Der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch litt unter einem schweren Corona-Verlauf und hatte noch längere Zeit einen gestörten Geruchs- und Geschmackssinn. (Archivfoto)
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Der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch litt unter einem schweren Corona-Verlauf und hatte noch längere Zeit einen gestörten Geruchs- und Geschmackssinn. (Archivfoto)

Corona-Pandemie

Langgönser Bürgermeister leidet lange unter den Corona-Folgen: Wenn alles nach abgestandenem Kaffee schmeckt

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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  • Stefan Schaal
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Der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch litt unter einem schweren Corona-Verlauf und hatte noch längere Zeit einen gestörten Geruchs- und Geschmackssinn. Ob seine Dauermüdigkeit noch mit der Covid-19-Erkrankung zusammenhängt, weiß er nicht.

Marius Reusch berichtet von einer kuriosen und eher positiven Nachwirkung seiner Corona-Erkrankung. »Meine Allergien gegen Gräser und Pollen haben deutlich nachgelassen«, erzählt er. »Als hätten die Abwehrkräfte so stark gegen das Virus angekämpft, dass sie den ganzen Körper umgepolt haben.«

Der Langgönser Bürgermeister will Ende März 2020 etwas gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie unternehmen, als er sich infiziert. Im Rathaus druckt er Bürgerbriefe, die auf richtige Verhaltensweisen und Regeln angesichts der Verbreitung des Virus aufmerksam machen sollen. Am Kopierer aber steckt er sich bei einem Mitarbeiter an.

Atemnot und schwerer Reizhusten: Bürgermeister von Langgöns hatte schweren Corona-Verlauf

Reusch leidet während der folgenden Tage der Quarantäne im Haus der Familie in Oberkleen unter Atemnot, schwerem Reizhusten, Kopf- sowie Gliederschmerzen – und ernsthaften Sorgen. Denn auch seine damals hochschwangere Frau infiziert sich mit dem Virus. »Das war kein Spaß«, blickt Reusch auf die Zeit zurück.  Die Familie übersteht Corona unbeschadet, im Mai kommt die Tochter gesund zur Welt. 

Anfang 2020 habe er Corona noch nicht so ernst genommen, sagt Reusch, er habe es eher als schwerere Grippe eingeschätzt. Innerhalb weniger Wochen – schon vor seiner Erkrankung – habe sich das aber gedreht. »Selbst zu erkranken und zu erfahren, was Corona bedeutet, ist eine andere Dimension.«

Corona-Folgen: Langgönser Bürgermeister litt lange unter gestörtem Geruchs- und Geschmackssinn

Über manche Begegnungen im vergangenen Jahr müsse er derweil den Kopf schütteln, sagt Reusch. »Da werde ich mit sorgenvoller Miene gefragt: Wie geht es Ihnen? Sie hatten doch Corona.« Er erzähle dann vom schweren Verlauf. »Zehn Minuten später sagt dieselbe Person: »Das ist doch alles übertrieben mit Corona.« Da wird meine persönliche Erfahrung mit dem vorgegebenen Weltbild einfach nicht zusammengebracht.«

Er verspüre noch eine Dauermüdigkeit, sagt er. Ob diese mit Corona zu tun habe, wisse er nicht. Sie könne auch an den Anstrengungen der vergangenen Monate und am Wetter liegen. 

Längere Zeit hat der Bürgermeister allerdings die Folgen der Erkrankung noch bemerkt. »Mein Geruchs- und Geschmackssinn war gestört«, berichtet er. Alles habe wie Pappe geschmeckt. Der Geruch nach abgestandenem Kaffee sei ständig in der Nase gewesen. »Vielleicht war das der letzte Geruch, den ich vor der Erkrankung wahrgenommen habe.« Seine Frau habe einmal Nudelauflauf zubereitet und, um seinen Geschmackssinn zu testen, stark gesalzen und sehr scharf gewürzt. »Ich habe es nicht bemerkt.«

Gießener erzählen Corona-Geschichten

Vor einem Jahr, am 28. Februar 2020, wurde der erste Corona-Fall im Landkreis publik. Mehr als 8900 Menschen haben sich seitdem mit dem Virus infiziert. Ein Großteil gilt als genesen. Aber was heißt schon genesen? Nicht jeder findet zurück in den Alltag. Manche kämpfen noch Monate später mit Beschwerden. In einer kleinen Serie erzählen sechs Menschen aus dem Landkreis ihre Corona-Geschichte.

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