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Der Strauchhof von oben. Im Vordergrund der Fußballplatz, links das L-förmige Ensemble des Hofes mit Anbau.

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Der Strauchhof von oben: Ein Ort der Besinnung

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Für viele Generationen von Konfirmanden ist ihre Freizeit im Paul-Schneider-Heim unvergesslich geblieben. Über 500 000 Besucher waren hier bereits zu Gast. Derzeit ist es jedoch geschlossen.

Strauchhof - nie gehört? Möglich. Das Ganze ist ähnlich wie mit Gelsenkirchen, was auch kaum jemand auf der Landkarte finden würde. Bei "Schalke" geht aber meist ein Licht auf. Der Strauchhof ist jedoch nicht etwa die Heimstätte einer Fußballmannschaft - sondern des Paul-Schneider-Freizeitheims. Generationen von Konfirmanden und Jugendlichen haben hier bereits übernachtet und tolle Erinnerungen gesammelt. Derzeit ist es jedoch geschlossen.

Vor 107 Jahren war all dies noch nicht abzusehen. Damals baute ein Landwirt westlich von Dornholzhausen am Waldrand einen kleinen Hof auf. Wohnhaus, Scheune und Stallungen, L-förmig angeordnet. Die Jahre vergingen, schließlich kam die Gemeinde in Besitz des Areals. Gleichzeitig suchten die Jugendlichen der Kirchengemeinde einen Treffpunkt. Zusammen mit Pfarrer Emil Zimmerningkat bauten sie den Pferdestall um, schufen sich so einen Platz, in dem sie gemeinsame Zeit verbringen und so sowohl ihre Gemeinschaft als auch ihren Glauben festigen konnten.

Dornholzhausen und Hochelheim bildeten gemeinsam eine Kirchengemeinde, die zum Evangelischen Kirchenkreis Wetzlar gehörte. Dieser beschloss 1955 zusammen mit dem Kirchenkreis Braunfels, den Strauchhof von der Gemeinde zu kaufen und für die Jugendarbeit zu nutzen. Für 35 000 DM wechselte das rund 7000 Quadratmeter große Areal den Besitzer. 1964 wurde das Haus auf Paul-Schneider-Freizeitheim getauft. Es erinnert an den Widerstandskämpfer im Dritten Reich, der einst in Dornholzhausen Pfarrer war. Zunächst war das Freizeitheim ein Selbstversorgerhaus, berichtet Pfarrer Roland Rust. Damals reisten die Konfirmanden aus den beiden Kirchenkreisen mit dem Bus an. Dieser hielt unten am Knorrhof an der Landesstraße. Mit von Kühen gezogenen Fuhrwerken wurden die Jugendlichen dann hinauf zum Strauchhof gefahren. Übernachtet wurde in Zelten und der Scheune, sich gewaschen morgens am Brunnen.

Wandern, Fußball auf der Wiese, Lagerfeuer - all das war hier bis vor Kurzem möglich. Das Angebot war über die Jahre stetig gewachsen. So gibt es zwei von einander abtrennbare Gruppenbereiche, die sich eine Küche teilen. Im Anbau sind ein Spiele- und ein Versammlungsraum mit Tischtennisplatte untergebracht. Der Bolzplatz, mit viel Leidenschaft und Können von Haustechniker Hans Glaser angelegt, war zuletzt für die Fußballfans der Treffpunkt. 2017 wurde eine Grillhütte errichtet, zu der auch ein Holzofen gehört. Hier kann Pizza gebacken werden. "Wir wollen für die Jugendlichen eine gute Erinnerung schaffen", sagte er kürzlich.

"Bis zum 60-jährigen Jubiläum 2015 haben wir hier 500 000 Besucher gezählt", berichtet Pfarrer Rust. Zuletzt waren die Enkel der ersten Konfirmanden, die hier ihre Konfi-Freizeit verbrachten, zu Gast.

Derzeit kann jedoch niemand mehr Erinnerungen sammeln. Das Freizeitheim ist seit Mitte Mai aufgrund Personalmangels geschlossen. Einzelne Veranstaltungen wie der kreiskirchliche Konfirmandentag am 17. August finden allerdings statt. De Hausmeister pflegt zudem das Areal, bis eine Entscheidung über die Zukunft getroffen ist. "Es gibt viele Leute, die das Potenzial dieses Hauses sehen", sagt Pfarrer Rust. Wie die Zukunft des Freizeitheims aussieht, entscheidet ein Ausschuss. Dieser entwickelt derzeit ein Konzept. Bis zur Sommersynode solle dieses vorgestellt werden.

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