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Staatsminister Axel Wintermeyer (sitzend) schaut den Kindern zu, die zusammen mit Sandra Schneider Brötchen formen.

Unterrichtsfach Heimat

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Langgöns (pad). "HGO macht Schule" - bei diesem Titel dachte Staatsminister Axel Wintermeyer zunächst an die Hessische Gemeindeordnung. Doch das, was sich der hinter dieser Abkürzung steckende Heimat- und Geschichtsverein Oberkleen als Projekt ausgedacht hatte, ist wesentlich spannender als die HGO-Paragrafen. Das stellte der Demografiebeauftragte am Dienstag beim Besuch vor Ort fest. Dieser Meinung ist auch die Jury des hessischen Demografiepreises 2019: Das Oberkleener Projekt steht im Finale der besten sechs.

Das Projekt des Heimatvereins umfasst ein ganzes Bündel von Angeboten. Eines davon ist der Dialektunterricht im Nachmittagsangebot der Grundschule. Dabei lernen die Kinder die Oberkleener Mundartbegriffe kennen. Hinter "Zuckerstoo" verbergen sich etwa Bonbons. Herzstück des Projekts ist "Vom Korn zum Brot". Seit einigen Jahren zeigen dabei die Ehrenamtlichen des HGO den Grundschülern, wie Getreide gezogen, geerntet und zu Brot und Brötchen verarbeitet wird. Dazu verwandelte ein Vereinsmitglied seinen Garten in einen Getreideacker.

Um zu sehen, wie aus Getreidekörnern Mehl wird, steht jedes Jahr ein Besuch auf der Brücker Mühle in Amöneburg an. Müller Thomas Kleinschmidt führt dort die Kinder durch die Anlage. Er hat festgestellt, dass man heute Grundschüler vor allem durch drei Dinge für altes Handwerk begeistern kann: "Schmecken, fühlen, riechen - das macht den Kindern Spaß."

Schullaibchen aus dem Backhaus

Spaß wird den Kindern auch geboten, wenn es in Oberkleen ans Brotbacken geht. Sandra Schneider erklärte den Schülern, wie ein Sauerteig hergestellt wird. Dabei durfte auch Staatsminister Wintermeyer über die Schulter schauen. Wenige Meter entfernt hatte Werner Röhrich bereits Stunden zuvor das alte Backhaus angeheizt. Nachdem der Ofen auf Temperatur und die Asche herausgekehrt war, wurden die Brote und Schullaibchen eingeschossen. Ein herrlicher Duft breitete sich sofort in dem historischen Bauwerk aus, der einem das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ.

Bei den Schullaibchen handelt es sich um eine Art Sauerteigbaguette, in dem eine Mettwurst eingebacken ist. Als es noch keine Schultüten gab, bekamen die Oberkleener Erstklässler das deftige Backwerk zur Einschulung. Am Dienstag machte die neue Oberkleener Grundschulleiterin Heidi Fischer an einem ihrer ersten Arbeitstage nun Bekanntschaft mit dieser Tradition. Und sie konnte feststellen, dass die Schullaibchen auch heute noch bei den Kindern gut ankommen. Sowohl für sie als auch für die Verantwortlichen des HGO steht fest: Das Projekt soll unbedingt fortgesetzt werden.

Lob gab es auch von Staatsminister Wintermeyer: "Das Projekt zeigt, hier ist eine lebendige Dorfgemeinschaft, die sich um die Heimat kümmert." Aus Orten ohne ein solches Gemeinschaftsgefühl würden die Menschen schneller wegziehen. In Oberkleen werde das Miteinander der Generationen gefördert, kulturelles Wissen erhalten und weitergegeben. Dies stärke den Zusammenhalt im Dorf und sichere dessen Zukunft.

Insgesamt 85 Projekte hatten sich für den Demografiepreis 2019 beworben. Eine Jury wählte die sechs Finalisten aus, die zur Preisverleihung am 18. September in Wiesbaden eingeladen sind. Jedem der Finalisten ist bereits ein Preisgeld in Höhe von mindestens 2000 Euro sicher.

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