Auf dem Gelände am nordöstlichen Ortsrand der Kerngemeinde Lang-Göns befinden sich neben einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung auch eine Werkstatt und eine Tageseinrichtung speziell für Ältere.
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Auf dem Gelände am nordöstlichen Ortsrand der Kerngemeinde Lang-Göns befinden sich neben einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung auch eine Werkstatt und eine Tageseinrichtung speziell für Ältere.

Einrichtungschef im Interview

Corona-Ausbruch im Kreis Gießen: „Einiges deutet darauf hin, dass...“

  • VonStefan Schaal
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In einer Behinderteneinrichtung in Langgöns (Kreis Gießen) gab es einen massiven Corona-Ausbruch. „Die Ursache ist schwer nachzuvollziehen“, sagt der Geschäftsführer.

Langgöns – Die Nachricht über den massiven Corona-Ausbruch während der Weihnachtsfeiertage in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Langgöns hat viele Menschen im Kreis aufgewühlt. 39 Bewohner und acht Mitarbeiter hatten sich infiziert, ein Mensch ist gestorben. Christof Schaefers (57), Geschäftsführer der Schottener Soziale Dienste gGmbH, die die Wohnanlage betreibt, schildert die aktuelle Lage in der Einrichtung.

Wie bedrohlich ist die Situation heute?

Schaefers: Wir hatten vor einer guten Woche, am 5. Januar, eine PCR-Reihentestung. Das Ergebnis ist, dass es keinen weiteren Corona-Fall gegeben hat. Bedauerlicherweise liegen noch zwei Klienten unseres Hauses mit sehr schweren Symptomen im Krankenhaus. Sie befinden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand. Es sind die einzigen verbliebenen ungeimpften Klienten. Ansonsten haben wir die Lage gut in den Griff bekommen. Unser Mitarbeiter haben es fachlich hervorragend mit großem Engagement in den Griff bekommen, und das nach zwei Jahren engagierter Arbeit in Pandemiezeiten.

Corona-Ausbruch in Langgöns (Kreis Gießen): Familienfeier als Quelle?

Haben Sie die Ursache für den Ausbruch herausfinden können?

Schaefers: Die Ursache ist schwer nachzuvollziehen. Einiges deutet darauf hin, dass die Quelle eine Familienfeier war, an der ein Klient außerhalb unseres Hauses teilgenommen hat. Aber da befinden wir uns im Reich der Spekulation. Außer den beiden Klienten, die im Krankenhaus liegen, sind alle anderen Bewohner geimpft und inzwischen auch zum großen Teil geboostert, ein Termin steht noch aus.

Die Booster-Impfungen in Ihrer Einrichtung haben erst am 4. Januar begonnen und damit vergleichsweise spät.

Schaefers: Die Termine der Booster Impfungen waren planmäßig in den empfohlenen Zeitabständen in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt des Kreises Gießen.

Corona-Ausbruch im Kreis Gießen: Große Vorbehalte in Langgöns

Nachdem der Ausbruch bekannt wurde, gab es in den sozialen Medien unschöne Gerüchte. Menschen haben beklagt, dass Bewohner Ihrer Einrichtung trotz des Corona-Ausbruchs »frei im Dorf herumlaufen«. Wie gehen Sie damit um?

Schaefers: Sie sprechen da ein schwerwiegendes Thema an. Wir erleben derartige Verallgemeinerungen vermehrt seit Beginn der Pandemie. Menschen mit Behinderung sind nicht pauschal an Corona erkrankt. Klar ist: Wenn ein Mensch mit Behinderung in Langgöns unterwegs ist, kann er aus unserer Einrichtung kommen. Infizierte in unserem Haus befinden sich aber in Quarantäne. Die Flure sind klar abgegrenzt, wir testen engmaschig. Ich kann mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass die Leute, die sich draußen in Langgöns aufhalten, negativ getestet sind. Ich lege alle Hände ins Feuer, dass kein Mensch mit positivem Bescheid unser Haus verlassen hat. Die öffentliche Anteilnahme nach dem Ausbruch war aber überwiegend positiv. Auf alles andere gebe ich nichts, weil ich weiß, welche Schutzkonzepte wir umsetzen.

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