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Die Mitarbeiter von Station 3a haben sich als erste an die Digitalisierung gewagt. Seit Oktober gehört das Laptop zum Arbeitsalltag von Stationsleiter Wjatscheslaw Schäfer und Krankenschwester Olga Koch. Foto: us

Mit dem Laptop zur Visite

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Die Patientenkurve auf Papier soll an der Asklepios-Klinik Lich bald der Vergangenheit angehören. Dort läuft seit Oktober ein großangelegtes Projekt zur Digitalisierung. Die papierlose Station soll bis März überall Wirklichkeit sein.

Ohne Rollwagen ging bislang nichts bei der Visite. Wenn Ärzte und Pflegepersonal die Patienten besuchten, mussten sämtliche Akten und Unterlagen von Zimmer zu Zimmer gefahren werden. Alle Befunde und Anordnungen wurden handschriftlich notiert. Damit soll in der Asklepios-Klinik Lich bald Schluss sein. Dort gibt es mittlerweile die erste papierlose Station, eine zweite stellt gerade um. "Bis März sollen alle Patienten ohne Papier durchs Krankenhaus begleitet werden", sagt Mario Myny. Er ist Chefarzt der Anästhesie und gemeinsam mit Katrin Meyer-Eminger Projektleiter für die Digitalisierung. Von deren Notwendigkeit ist er überzeugt: "Das ist die Zukunft, wo wir hin müssen."

Patientenkurve - so hieß der Wochenplan auf Papier, in den bislang alle Informationen eingetragen wurden. Wollte ein Arzt beispielsweise eine Medikation ändern, hat er es in der Kurve vermerkt. "Auf Station wurde dieser Vermerk in eine schriftliche Anordnung umgesetzt, und dann hat es die Schwester geändert", beschreibt Myny das bisherige Prozedere, das man sich künftig sparen kann.

Der Mediziner sieht die Vorteile der Digitalisierung jedoch nicht nur in schlankeren Arbeitsprozessen. Schwer leserliche Handschriften, Übertragungsfehler und eine sichere Dokumentation aller Behandlungsschritte seien weitere Pluspunkte. Zudem könne man von vielen Stellen gleichzeitig auf die Informationen zugreifen. "Früher wurde eine Akte schon mal gesucht", bemerkt der Chefarzt.

Eine Projektgruppe aus Ärzten und Pflegepersonal hatte die Umstellung gemeinsam mit dem Anbieter des neuen Krankenhaus-Informationssystems vorbereitet und die Mitarbeiter geschult. Das Personal der unfallchirugischen Station 3a wagte dann im Oktober den Sprung ins kalte Wasser.

Das sei nicht allen leicht gefallen, erinnert sich Katrin Meyer-Eminger. Sie kann das gut verstehen. Wer in der Pflege tätig sei, interessiere sich für Menschen. "Gerade Ältere sind nicht unbedingt technikaffin", sagt die Projektleiterin. "Manche hatten im Vorfeld schlaflose Nächte."

Doch die Ängste erwiesen sich als unbegründet. Alle hätten den Übergang gemeistert. Für die Jüngeren sei die Umstellung ohnehin kein Problem. "Die sind ganz scharf drauf", sagt Myny.

Innerhalb des Asklepios-Konzerns ist die Licher Klinik das erste Haus dieser Größenordnung, das die Digitalisierung einführt. Doch noch liegt vor den Verantwortlichen ein weiter Weg. "Das System ist ein Rohbau, den wir nach unseren Vorstellungen gestalten", erläutert Meyer-Eminger. Anregungen und Ideen dazu werden in den Projektgruppen entwickelt, die regelmäßig tagen. Der Anbieter des Systems und die eigene IT sorgten dafür, dass die Vorschläge zeitnah - manchmal schon in zwei, drei Tagen - umgesetzt werden. "Das ist wichtig, sonst gibt es Frust", unterstreicht die Projektleiterin.

Aber sind die sensiblen Gesundheitsdaten auch sicher? "Ja", sagt Mario Myny. Die Umstellung sei mit dem Datenschutzbeauftragten von Asklepios abgestimmt, das System sei geschlossen, ein Zugriff von außen nicht möglich. Und auch intern könne nicht jeder auf alle Daten zugreifen. "Die Verwaltung zum Beispiel hat keinen Einblick in medizinische Daten", erläutert der Mediziner. Er weiß aber auch: "Hundertprozentige Sicherheit gibt es in der IT nie."

Für Kliniksprecherin Patricia Rembowski ist die Digitalisierung nicht zuletzt eine Waffe im Kampf gegen den Fachkräftemangel. "Pflegekräfte verbringen 40 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Dokumentation", sagt sie. Dieser Anteil werde sich künftig reduzieren, weil viele Daten automatisch ins System fließen. Den Pflegekräften verbleibe also mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben. Während der Umstellungsphase allerdings ist der Arbeitsaufwand höher als sonst, weil teilweise zwei Patientenkurven geführt werden: die eine digital, die andere auf Papier.

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