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Wolfsbotschafter Andreas Hoppe. (con)

Dem Wolf auf der Spur

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Langgöns (con). Der Wolf ist wie kaum ein anderes Tier mit Märchen und Mythen verbunden. "Wölfe polarisieren, aber sie sind auch das vielleicht archaischste Tier unseres Landes und ein Symbol dafür, wie wir mit unserer Umwelt umgehen." Das sagte Andreas Hoppe am Samstag im Cleeberger Bürgerhaus. Der ehemalige "Tatort"-Kommissar stellte dort im Rahmen der Reihe "Leseland Gießen" sein Buch "Die Hoffnung und der Wolf" vor. Für Hoppe ist der Wolf keine Gefährdung für den Menschen, sondern vielmehr eine Chance für einen bewussteren Umgang mit der Natur.

Seit dem Jahr 2000 ist Andreas Hoppe Wolfsbotschafter des Naturschutzbundes - bereits in seiner Kindheit war er von Wölfen fasziniert. Er hat sich auf den Weg gemacht, um den Tieren näher zu kommen, und dem, für das sie stehen: Ob im Westen Amerikas, auf Vancouver Island oder Rumänien, oft war er den Tieren auf der Spur. Sollte man dem Wolf auch in Deutschland wieder eine feste Heimat geben? Für Hoppe ist die Antwort ein klares "Ja". Aber es müssen auch Vorkehrungen zum Schutz menschlicher Interessen geschaffen werden. "Tiere lassen sich nicht im Maßstab des Menschen messen, sie empfinden die Natur ganz anders als der Mensch". Aber wie kann man den Wolf und unsere Kulturlandschaft verbinden? "Zuallererst muss der Herdenschutz gewährleistet werden", sagte Hoppe. "Der Wolf hat nur dann eine Chance in Deutschland, wenn er lernt, dass es nicht einfacher ist, seine Nahrung aus den Weidetierherden zu holen."

Scheue Tiere

Für sein Buch verarbeitete Hoppe nicht nur eigene Erfahrungen und Erkenntnisse, er versuchte auch, sich der Geschichte des menschlichen Bildes vom Wolf zu nähern: Denn gerade im Mittelalter war die Sicht auf das Tier als Nahrungskonkurrent eher düster geprägt. Doch gibt es auch Gegenbeispiele wie die Geschichte des Wolfs von Gubbio, in der Franz von Assisi ein wildes Tier zähmt, das zuvor eine Stadt in Angst versetzt hatte.

Bei alldem ist der Wolf aber nicht viel mehr als ein Symbol: Überall auf der Welt findet der menschliche Raubbau an der Natur statt - Wildnisgebiete werden zum Wohle des Wirtschaftswachstums verwüstet, Wälder abgeholzt, Gewässer vergiftet. "Die Industrie und das stetige Wirtschaftswachstum stehen der Umwelt im Weg", meinte der Autor. Die Rückkehr des Wolfes steht aber dazu im Widerstreit: Denn es gibt auch im dicht besiedelten Deutschland immer noch Gebiete, in denen sich Wölfe wohlfühlen. In die Nähe des Menschen kommen die scheuen Tiere eigentlich nur in der Not.

"Der Wolf könnte ein starkes Symbol sein, wenn wir ihm Platz geben und auch den Schutz der Herden gewährleisten, wie es wissenschaftlich empfohlen wird", sagte Hoppe.

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