Eine Schicht aus Fäkalien und Abwasser schwimmt auf der Oberfläche. 
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Eine Schicht aus Fäkalien und Abwasser schwimmt auf der Oberfläche. 

Nachbarn sind entsetzt

Stinkender Schaum: Fäkalien dringen in Langgöns aus Sickergrube in Bach - Kanalfirma muss mit Strafe rechnen

  • vonStefan Schaal
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Erhebliche Mengen von Abwasser und Fäkalien sind in Dornholzhausen aus einer alten Sickergrube in den Kleebach gelangt. Auch eine Kanalreinigungsfirma war an dem Vorfall beteiligt. "Dafür können wir nichts", weist diese auf Nachfrage jeden Vorwurf von sich.

Henry K. blickt auf den nahezu lautlos fließenden Kleebach vor seinem Haus in Dornholzhausen. Und reibt sich verwundert die Augen. Das Wasser ist trüber und dunkler als sonst, es ist außerdem kaum zu sehen. Auf der Oberfläche schwimmt eine dicke Schicht aus stinkendem Schaum. Auf der Suche nach der Ursache wird er bei einem Nachbarn fündig. Dort sind erhebliche Mengen an Abwasser und Fäkalien aus einer alten Sickergrube in den Bach gelangt. "Eine Umweltsauerei", sagt der Anwohner entsetzt.

Verursacher uneinsichtig

Die Schicht ähnele "Cappuccino-Schaum", sagt der Langgönser. Er fügt hinzu: "Hier nur leider aus Spülmaschine, Waschmaschine und Toilette, ist anzunehmen." Über die gesamte Länge des Bachs in Dornholzhausen hat sich das Wasser schwarz gefärbt. "Leider haben sich die ganz einfachen Umweltstandards auch im Jahr 2020 noch nicht bis in die letzten Winkel herumgesprochen", äußert sich der 63 Jahre alte Henry K. fassungslos. "Vom Bewusstsein dafür ganz zu schweigen."

Der Vorfall ist wohlgemerkt nicht schlicht auf ein Missgeschick des benachbarten Grundstückseigentümers zurückzuführen. Eine in Pohlheim ansässige Kanalreinigungsfirma war beteiligt. "Das ist beim Ausspülen eines Kanalanschlusses passiert", erklärt eine Mitarbeiterin. Auf Nachfrage dieser Zeitung, ob die Firma wegen der Umweltverschmutzung mit einer Sanktionierung rechnet, antwortet sie: "Wir haben nur den Auftrag eines Kunden erledigt." Man könne doch nicht wissen, "wohin die einzelnen Rohre führen". Wie die Kanalreinigungsfirma habe sich auch der Grundstückseigentümer uneinsichtig geäußert, berichtet der Nachbar.

Gemeinde Langgöns: "In dieser Verantwortung steht ein Fachunternehmen"

Die Sickergrube auf dem Grundstück ist zwar seit Jahren stillgelegt, seitdem das Haus an den Kanal angeschlossen wurde. Allerdings gehört der nun durch die Kanalfirma ausgespülte Leitungsabschnitt zum alten Entwässerungssystem und ist der Überlauf der alten Sickergrube.

Dies hätte dem Kanalreinigungsunternehmen bewusst sein müssen, betont die Gemeinde Langgöns: "In dieser Verantwortung steht ein Fachunternehmen." Die Firma wird sich daher nicht aus einer Mitschuld für die Umweltverschmutzung ziehen können. Die Gemeinde wirft dem Unternehmen und dem Grundstückseigentümer außerdem vor, nicht sofort die Arbeiten an der Leitung eingestellt zu haben, nachdem der Nachbar sie auf die Verunreinigung des Kleebachs hingewiesen hatte.

Wasserverschmutzung seit Jahren

"Das darf nicht passieren", sagte Hans Noormann (Grüne), der Erste Beigeordnete. Bürgermeister Marius Reusch berichtete, der Vorfall werde derzeit ordnungsrechtlich geprüft und mit Sicherheit geahndet werden. "Insgesamt nehmen wir Verstöße gegen den Umweltschutz und die Gewässerreinheit sehr ernst." Der Grundstückseigentümer darf vorerst Teile des alten Abwassersystems nicht mehr nutzen. Er muss außerdem die alte Sickergrube spülen, reinigen und absaugen, um eine Kontamination des Grundwassers zu verhindern.

Mitarbeiter der Gemeinde haben derweil festgestellt, dass in den vergangenen Jahren immer wieder Abwasser aus dem Grundstück ungefiltert in den Kleebach gelangt ist. Als Quelle für die Verunreinigung machten sie ein Ausgussbecken mit Anschluss für eine Waschmaschine, eine Dusche und eine Küche aus. Henry K., der Anwohner, erzählt, dass sich die Nachbarn in der Vergangenheit mehrfach gefragt haben, aus welchem Grund das Wasser des Kleebachs von Zeit zu Zeit stinkt. "Jetzt wissen wir’s."

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