Familienbetrieb

So trotzt der Familienbetrieb Künkel dem Bäckereisterben

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  • Patrick Dehnhardt
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Seit 111 Jahren gibt es den Familienbetrieb Künkel, seit 31 Jahren werden in Lang-Göns Brot und Brötchen gebacken. Mit Kaffeehauskultur und regionalem Handwerk trotzt sie dem Bäckersterben.

Der Duft, wenn das Backhausbrot frisch aus dem Ofen kommt, ist unbeschreiblich lecker. Am liebsten würde man es sofort aufschneiden, mit Butter und Marmelade bestreichen und essen. Martin Künkel hat dazu quasi täglich die Gelegenheit.

Auch nach all den Jahren hat dieser Wohlgeruch für ihn nicht an Faszination verloren. In vierter Generation führt er die Bäckerei Künkel. Seit 111 Jahren gibt es den Familienbetrieb, seit 31 Jahren werden in Lang-Göns Brot und Kuchen gebacken.

111 Jahre – in dieser Zeit hat sich vieles verändert. 1908 gründete Gilbert Müller eine Bäckerei und einen Mehlhandel in Queckborn. Sohn Ernst investierte in größere Öfen, seine Tochter Brunhilde Künkel, geb. Müller übernahm 1973 den Betrieb und vergrößerte ihn mit ihrem Mann.

Bei belegten Brötchen und Snacks haben wir das größte Wachstum

Martin Künkel

1976 begann Martin Künkel seine Bäckerlehre im Familienbetrieb. "Oma, Opa, Mama, Papa, ich und ein Geselle – das war damals die gesamte Belegschaft", erinnert sich Künkel. Heute arbeiten rund 60 Mitarbeiter in der Backstube in Lang-Göns, rund 250 im Verkauf.

Die Bäckerei-Branche hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewandelt. Von einst 54 000 Bäckereien sind heute nur noch gut 11 000 übrig geblieben. Experten erwarten, dass die Talsohle erst bei 7000 erreicht sein wird. Ein deutliches Zeichen dieser Entwicklung: In vielen Dörfern und auch Städten sind Backstuben verschwunden. Nicht so die Bäckerei Künkel.

Der Familienbetrieb stellte sich dem verändernden Markt. Zunächst wurde eine Filiale in einem Supermarkt eröffnet. Diese sorgte dafür, dass man deutlich mehr Kunden erreichte. Gleichzeitig wurde dadurch aber auch die Backstube in Queckborn zu klein. Zunächst überlegte die Familie, im Dorf eine neue Backstube zu bauen. Doch dann kam alles anders.

1988 wollte die Bäckerei Weitzel in Lang-Göns aufhören, stand zum Verkauf. Nach gründlicher Überlegung entschied sich Martin Künkel, mit dem gesamten Betrieb und der Familie nach Lang-Göns umzuziehen. "Plötzlich hatten wir sieben Fachgeschäfte."

Mittlerweile sind es über 30 geworden. Um diese mit frischen Backwaren und Kuchen beliefern zu können, baute das Unternehmen vor 20 Jahren im St.-Ulrich-Ring eine neue Backstube. Mittlerweile ist auch diese zu klein geworden.

Anbau für Büros und Produktion

Darum will der Betrieb noch einmal 1000 Quadratmeter für Büros und Produktion anbauen. Mit dem Einweihungsfest soll dann auch das Firmenjubiläum nachgefeiert werden.

Was sich in 111 Jahren verändert hat, ist auch das Verhalten der Kunden. So boomt etwa der Verkauf von belegten Brötchen und Snacks für die Frühstücks- und Mittagspause. "Da haben wir das größte Wachstum", sagt Geschäftsführer Martin Künkel.

Aufbackstationen in Discountern oder Brötchen von der Tankstelle – daran hätte vor 30 Jahren noch niemand gedacht. Die Bäckerei Künkel setzt dem hochwertige Produkte entgegen. "Wir leben unser Bäcker-Handwerk. Das bedeutet unter anderem: Wir pflegen unseren Haussauerteig. Wir stellen Quell- und Kochstücke selbst her. Wir rösten die Körner für unser Brot. Wir schenken dem Teig Ruhe zum Gehen und Reifen", sagt Künkel.

Zudem will die Bäckerei mit Regionalität und Tradition punkten. "Es gibt Brotrezepte, die seit Generationen gepflegt werden, etwa für das Backhausbrot. Da mag der Kunde das Brot, weil es handwerklich hergestellt wird und Zeit zum Reifen bekommt."

Gleichzeitig wagt man sich an Neues, um auch junge Kunden zu erreichen, die Abwechslung auf dem Frühstückstisch suchen. Da darf es dann auch einmal etwas exotisch Klingendes wie ein Chia-Kurkuma-Brötchen sein.

Und noch etwas spielt eine Rolle: Die Bäckerei Künkel profitiert von der Renaissance der Kaffeehäuser. Wenn Martin Künkel davon spricht, kommt er regelrecht ins Schwärmen.

Die Kaffeebohnen bezieht er von einer Rösterei in Wien. "Dieser Kaffee ist etwas Besonderes. Wir haben speziell ausgebildete Barista im Einsatz." Diese stellen aus einem Espresso, der aus einer handgepflückten Arabicabohne gebrüht wird, die verschiedenen Kaffeespezialitäten her – vom Eiscafé bis hin zum Cappuccino. "Besonders die jungen Menschen suchen solch einen Treffpunkt und mögen die Kaffeehauskultur."

Junge Menschen – die braucht auch jeder Familienbetrieb, wenn er eine Zukunft haben möchte. In Elena und Tobias Künkel steht die fünfte Generation des Familienbetriebs in den Startlöchern.

Beide studieren derzeit in einem dualen Studiengang "Unternehmertum". Montags bis donnerstags lernen sie im heimischen Betrieb, freitags und samstags geht es in den Hörsaal.

Elena Künkel will im Anschluss die Lehre zur Fachverkäuferin, Tobias Künkel die Bäckerlehre absolvieren. "Wir wollen so unser Wissen noch erweitern", sagt Elena Künkel. Auch wenn sich die Zeiten seit 1908 extrem gewandelt haben: Das Handwerk steht in dem Familienbetrieb noch immer im Zentrum.

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