2020 tauchte das Problem erstmals auf: Bewohner der Kernstadt beklagten sich über bräunlich getrübtes Leitungswasser. Gefördert wird das aus zwei Brunnen am »Froschloch«, unweit des Caravanparks.

Ein Problem, das es zu beheben gilt, auch wenn die ursächlichen Schwebstoffe aus Ton keine Gesundheitsgefahr darstellen. Anders verhielt es sich, wenn - zum Glück nur vorübergehend - coliforme Keime im Wasser auftraten. Bis auf eine Unterbrechung, auch dies abgestimmt mit dem Gesundheitsamt, erfolgt daher bis heute eine kontinuierliche Chlorung.

Grundwasser steht elf Meter tiefer an

Die Ursachensuche gestaltete sich schwierig. Zumal es gleich mehrere »Baustellen« gab. Zum ersten der »Froschloch«-Brunnen, aus dem die Stadt rund ein Drittel der benötigten Menge an Trinkwasser schöpft. Die Fördertiefe von nur 20 Metern, rissige Böden aufgrund langer Trockenheit - zwei Faktoren, die die Gefahr des Eindringens von Oberflächenwasser erhöhen, insbesondere bei Starkregen. Zeitweise kam es daher zu einer Verkeimung, wenn auch mit - im Vergleich zur »E. coli-Verwandtschaft« - relativ harmlosen coliformen Bakterien. Aber: Seit Langem, wohl in der Amtszeit von Bürgermeister Spandau (1991-2009), eliminiert hier eine UV-Anlage gefährliche Krankheitserreger.

Zweite Baustelle ist der vorgeschaltete Hirtenbachbrunnen, mit zwei Dritteln Hauptzulieferer des Hochbehälters. Hier wird das wertvolle Nass aus 90 Metern Tiefe gefördert. Zwar traten auch hier coliforme Keime auf, doch sehr selten. Hauptproblem sind vielmehr die Trübungen. Verursacht nicht durch das Eindringen oberflächennahen Wassers, sondern der langen Trockenheit: Der Grundwasserspiegel im Fördergebiet hat sich um elf Meter (!) gesenkt, also wird aus einem tieferen, tönernen Umfeld gepumpt - samt der Schwebeteilchen.

Als kurzfristige Lösung hat die Bauverwaltung das Pumpverfahren geändert: Es werden nun kontinuierlich kleinere Mengen statt der wiederkehrenden hohen Mengen gefördert. Langfristig aber ist das keine Lösung, zumal beide Brunnen gebündelt sind, die UV-Anlage im nachgeschalteten »Froschloch«-Brunnen die komplette Technik stoppt, sobald ihre Fotozellen einem Schwebeteilchen gewahr werden. - Auf dem Plan steht jetzt nurmehr eine Druckprüfung, um Leckagen im abgedichteten oberen Bereich rund um die Steigleitung auszuschließen.

Einbau einer Filtrationsanlage

Zentrales Element des langfristigen Sanierungskonzepts ist eine dem Hirtenbachbrunnen nachgeordnete Filtrationsanlage, um die »sehr, sehr feinen« Schwebeteilchen zu eliminieren. Erbringe ein Pumpversuch das erhoffte Ergebnis, so der verantwortliche Bauamtsmitarbeiter Jörg Riddel, werde diese - neben einer zweiten UV-Anlage - in einem neuen Betriebsgebäude untergebracht. Bleibt noch anzufügen, dass das Konzept auch eine Vergrößerung der Wasserschutzzone umfasst.

Um die Investitionen tätigen zu können, weist der jüngst aktualisierte Etatentwurf einen Nachschlag von 230 000 Euro aus. Mit einem Rest aus dem Vorjahr stehen nun rund 400 000 Euro bereit. »Wir hoffen, damit auszukommen«, meinte Bauamtsleiter Martin Bouda auf GAZ-Anfrage. Alles in allem kommt die Stadt damit noch relativ gut weg: Das Worst-Case-Szenario, einen neuen Brunnen bohren zu müssen, hätte gewiss eine Millionen-Investition bedeutet.

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