Bei Schneefall ist der Verkehr auf der Obergasse und Moorgasse zwar etwas langsamer unterwegs. Unter der Schneedecke verbirgt sich jedoch eine marode Fahrbahn, die für zusätzlichen Verkehrslärm sorgt. FOTO: PAD
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Bei Schneefall ist der Verkehr auf der Obergasse und Moorgasse zwar etwas langsamer unterwegs. Unter der Schneedecke verbirgt sich jedoch eine marode Fahrbahn, die für zusätzlichen Verkehrslärm sorgt. FOTO: PAD

Anwohner leiden

Schlaglöcher sorgen für noch mehr Lärm - Ortsdurchfahrt Lang-Göns wird dennoch nicht saniert

  • vonPatrick Dehnhardt
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Die Ortsdurchfahrt von Lang-Göns ist marode. Dennoch hat sie es nicht auf die Liste der 460 Landesstraßen geschafft, die in den kommenden Jahren in Hessen saniert werden.

Astrid Müller könnte bei "Wetten, dass...?" auftreten: Sie kann allein am Geräusch und an den Erschütterungen in ihrem Wohnhaus erkennen, was für ein Typ von Laster gerade durch die Lang-Gönser Obergasse rauscht und ob er leer oder beladen ist. Da es die Fernsehsendung jedoch nicht mehr gibt, nützt ihr diese Fähigkeit wenig. Zumal sie auf diese Fähigkeit gerne verzichten würde.

Seit Jahrzehnten leben sie und ihre Nachbarn mit einem steigenden Verkehrsaufkommen vor der Tür. "Ich wohne hier seit über 30 Jahren, kenne es seit Kindheitstagen. Aber in den letzten zehn Jahren ist es schlimm geworden", schildert sie in einer Videokonferenz.

Lkw poltern über unebene Straße

Unerträglich wird die Situation vor allen Dingen dadurch, dass die Straße marode ist. Schlaglöcher, Spurrillen und Bodenwellen sorgen dafür, dass der Verkehr unnötig laut wird. "Aufgrund des desolaten Zustands und durch Kanalreparaturarbeiten haben sich Senkungen gebildet", berichtet die Ortsvorsteherin. "Die Reifen der Lkw heben dadurch ab und schlagen dann wieder auf."

Direkt vor ihrem Haus befindet sich auch so eine Senke. Bereits vor zehn Jahren hatte sie einen Vertreter der Straßenverkehrsbehörde darauf aufmerksam gemacht. Sie erinnert sich, wie dieser sagte: "So kann das nicht bleiben." Das Loch blieb dennoch.

Situation am Mühlberg besonders schlimm

"Wir können zur Straße kein Fenster auflassen, sonst verstehen wir kein Wort mehr", sagt Müller. In diesem Moment rattert wieder einmal ein Laster vorbei, vibrieren die Gläser im Regal hinter ihr. Es geht aber noch schlimmer, sagt die Ortsvorsteherin. "Am Mühlberg halten es die Menschen kaum noch aus." Dort ist die Straße nicht nur kaputt, sondern auch noch besonders eng.

Die Gemeinde Langgöns versucht schon seit Jahren, den Verkehr um das Zentrum herum zu leiten. Von der A 485 ist ein Weg durch das Gewerbegebiet über die Straßen "An der alten Bach" und "Am Wingert" ausgeschildert, geht damit direkt am Rathaus vorbei.

"In diese Richtung funktioniert das auch gut", sagt Bürgermeister Marius Reusch, der dies aus dem Fenster beobachten kann. Knackpunkt ist jedoch die Kreuzung Am Wingert/Am Mühlberg: Lkw kommen dort einfach nicht um die Ecke, es fehlt für sie der notwendige Platz zum Abbiegen. "Da können wir auch baulich nichts machen."

Umfahrung funktioniert nur bedingt

In die andere Richtung - also von Holzheim kommend - wäre dieser zwar da. Jedoch würden die meisten den ausgeschilderten Weg zur Autobahn ignorieren. "Die meisten Fahrzeuge bleiben auf der Vorfahrtsstraße", sagt der Bürgermeister. Durch eine in Richtung "Am Wingert" abknickende Vorfahrtsstraße die Umfahrungsmöglichkeit des Ortskerns mehr in den Fokus rücken will Hessen Mobil nicht, da die Landesstraße ja durch den Ortskern geht. "Lang-Göns ist ein historisch gewachsenes Straßendorf", stellt Reusch fest. "Da wird man zwischen Bahn und Autobahn keine Umfahrung mehr hinkriegen. Die Hauptachse wird durch den Ort führen."

Ortsvorsteherin Müller sagt, dass man den Verkehr nicht verbieten wolle. Schließlich müssten auch die ortsansässigen Unternehmen irgendwie ihren Warenverkehr von A nach B bedienen können. Jedoch will man den Verkehrsfluss in vernünftige Bahnen lenken. Dazu zählt sie ein Tempolimit und die Sanierung der maroden Straße.

Nächtliches Tempolimit abgelehnt

Das Problem: Die Ortsdurchfahrt findet sich nicht auf der Liste der 460 Landesstraßen, die Hessen Mobil bis 2025 sanieren will. Dafür hat es die Landesstraße von Dornholzhausen Richtung Hochelheim geschafft - jedoch nur bis zur Kreisgrenze. Da dürften sich zumindest ein paar Kaninchen über weniger Lärm durch Schlaglöcher vor ihrer Tür freuen.

Auch der Antrag für ein nächtliches Tempolimit wurde von der Straßenverkehrsbehörde abgelehnt, berichtet der Bürgermeister: Dort sei ein Gutachten "zu dem unverständlichen Ergebnis bekommen, dass kein Anlass besteht, nachts Tempo 30 anzuordnen". Pohlheim bekam dies hingegen genehmigt.

Um dieses Gutachten anzufechten, will die Gemeinde ein eigenes beauftragen. Zudem sollen die Daten der neuen Geschwindigkeitsmesstafeln ausgewertet werden. Diese zeichnen auf, wie viele Fahrzeuge mit welcher Geschwindigkeit vorbeifahren.

Entscheidender Punkt sei jedoch die Sanierung. Nachdem die Ortsdurchfahrt nicht in der Prioritätenliste auftauchte, habe man Gespräche mit Hessen Mobil geführt, berichtet Reusch. Dort habe es positive Zeichen für eine gemeinsame Lösung mit der Gemeinde gegeben.

"Wenn wir die Bürgersteige und den Kanal erneuern, würde sich Hessen Mobil beteiligen." Jedoch müsste Langgöns dann die Planungskosten übernehmen, sich das Kostenverhältnis zu Ungunsten der Gemeinde verschieben. Um zu wissen, um welche Summen es sich dreht, wurde von der Kommune eine erste grobe Kostenschätzung beauftragt. "Danach muss man abwägen, ob man sich das leisten kann."

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