Dornholzhausen soll durch ein Neubaugebiet wachsen. FOTO: HENSS
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Dornholzhausen soll durch ein Neubaugebiet wachsen. FOTO: HENSS

Über den neuen Standard hinaus

  • vonPatrick Dehnhardt
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Langgöns(pad). Mit dem geplanten Dornholzhäuser Neubaugebiet will die Gemeinde Langgöns Maßstäbe in Sachen Klimaschutz setzen. Damit das nicht nur eine Redewendung bleibt, beriet der Umwelt- und Energieausschuss, welche Vorgaben Häuslebauern in Kaufverträgen und per Bebauungsplan gemacht werden sollen. Fossile Brennstoffe sollen dabei keine Zukunft haben.

Klimaschutzmanagerin Susanne Müller gab einen Überblick über die aktuelle Gesetzeslage: Ab 1. November gilt das GEG - das Gebäudeenergiegesetz des Bundes. Es ersetzt die Energieeinsparverordnung, das Energieeinsparungsgesetz und Erneuerbare-Energien-Gesetz. Ein Neubau erhält nur dann eine Baugenehmigung, wenn er dieses Gesetz erfüllt.

Für die Erfüllung dieser neuen Basisstandards erhalten Bauherren keine Förderung von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Wer jedoch über diesen Standard hinaus investiert, der kann sich über Fördergelder freuen, sagte Müller.

Wer ein Haus nach dem KfW-55-Standard errichtet, kann einen Tilgungszuschuss von 15 Prozent bei einem Kreditbetrag von 120 000 Euro erhalten. Dafür muss der Neubau 45 Prozent weniger Energie benötigen als ein Haus, welches nur die GEG-Vorgaben erfüllt.

Eine Stufe schärfer ist das KfW-40-Haus, welches 60 Prozent weniger Energiebedarf als das Referenzhaus nachweisen muss. Um dies zu erfüllen, sind in der Regel Photovoltaik und Speichertechnik erforderlich. Der Tilgungszuschuss der KfW beträgt in solch einem Fall 25 Prozent bei einer Kreditsumme von 120 000 Euro.

Die Null- oder Plusenergiehäuser sollten Bauherren nicht abschrecken, sagt Müller. "Passivhaus bedeutet nicht, dass nicht mehr gelüftet werden darf."

Neues GEG definiert die Basis

Ausschussvorsitzender Michael Buss (Grüne) hielt fest, dass durch das GEG bereits bestimmte Vorgaben vom Gesetzgeber gemacht werden, diese daher nicht eigens im Bebauungsplan aufgenommen werden müssen. Die Frage sei nun, ob und welchen Standard man vorgeben wolle. Im Winter könnten Holzhackschnitzelanlagen oder Kaminöfen zum Einsatz kommen.

Bürgermeister Marius Reusch (CDU) schlug den KfW55-Standard als Basis für Dornholzhausen vor. Dazu könnte die Kommune Vorgaben machen, wie etwa Solartechnologie auf dem Dach. "Das würde mehr Spielraum lassen." Fossile Energieträger - damit auch Erdgas - würden aber ausgeschlossen.

Thorsten Fuchs (Freie Wähler) schlug vor, sich nicht auf Photovoltaik allein zu beschränken, sondern den Hausbauern auch Solarkollektoren für Warmwasser auf den Hausdächern zu erlauben. Klimaschutzmanagerin Müller sagte dazu, dass mittlerweile Photovoltaik mehr Sinn mache. Die Solarzellen würden auf der gleichen Dachfläche mehr Strom produzieren, als ein Kollektor an Energie bei der Wassererwärmung einspare. Die Systeme ließen sich jedoch auch kombinieren.

Jürgen Knorz (CDU) sprach sich dafür aus, das Thema auch ein Stück weit durch den Markt regeln zu lassen: "Wenn das alles so günstig ist, dann setzt sich das auch durch."

Reusch berichtete, dass eine Quartierslösung durch Nahwärme für das Neubaugebiet in Dornholzhausen ausscheide. Diese ließe sich nur mit fossilen Brennstoffen umsetzen, was man gerade vermeiden wolle. Für Geothermie sei man bereits zu spät daran: Das Genehmigungsverfahren für ein Bohrloch ziehe sich über Jahre hin.

Vorsitzender Buss fasste zusammen, dass sich das Gremium für dezentrale Lösungen ausspricht. Fossile Brennstoffe sollen verboten, eine Solarnutzung auf dem Dach vorgeschrieben werden. Zudem sollen Bauherren beratend unterstützt werden. Dies wurde einstimmig empfohlen.

Auf Vorschlag von Nils Klingelhöfer (CDU) soll zudem auch die Vermeidung unnötig versiegelter Flächen sowie die Regenwassernutzung beachtet werden.

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