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Die Schüler aus Oberkleen und das Lernen in Zeiten von Corona

  • Rüdiger Soßdorf
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Das kommt auch nicht alle Tage vor, dass es eine Grundschule aus dem Landkreis Gießen in die Fachpresse schafft. So wie jetzt die Kleeblatt-Grundschule in Oberkleen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE), die Lehrergewerkschaft im Deutschen Beamtenbund, hat in der Grundschule im Süden des Kreises bei einem "virtuellen Klassenbesuch" einen Blick auf den digitalen Unterricht geworfen.

In der aktuellen Ausgabe der Mitgliederzeitschrift "Lehrer und Schule" wird dem Unterricht in Zeiten von Corona am Beispiel der rund 130 Schüler zählenden Schule ein dreiseitiger Beitrag gewidmet. Titel: "Bitte nicht abschalten".

Am Beispiel der Klasse 3a und ihrer Lehrerin Esther Delatrée wird miterlebt, wie Lehrer und Kinder trotz räumlicher Distanz in täglichem Kontakt bleiben, wie sie weiter lehren und lernen. Eines der Fazits: Video-Chats bringen Abwechslung ins Lernen Zuhause. Denn das war seit den Osterferien bis zur Sommerpause täglich geübte Praxis: Um 9 Uhr trafen sich die Schüler für eine Stunde zu einer Video-Konferenz.

Sie wollte nicht länger nur Arbeitsblätter per E-Mail schicken und mit den Kindern einzeln übers Handy Sprach- und Video-Nachrichten austauschen, wird Esther Delatrée in dem Beitrag von Eva Keller zitiert.

Als absehbar war, dass die Schulen nach Ostern noch eine Weile geschlossen bleiben, habe sie angestrebt, dass das "Lernen zu Haus" für die Schüler mehr sein sollte als Üben, Wiederholen, Vertiefen".

Also wagte sich die Lehrerin, die nach eigenem Bekunden "noch nie eine besondere Affinität zu digitalen Medien" hatte, an neue Formen und Wege der Kommunikation und Wissensvermittlung. Die notwendige technische Ausstattung war in den Familien dieser Klasse aus Oberkleen übrigens vorhanden, heißt es in dem Beitrag.

Gleichwohl zeigt Autorin Keller auch Defizite auf: Dass eben nicht immer alle Kinder teilnehmen können. Etwa weil die Eltern arbeiten gehen und die Kinder nicht alleine an den Rechner dürfen. Oder, wie bei einem Kind, das erst wenige Monate in Deutschland lebt, die Videokonferenz noch an sprachlichen Hürden scheitert.

Weiteres Fazit des Beitrags: Unterm Strich funktioniert es, auch in der Grundschule. Aber das Lernen geht nicht ganz so fix wie im Präsenzunterricht.

Ein spannender Einblick jedenfalls in ein (ungewolltes) Experiment, von dem wir nicht wissen, ob es über kurz oder lang eine Fortsetzung respektive Neuauflage erfährt. so/FOTO: SO

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