pad_hochwasser_100821_4c
+
Für die engagierten Bürger und Vertreter der an der Hilfsaktion beteiligten Unternehmen gibt es einen kleinen Empfang am Langgönser Rathaus.

Zig Tonnen Lebensmittel

  • VonPatrick Dehnhardt
    schließen

Langgöns (pad). Die Straße ist in solch einem Zustand, dass der Begriff gar nicht mehr zutrifft. Doch der Laster muss den Berg hinauf. Im Tank hat er 15 000 Liter Wasser. Diese sollen in den Hochbehälter Reifenstadt gebracht werden, damit die Dörfer wieder mit Trinkwasser versorgt werden können. Am Steuer sitzen unter anderem Männer der Feuerwehr Langgöns.

Seit dem verheerenden Unwetter sind nun über drei Wochen vergangen. Die Wasserleitungen waren damals an vielen Stellen weggespült worden. Mittlerweile werden sie provisorisch wiederaufgebaut. Doch die Pumpstationen im Tal sind zerstört, sodass kein Wasser in die Hochbehälter kommt - es sei denn, es wird mit Lastwagen auf den Berg gefahren. Freiwillige der Langgönser Feuerwehr und private Helfer übernehmen diese Aufgabe im Schichtdienst, wechseln sich alle paar Tage ab.

Der Langgönser Tankwagenspezialist Gebr. Langensiepen hat dafür eigens einen Auflieger mit 30 000 Liter Volumen, zudem einen Tanker mit 15 000 Liter Volumen zur Verfügung gestellt.

Es ist nur ein Beispiel, wie Langgönser Bürger und Unternehmen in den Unwettergebieten rund um Ahrweiler, Dernau und Schuld Hilfe leisten. Am 16. Juli hatten Ina und Rikki Lotz eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Attila Pedru verbreitete den Aufruf in den sozialen Medien und schuf eine Website.

Die Resonanz war enorm. Auf dem Parkplatz des Heimtiermarktes Lang stapelten sich innerhalb weniger Stunden die Hilfsgüter. Die Spedition Bork und die Tilly Hedrich GmbH stellten spontan Fahrzeuge für den Transport ins Unwettergebiet bereit. Bereits am 17. Juli rollte der Langgönser Konvoi zu einer Sammelstelle ins Unwettergebiet, von wo die Lebensmittel und Sachspenden an die Betroffenen verteilt wurden.

Rewe Travaci schloss sich dem Aufruf an, organisierte eine Sammelaktion in den Märkten. Kunden konnten vorgepackte Tüten mit Lebensmitteln, die sich ohne großen Aufwand zubereiten lassen, erwerben und spenden. »Es waren knapp 1000 Tüten, die gespendet wurden«, berichtet Tino Kley.

Zudem wurden am Supermarkt Sach- und Lebensmittelspenden angenommen - bis aufgrund des enormen Zuspruchs einfach kein Platz mehr war. »Die Menschen sind 50 bis 60 Kilometer zu uns gefahren, um Dinge abzuliefern«, berichtet Kley, der auch einen Laster der Firma Bempflinger für den Transport organisierte. Weitere Lebensmittel spendete die Firma Eimer Obst & Gemüse. Beim Beladen der Laster packte die Freiwillige Feuerwehr mit an.

In Dornholzhausen wurde eine Spendenaktion via PayPal gestartet. Dabei kamen 4000 Euro zusammen, die an den Verein »Herzensache« gespendet wurden, der sich für Kinder und Jugendliche vor Ort einsetzt.

Bürgermeister Marius Reusch dankte in einem kleinen Empfang den zahlreichen Helfern. »Es ist toll zu sehen, wie ein Gemeinwesen in so einer Situation funktioniert. Die Unternehmer haben sofort reagiert und geholfen.« Er äußerte die Hoffnung, dass dieses effektive Netzwerk auch nach der Krise weitergepflegt wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare