"Da wird man zum AC/DC-Experten"

  • vonPatrick Dehnhardt
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Langgöns(pad). AC oder DC? Der Langgönser Umwelt- und Energieausschuss diskutierte in seiner jüngsten Sitzung nicht etwa über Musik, sondern über die Vorteile von Wechsel- und Gleichstrom für eine Ladesäule in Oberkleen. Der Ausschuss tagte aufgrund der verschärftene Pandemie-Situation per Videokonferenz, interessierte Bürger konnten diese vom heimischen Computer aus verfolgen.

Die Ladesäule soll an der Sporthalle in Oberkleen aufgestellt werden. Klimaschutzmanagerin Susanne Müller legte den Ausschussmitgliedern Zahlen zu den verschiedenen Systemen vor. Eine Normalladesäule des Typ 2, die mit AC - also Wechselstrom - arbeitet, könnte die leere Batterie eines Elektroautos in 110 Minuten aufladen. "Das Auto lädt in der Zeit, in der Sport getrieben und danach geduscht wird", sagte Müller. An der Säule könnten auch zwei Autos gleichzeitig geladen werden, dann würden die Leistung des 44kW-Anschlusses jedoch geteilt.

Der Vorteil der AC-Säule wäre zudem, dass die Stecker mit der Hälfte aller E-Autos kompatibel seien, sagte die Klimaschutzmanagerin. Sonst bräuchten die Nutzer je nach Fahrzeugtyp einen Adapter, um die Lademöglichkeit nutzen zu können.

Die Säule des Typ 2 würde in der Anschaffung 15 700 Euro kosten, wovon die Gemeinde einen Eigenanteil von 5700 Euro tragen müsste. Der Rest würde gefördert. Ein Anschluss könnte mit einer Stromleitung und eigenem Zähler von der Sporthalle aus erfolgen.

Für eine 50-kW- oder 70-kW-Ladesäule reicht das vorhandene Stromnetz allerdings nicht aus, es müsste zunächst ertüchtigt werden. Für eine DC-Schnellladesäule (Gleichstrom) dieser Leistung müsste die Gemeinde 60 000 Euro in die Hand nehmen - würde aber weiterhin nur eine Förderung von 10 000 Euro erhalten.

Eine DC-Schnellladesäule mit 100 kW Leistung könnte ein leeres Auto zwar in 24 Minuten aufladen - würde jedoch 90 000 Euro kosten. Die Gemeinde müsste davon 80 000 Euro übernehmen. Zudem bräuchte so eine Säule eine eigene Trafo-Station und diese sei für viele Autos nur mit einem Adapter nutzbar.

Der Energieausschuss einigte sich recht schnell darauf, sich für eine AC-Säule auf dem modernen Stand der Technik mit einer Leistung von 44 kW auszusprechen. Jürgen Knorz (CDU) sagte: "Es ist eine politische Investition." Die Bilanz anderer Ladesäulen im Gemeindegebiet sei bislang eher ausbaufähig. An der Sporthalle in Lang-Göns seien etwa weniger als 40 Autos in einem Jahr aufgeladen worden. "Es ist sehr ernüchternd."

Um die neue Ladesäule in Oberkleen attraktiv zu machen, sprach er sich für ein abrechnungsfreies Ladeangebot aus. Selbst wenn die Nutzungszahlen in Oberkleen doppelt so hoch wären wie an anderen Säulen im Gemeindegebiet, sei dies noch immer nur ein Zeichen. Er vermutet, dass selbst bei einer deutlichen Steigerung der Zahl der E-Autos eher Hallenbesucher von außerhalb die Ladesäule nutzen werden. Dr. Michael Buss (Grüne) unterstützte den Vorschlag für ein abrechnungsfreies Angebot. Die Abrechnungssysteme seien für E-Autobesitzer immer ein leidiges Thema.

Bürgermeister Marius Reusch sagte, dass die Ladesäule erst einmal für sechs Jahre aufgestellt werde. Der Aspekt der Umsatzsteuer müsse im Vorfeld geprüft werden. Bei einem kostenfreien Ladeangebot solle man regelmäßig die Nutzerzahlen überprüfen und gegebenenfalls ein Abrechnungssystem einführen. Dies wurde einstimmig empfohlen. Ausschussvorsitzender Buss sagte: "Da wird man hier noch zum AC/DC-Experten."

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