Dirk Schwan ist leidenschaftlicher Tischler. Seine Affinität zum Handwerk sieht man auch an seinem Campingbus, mit dem er mit seiner Frau Melanie unterwegs ist.
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Dirk Schwan ist leidenschaftlicher Tischler. Seine Affinität zum Handwerk sieht man auch an seinem Campingbus, mit dem er mit seiner Frau Melanie unterwegs ist.

Reiselust

Faszination Wohnmobil: Camping- und der Woodwork-Community feiert Duo aus Langgöns

  • vonLena Karber
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Camping boomt - nicht nur wegen Corona. Doch was macht diese Art des Reisens so attraktiv? Melanie und Dirk Schwan aus Langgöns kennen viele Gründe.

Als sie vor 20 Jahren zum ersten Mal losfuhren, waren Melanie und Dirk Schwan auf den Campingplätzen häufig so ziemlich die Jüngsten. Das hat sich mittlerweile geändert. Camping ist hipp. Und so gehört das Ehepaar aus Langgöns mit 46 und 50 Jahren innerhalb seines Camper-Freundeskreises nun eher zu den Betagteren. Aber was sagt schon das Alter?

Für ihren selbst ausgebauten Kleinbus haben die Schwans extra einen Instagram-Account angelegt, auf dem sie zeigen, was sie erleben. Und das ist so einiges. Mehr als 8500 Menschen folgen mittlerweile der »Tischlerkiste«.

Der Camping-Boom ist nicht nur ein Corona-Phänomen. Zwar entscheiden sich in diesem Jahr viele Menschen für einen Campingurlaub, um Menschenmassen in Flugzeugen und Hotels zu meiden. Laut Statistischem Bundesamt aber hat sich die Anzahl der Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen bereits in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht: 2019 wurden 35,8 Millionen Übernachtungen registriert und damit über zehn Millionen mehr als noch zehn Jahre zuvor. Tendenz steigend.

Doch was macht die Faszination Camping aus? So pauschal können die Schwans das nicht sagen, für sie gibt es verschiedene Arten des Campens, die je nach Lebenssituation Vorteile bieten. Als sie im Jahr 2002 ihren ersten Kleinbus, die »Tischlerkiste 1«, ausbauten, waren sie mit ihrem kleinen Sohn unterwegs. »Da hieß es: Fahrrad raus, Roller raus und er hatte auf dem Campingplatz sofort Anschluss.«

Mittlerweile ist der kleine Sohn ziemlich groß und fährt nicht mehr mit seinen Eltern in den Urlaub. Entsprechend investierten sie 2016 viel Geld und Arbeit, um ihren zweiten Bus so auszubauen, dass er perfekt zu ihren heutigen Vorstellungen passt. »Wirtschaftlich ist ein Selbstausbau eine absolute Katastrophe«, sagt Dirk Schwan und lacht. Doch darum geht es auch nicht. Es ist eine »Liebhaberei«, wie die beiden sagen, ein niemals ganz abgeschlossenes Projekt. »Das Fahrzeug lebt. Die Art des Reisens verändert sich und damit auch der Ausbau.«

Nicht zuletzt wegen ihrer perfektionistischen Innengestaltung sind die »Tischlerkiste 2« und ihre Besitzer in der Szene mittlerweile bekannt. Ihre Instagram-Follower setzen sich vor allem aus Anhängern der Camping- und der Woodwork-Community zusammen, denn die Arbeit mit Holz ist bereits seit 30 Jahren Dirk Schwans große Leidenschaft. Beim Blick auf die Profi-Maschinen in seiner Werkstatt könnte man gar meinen, sie sei mehr als das. »Metallberufler arbeiten in ihrer Freizeit eben gerne mit einem Material, das gut riecht«, sagt er und lacht.

Den Ausbau anderer Vans hat Schwan noch nicht übernommen, doch schon oft stand er Freunden und Bekannten mit Rat und Tat zur Seite. »Hilfe zur Selbsthilfe« nennt er das. Auf Veranstaltungen der Selbstausbauer-Szene bietet er dazu Workshops an, die so aufgebaut sind, dass die Teilnehmer die Inhalte auch mit normalem Heimwerker-Equipment umsetzen können.

Bei diesen Veranstaltungen zeigt sich der Camping- und Vanlife-Boom für die Schwans mittlerweile jedoch auch von seiner weniger schönen Seite: Bei Treffen, die im Vorjahr von 120 Bussen besucht wurden, sind es plötzlich 400 Teilnehmer und es wird vom Veranstalter »ganz schön abkassiert«. Obwohl sie die Gemeinschaft innerhalb der Szene schätzen, ist ihnen das manchmal zu viel. Beim Camping geht es ihnen auch um Ruhe und Erholung. »Die Faszination am Camping kann auch sein, einfach mal niemanden sehen zu müssen«, sagt Melanie Schwan. »Und einfach mal nichts zu tun zu haben, sondern einfach nur da zu sein.«

Ein weiterer Vorteil ist für die Schwans die Flexibilität, die Ungebundenheit. An den meisten Wochenenden des Jahres sind sie mit ihrer Tischlerkiste unterwegs in Deutschland. Mal geht’s zu einer guten Bäckerei in Bayern, mal zu einer kleinen, sympathischen Brauerei und mal zu einem besonderen Wollgeschäft.

Oft genug fahren sie einfach mal los oder kommen nicht dort an, wo sie ursprünglich hin wollten - so wie vor 20 Jahren bei ihrem ersten Campingtripp. »Wir wollten nach Italien und sind an der Nordsee gelandet«, erzählen sie. Doch das mache nichts, schließlich gilt beim Camping: »Der Weg ist das Ziel.«

Dass in diesem Sommer viele Urlauber auf Auslandsaufenthalte verzichten wollen, muss die Camping-Freude nicht beeinträchtigen. »Man muss nicht 2000 Kilometer fahren, um schöne Ecken zu sehen«, sagt Dirk Schwan. Außerdem gehe es manchmal auch einfach nur um das pure Urlaubsgefühl.

»Man darf es eigentlich niemandem erzählen«, sagt seine Frau und erzählt die Episode dann doch: »Wir haben uns auch schon abends zu Hause einfach zum Abendbrot in den Bus gesetzt.«

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