Freuen sich über den gelungenen Kraftakt: Kinderhaus-Leiterin Susanne Lenzen, Elternbeiratsvorsitzender Arvid Geis, Superintendent Hartmut Sitzler, Claudia Kissling (Verwaltungsleiterin Kirchenamt), Marius Reusch und Christian Ulm vom Bauhof. F.: PAD
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Freuen sich über den gelungenen Kraftakt: Kinderhaus-Leiterin Susanne Lenzen, Elternbeiratsvorsitzender Arvid Geis, Superintendent Hartmut Sitzler, Claudia Kissling (Verwaltungsleiterin Kirchenamt), Marius Reusch und Christian Ulm vom Bauhof. F.: PAD

Das Wunder vom Fasanenweg

  • vonPatrick Dehnhardt
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Es ist die Geschichte eines kleinen Vorweihnachtswunders: Vor einer Woche musste das Kinderhaus Fasanenweg aufgrund eines Wasserrohrbruchs schließen. Nun läuft bereits der Betrieb im Ersatzquartier für die 90 Kinder - dem Paul-Schneider- Freizeitheim.

Für die Erzieherinnen, aber auch die Eltern und die Gemeinde Langgöns kam die Nachricht am 3. Dezember wie ein Schock: Das Kinderhaus Fasanenweg in Lang-Göns muss sofort geschlossen werden.

Über das Wochenende hatte es einen Rohrbruch in der Heizungsanlage gegeben. Der Schaden fiel zunächst nicht auf, da der Boden das Wasser aufsog. Doch dann stieg die Nässe in den Wänden auf - mit verheerenden Folgen. "Warmes Wasser, geschlossene Räume", beschreibt Bürgermeister Marius Reusch die Bedingungen, die dazu führten, dass innerhalb von kurzer Zeit das Pilzwachstum explodierte. "Der Schimmel hat die Fußleisten weggedrückt."

Als eine Fachfirma den Schaden anschaut, ist den Experten sofort klar, dass es sich um gefährlichen Schwarzschimmel handelt. Das Gebäude wird sofort gesperrt. Die Sanierung wird Monate dauern.

Auf einmal stehen die fünf Kita-Gruppen auf der Straße. "Da begannen wir zu rotieren", sagt Reusch. Schnell wird klar, dass unter Corona-Bedingungen die Bürgerhäuser als Ausweichquartiere nicht taugen. "Da hätten wir nur Trennwände aufstellen können", sagt Kinderhaus-Leiterin Susanne Lenzen. "Das reicht bei den derzeitigen Hygienevorgaben nicht aus."

Kirchenkreis sagt sofort Hilfe zu

Jedoch gibt es ein Gebäude im Gemeindegebiet, das genug Platz und baulich getrennte Räume bietet, zudem über ein Außengelände mit Spielmöglichkeiten verfügt: das seit Mai 2019 geschlossene Paul-Schneider-Freizeitheim. Bereits seit einigen Wochen diskutieren die kommunalen Gremien darüber, ob dort eine Naturkindergartengruppe mit zehn Plätzen einziehen soll.

Das Gebäude gehört dem Kirchenkreis an Lahn und Dill. Als bei Superintendent Hartmut Sitzler das Telefon klingelt und der Bürgermeister ihm die Lage schildert, sagt dieser ihm seine Hilfe zu. "Da hängen nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern dran. Da ist klar, dass wir da was tun."

Die kirchlichen Gremien treffen die Entscheidung, dass das Freizeitheim als Notquartier für das Kinderhaus bereitgestellt wird. Sitzler imponiert dabei die Einstellung der Verwaltung: "Es geht eigentlich nicht in zwei Tagen, aber wir versuchen das trotzdem. Aber mit Wundern kennen wir uns in der Kirche aus."

Für das Wunder verantwortlich zeichnet vor allen Dingen das Team des Bauhofs. In nur zwei Tagen zieht die komplette Kita von Lang-Göns nach Dornholzhausen um. "Wir hatten gar keine Zeit darüber nachzudenken, wie groß diese Aufgabe ist", sagt Christian Ulm. Selbst der Weihnachtsbaum wird mitgenommen.

Ausräumen ist das eine - einziehen das andere. Da kommt Haustechniker Hans Glaser ins Spiel, der das Freizeitheim wie kein zweiter kennt. Mit seiner Hilfe gelingt es, das Kinderhaus in Rekordzeit wieder in Betrieb zu nehmen: Am Mittwochmorgen läuft der Regelbetrieb am neuen Standort an. Wie nehmen die Kinder den Umzug auf? Ulm sagt: "Die sind begeistert. Einige wollen schon hierbleiben."

Der Bürgermeister betont, dass die Kita nach der Sanierung zurück in den Fasanenweg zieht und auch noch keine Vorentscheidung in Sachen Naturkindergarten gefallen sei. Gleichzeitig dankt er der Kita-Aufsicht beim Kreis, dass auch diese kurzfristig das Notquartier genehmigte. Als Auflage für den Brandschutz muss noch ein Gerüst als zweiter Rettungsweg für das Obergeschoss aufgebaut werden, zudem Türen mit Klemmschutz nachgerüstet werden.

Elternbeiratsvorsitzender Arvid Geis freut sich, dass ein Ersatzquartier so kurzfristig gefunden werden konnte. Viele Eltern hätten nach dem Corona-Jahr keinen Resturlaub oder Überstunden mehr. "Jeder Tag, der ohne Kita stattfindet, ist ein riesiger Kraftakt." Dass dies dann auch noch ein Gebäude mit dem Namen eines Widerstandskämpfers sei, "erfüllt mich mit Freude und Stolz".

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