Frischer Wind im Dorfgemeinschaftshaus: Bei geöffneten Fenstern diskutieren die Bürgermeisterkandidaten zur Zukunft des "Löschteichs". 		FOTO: PAD
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Frischer Wind im Dorfgemeinschaftshaus: Bei geöffneten Fenstern diskutieren die Bürgermeisterkandidaten zur Zukunft des »Löschteichs«. FOTO: PAD

»Löschteich« aus Wortschatz löschen

  • vonPatrick Dehnhardt
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Der Röthgeser Löschteich trägt zwar diesen Namen, ist jedoch nirgends als Löschteich verzeichnet. Und das Betonbecken, welches ihm einen schwimmbadähnlichen Charakter verleiht, ist mit Grund für die Einzäunung, die das Schwimmen verhindert.

Ein Löschteich muss so abgesichert sein, dass niemand versehentlich hineinfallen kann. Diese Vorgaben macht der Gesetzgeber. Bei der Diskussionsrunde mit den drei Bürgermeisterkandidaten am Mittwochabend im Röthgeser Dorfgemeinschaftshaus kam die Frage auf, ob das Gewässer überhaupt ein Löschteich ist.

»Der Teich erscheint überhaupt nicht im Löschwasserkonzept der Stadt Laubach, er ist nirgendwo als Löschwasserreservoir eingetragen«, sagte Werner Schmidt. Er ist Mitglied der Arbeitsgruppe, die sich seit der Einzäunung des Teiches im August 2019 mit den rechtlichen Voraussetzungen beschäftigt, um den Zaun wieder abbauen zu können. Für die Frage des Brandschutzes ist dies erst einmal egal: Bei einem Großfeuer dürfte auch aus einem normalen Teich Wasser geholt werden.

Der Röthgeser »Löschteich« dürfte ursprünglich ein natürliches Gewässer gewesen sein. Um 1900 sei er noch »Weed« genannt worden - also ein Teich, an dem Tiere getränkt wurden. Er werde aus dem Grundwasser gespeist. Schmidt berichtete, dass 1953 im Rahmen des Feuerwehrhausbaus das Betonbecken mit einem Volumen von 680 Kubikmetern entstand. Dieses wurde so gebaut, dass es optisch an ein Schwimmbad erinnert.

Wäre der Teich ein natürlicher See, wäre alles ganz leicht. Laut dem Hessischen Wasserhaushaltsgesetz dürfte er dann zum Schwimmen, für Eissport oder zum Befahren mit Paddelbooten benutzt werden. Ein Zaun wäre nicht notwendig. »Der Gesetzgeber geht davon aus, dass der Mensch um die Gefahren eines natürlichen Gewässers weiß«, sagte Schmidt.

Ein komplett in Beton gefasster Teich geht allerdings nicht als natürliches Gewässer durch. Bereits seit Jahren war klar, dass es ein Problem mit der Verkehrssicherungspflicht gibt. »Dinge, die früher normal waren, sind heute völlig ausgeschlossen«, sagte Schmidt.

2010 baute der Feuerwehrverein einen Zaun. Im August 2019 wurde ohne Vorankündigung ein Bauzaun aufgestellt. Dies habe übrigens nicht Bürgermeister Peter Klug, sondern während dessen Urlaubs sein Stellvertreter angeordnet, merkte Florian Kempff an.

Die AG stellte fest: »Es war rechtlich nicht anders zu machen.« In Nordhessen sei ein Bürgermeister rechtskräftig verurteilt worden, nachdem Kinder in einem Löschteich ertranken.

Die AG hat mittlerweile ein Konzept entwickelt, wie Baden wieder möglich sein und der Zaun abgebaut werden könnte: Er soll eine Badestelle werden. Für diese sei keine Badeaufsicht vorgeschrieben, die Verkehrssicherungspflicht beschränke sich darauf, das Areal in gutem Zustand und sauber zu halten. Die Wasserqualität müsse regelmäßig vom Landkreis kontrolliert werden.

Dr. Markus Dietz stellte das Konzept genauer vor. Er bat die Röthgeser, den Begriff »Löschteich« aus ihrem Wortschatz zu streichen: »Ein Löschteich schließt Baden grundsätzlich aus.« Es sei ein Rückbau in ein naturnahes Gewässer notwendig. Sprich: Die Betonwanne muss so weit wie möglich zurückgebaut werden. Das Wasser habe dann wieder Kontakt zum Boden, die Artenvielfalt würde explodieren. »Man hat dann ein Schwimmerlebnis wie im Licher Waldschwimmbad«, sagte Dietz. Die Optik würde sich jedoch dadurch stark verändern: Statt gerader Kanten würde es Flachwasserbereiche und eine geschwungene Uferlinie geben.

Bei Vorgesprächen mit den Genehmigungsbehörden hätten diese positive Signale gesendet: »Die Naturschutzbehörde war begeistert, als sie hörte, dass der Beton wegkommt«, sagte Dietz.

Auch die Kombination aus Badestelle und Naturteich sei für die Behörde denkbar. »Ich wollte sicher gehen, dass es nicht nachher heißt: Da leben Frösche, da dürft ihr nicht mehr baden gehen.« Die Renaturierung ließe sich durch verschiedene Förderprogramme finanzieren.

Alle drei Bürgermeisterkandidaten signalisierten ihre Unterstützung für das Projekt. Matthias Meyer sagte, die Stadt habe versäumt, mit den Bürgern rechtzeitig über das Problem zu sprechen. »Ich kann es gut verstehen, dass die Röthgeser aufgebracht sind.« Röthges habe im Stadtgebiet die meisten Kinder unter drei Jahren. Denen müsse man in Zukunft etwas bieten. Der Umbau des Teiches sei daher »aus Gesamt-Laubacher Sicht eine Sache, die unterstützt werden muss«.

»Das Konzept ist eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes«, sagte Florian Kempf. Die Badestelle sei ein Stück Zukunftssicherung. Die große Frage sei die Finanzierung: »Laubach hat wenig bis gar kein Geld, in Zukunft noch weniger.« Dass die AG bereits Fördermöglichkeiten herausgesucht habe, sei daher positiv.

Björn Erik Ruppel schlug vor, den Teichumbau über IKEK zu finanzieren. Da dieses bis Ende nächsten Jahres eine Förderung von 90 Prozent vorsieht, sollte der Prozess bereits vor der Bürgermeisterwahl in Gang gesetzt werden. »Wir alle drei haben gesagt, wir unterstützen das Projekt, und werden versuchen, die Stadtverordneten zu überzeugen.«

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