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Wohnen direkt am Bahnhof

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Von: Alexander Geck

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Statt Unkraut sollen auf der Brachfläche am Bahnhof in Lang-Göns in einigen Jahren Mehrfamilienhäuser sprießen. ARCHIV © Alexander Geck

Langgöns (pad). Am Bahnhof Lang-Göns gibt es eine Brachfläche. Früher wurden hier Güter per Bahn geliefert und abtransportiert, doch das ist schon lange aus der Mode gekommen. Zuletzt dienten Teile des Areals als Holzlager, ansonsten geschah auf dem Grundstück nicht viel. Kürzlich hatte ein Investor sich an die Gemeinde gewandt, der genau dieses Areal für Wohnbebauung nutzen möchte.

In der Gemeindevertretung gab es für den ersten Schritt dahin nun grünes Licht.

1852 wurde die Bahnstrecke bei Lang-Göns fertiggestellt. 1879 wurde das heutige Bahnhofsgebäude errichtet. Es befindet sich mittlerweile ebenso wie das Areal des ehemaligen Güterbahnhofs in Besitz der Gemeinde, denn die Bahn hatte für beide Immobilien keine Verwendung mehr.

Dass der Güterbahnhof an dieser Stelle noch einmal ein Comeback erfahren sollte, daran wollen nicht einmal Bahnenthusiasten glauben: Eine Verladestation mitten im Wohngebiet dürfte nicht mehr genehmigungsfähig sein, allein schon wegen des An- und Abfuhrverkehrs mit Lastern. Da ist es schon wahrscheinlicher, dass irgendwann das Bahngleis zum Magnapark reaktiviert wird - und selbst dafür gibt es derzeit keine greifbaren Pläne.

»Entsprechend hat die Deutsche Bahn AG in Lang-Göns den Gütertransport eingestellt und die zugehörigen Gleisanlagen zurückgebaut. Im Jahr 2019 wurden zwischen Hauptgleisen und der ehemaligen Ladestraße Schallschutzwände errichtet«, heißt es in einer Vorlage der Gemeinde zum Bauprojekt. Die Bahn hatte das Grundstück des Güterbahnhofs vor über 15 Jahren als »nicht mehr betriebsnotwendig« an die Kommune veräußert.

Diese hat seit Jahren mit dem Grundstück allerdings ein Problem. Denn darauf stehen die Masten der Oberleitung. Unter ihnen darf nicht durchgefahren werden, für eine Versetzung sollte die Kommune über 800 000 Euro an die Bahn zahlen - was die Gemeinde ablehnte. Seitdem gab es in Langgöns ein großes Rätsel, was man mit dem Grundstück anfangen sollte.

70 bis 80 Wohneinheiten

Dementsprechend groß war die Freude darüber, als nun ein Investor eine Lösung präsentierte. Er will auf dem Grundstück 70 bis 80 Mehrraumwohnungen errichten. Mindestens 25 Prozent davon sollen Sozialwohnungen sein. Beides wird in Langgöns ebenso wie in Nachbarkommunen dringend benötigt - auch wenn Kritiker eines ähnlichen Projekts in Linden dies immer wieder wegzudiskutieren versuchten.

Die Gemeinde Langgöns will mittels städtebaulichen Vertrags dafür Sorge tragen, dass ein Rahmen für eine Bebauung vorgegeben wird, die sich in das bestehende Umfeld einfügt. »Für den Standort sprechen unter anderem die Nähe zum Bahnhaltepunkt und der Bushaltestelle«, heißt es in der Vorlage. Zudem müsse kein neuer Boden versiegelt werden. Auch müsse durch die bereits vorhandenen Schallschutzwände keine durchgehende Bebauung erfolgen.

Die Zufahrt zu den neuen Mehrfamilienhäusern soll über die Bismarckstraße erfolgen. Der Investor will hier Gebäude erwerben und abreißen, um eine Einfahrt zu schaffen. Er will zudem die Kosten für die Versetzung der Oberleitungsmasten tragen, damit das Grundstück besser nutzbar wird.

All dies stieß in der Gemeindevertretersitzung Langgöns auf ein breites, positives Echo. Der Aufstellungsbeschluss erfolgte einstimmig. Im kommenden Jahr soll zunächst ein Umweltgutachten angefertigt werden, bevor die weiteren Schritte gegangen werden. Im Zuge einer Offenlage können Bürger und Verbände später auch Kritik an dem Projekt äußern.

Diese kommt bereits jetzt vom VCD: Der Verkehrsclub Deutschland kritisierte in einer Pressemitteilung das Bauprojekt nahe der Bahnstrecke. Es würde einen zukünftigen viergleisigen Ausbau der Strecke Gießen-Friedberg behindern.

Allerdings sind für solch einen Ausbau bislang keine Planungen bekannt, im Gegenteil: Als vor wenigen Jahren die Autobahnbrücken der A485 bei Großen-Linden für viele Millionen über besagte Strecke erneuert wurde, verzichtete die Bahn bewusst darauf, dass diese Brücken mit einem Durchlass für drei oder vier Gleise errichtet werden sollten. Die neuen Autobahnbrücken haben eine Lebensdauer von rund 80 Jahren.

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