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Strom vom Dach fürs Bürgerhaus

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Von: Patrick Dehnhardt

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Am Bürgerhaus Lang-Göns haben die Arbeiten für das neue Bürgersonnenkraftwerk bereits begonnen. © Patrick Dehnhardt

Auf dem Lang-Gönser Bürgerhaus ist es bereits soweit, an drei anderen Gebäuden sollen die Arbeiten auch bald losgehen: Die Sonneninitiative errichtet Fotovoltaikanlagen. Die Bürger können sich daran beteiligen und die einzelnen Module der Anlage kaufen.

In Lang-Göns soll ein Kraftwerk entstehen - zwischen Fußballstadion, Kindergarten und Grundschule. Jedoch ohne qualmende Schornsteine oder brummende Motoren, sondern ein Kraftwerk, welches die Sonnenenergie nutzt. Davon sollen sowohl die Bürger als auch die Gemeinde profitieren. Die Idee dahinter nennt sich Bürgersonnenkraftwerk. Volker Klös, Geschäftsführer des Vereins »Sonneninitiative« aus Marburg, präsentierte sie nun in einer Online-Konferenz den interessierten Bürgern.

Klös schilderte, dass 2003 die Initiative gegründet wurde. »Wir wollten eigentlich nur eine Anlage bauen«, sagt er. Dieses Ziel wurde deutlich überschritten: Mittlerweile sind es über 350 in ganz Hessen und den Nachbarbundesländern geworden.

Die Idee ist recht einfach: Auf einem geeigneten Gebäude, beispielsweise dem Bürgerhaus Lang-Göns, wird eine Fotovoltaikanlage errichtet. Diese gehört jedoch nicht dem Verein. Stattdessen können sich Bürger an der Anlage beteiligten: Sie kaufen die einzelnen Solarmodule. »Jeder erwirbt einen echten Teil der Anlage«, sagte Klös.

Die Sonneninitiative übernimmt neben dem Bau die Wartung und Abrechnung der Anlage für die nächsten 20 Jahre. Der Strom soll nach Möglichkeit in den Eigenverbrauch der Gebäude fließen - denn bei dieser direkten Lieferung ist der finanzielle Erlös wesentlich besser. »Das öffentliche Netz vergütetet nach der EEG-Vergütung. Beim Eigenverbrauch ist es ein mit dem Gebäudeeigentümer frei aushandelbarer Preis.«

Der Strom, der aus der Anlage vom Bürgerhaus Lang-Göns ins Netz eingespeist wird, bringt 5,87 Cent je Kilowattstunde. »Das ist ein Zehntel von dem, was es vor 20 Jahren als Vergütung gab.« Der Endverbrauch zahlt hingegen derzeit ab 24 Cent pro Kilowattstunde beim Stromanbieter. Statt dieses Delta dem Stromkonzern zu überlassen, wird die gewonnene Energie direkt ins Gebäude geliefert und so ein deutlich besserer Gewinn erwirtschaftet.

Doch auch für die Gemeinde Langgöns lohnt sich das Geschäft: Denn der für den Eigenverbrauch der Gebäude ausgehandelte Strompreis liegt deutlich unter dem Marktpreis. 19 Cent sind derzeit inklusive EEG-Umlage im Gespräch.

Auf dem Bürgerhaus Lang-Göns soll eine Anlage mit 300 Modulen und 100kWp Leistung montiert werden. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen, damit sie noch im November betriebsbereit ist. Denn mit jedem Monat sinkt der garantierte Erlös aus der EEG-Umlage. Die Module werden so ausgerichtet, dass sie möglichst morgens und abends viel Strom produzieren - in Zeiten, in denen dieser im Bürgerhaus am meisten gebraucht wird.

Der Verein hat sich jedoch nicht nur zum Ziel gesetzt, Fotovoltaikanlagen zu bauen, sondern auch »schöne Projekte« zu schaffen, die sich an der Gebäudearchitektur orientieren, sagte Klös. In Dornholzhausen soll etwa eine 30 kWp-Anlage auf dem Bürgerhaus entstehen. Diese wird die Dachstruktur mit ihren Gauben aufgreifen.

Weitere Bürgersonnenkraftwerke sind für das Feuerwehrhaus Niederkleen (70 kWp) und das Bürgerhaus Oberkleen (30 kWp) geplant. Beim Feuerwehrhaus sei zwar im Gegensatz zu den Bürgerhäusern der Strombedarf im Gebäude selbst gering, sagte Klös. Jedoch sei aufgrund der Gebäudestruktur und Dachausrichtung ein sehr guter Ertrag zu erwarten.

Insgesamt rechnet die Sonneninitiative mit Baukosten von 240 000 Euro für alle vier Projekte.

Hans Noormann, Erster Beigeordneter der Gemeinde, freute sich bei der Online-Konferenz über die Projekte als Beitrag zum Klimaschutz, von dem auch die Bürger vor Ort profitieren können. Mittlerweile seien Solaranlagen auch auf Dächern möglich, bei denen man vor 20 Jahren aus wirtschaftlichen Gründen noch abgewunken habe.

Die Gemeindevertretung Langgöns hatte kürzlich beschlossen, die Dächer der vier Gebäude an die Sonneninitiative zu verpachten.

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