Röhrig kontert Kritik

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Langgöns (srs). Die Vorwürfe wiegen schwer: Über Jahrzehnte hinweg ist in Langgöns für Bauland kein Ausgleich mit naturnahen Flächen geschaffen worden. Der langjährige Bürgermeister Horst Röhrig soll den Gemeindevorstand und weitere Gremien trotz wiederholter Ermahnungen der Naturschutzbehörden nicht über die Angelegenheit informiert haben. Nun aber meldet sich Röhrig zu Wort - und schießt gegen seinen Nachfolger.

Röhrig, von 1995 bis Mai dieses Jahres Bürgermeister in Langgöns, ärgert sich vor allem darüber, dass der neue Rathauschef Marius Reusch erst vor wenigen Tagen das Langgönser Parlament informiert hat. "Seit September weiß er Bescheid. Warum hat er den Sachstand nicht in der Gemeindevertretung am 5. September mitgeteilt?" Die jetzige Aufregung sei inszeniert, wirft Röhrig daher Reusch vor. "Vor allem aber wäre es normal gewesen, wenn er mit mir darüber geredet hätte. Er hätte mich jederzeit anrufen können."

Röhrig betont zudem, er habe in der Angelegenheit nichts verschwiegen. Für die Schaffung von naturnahen Flächen erhalten Gemeinden sogenannte Ökopunkte gutgeschrieben. Gemeinden können diese auch verkaufen, Preise für einen Punkt schwanken in der Regel zwischen 40 und 70 Cent. Immer wieder, erklärt Röhrig, habe er in Ausschüssen darauf hingewiesen, "dass wir keine Ökopunkte verkaufen sollten, weil wir sie wegen unzureichender Ausgleichsflächen benötigen".

Außerdem habe man in den vergangenen zwei Jahresabschlüssen Rücklagen für Öko-Maßnahmen in Höhe einer Viertelmillion Euro gebildet. Diese seien auch vor dem Hintergrund fehlender Ausgleichsflächen geschaffen worden. "Das ist eine Art Sicherheitsgurt. Wir sitzen als Gemeinde deshalb gut im Sattel", sagte Röhrig.

Die Angelegenheit des Ausgleichs von Bauland durch naturnahe Flächen sei komplex, sagt Röhrig. Es gebe viele Spezial- und Sonderfälle. "Die Ausgleichsmaßnahmen sind auch erst dann notwendig, wenn ein Bebauungsplan komplett erfüllt ist." Häufig würden Ausgleichsflächen von Planern auf privaten Flächen ausgewiesen, auf die Kommunen überhaupt nicht zurückgreifen könnten.

Auf Nachfrage meldet sich auch der Landkreis in der Sache zu Wort. Man habe der Gemeinde Langgöns mehrfach mitgeteilt, "dass Defizite vorhanden sind", sagt Pressesprecherin Louisa Wehlitz. Der Landkreis habe Unterstützung bei der Aufarbeitung angeboten. Gegenüber der Unteren Naturschutzbehörde habe der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch Bereitschaft geäußert, "die bestehenden Defizite in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Gießen und der Landschaftspflegevereinigung aufzuarbeiten".

Die Landschaftspflegevereinigung hat in der Sache bereits ihre Arbeit aufgenommen. Sie wird im Auftrag der Gemeinde Langgöns sämtliche Bebauungspläne seit 1993 in Augenschein nehmen und prüfen, welche Ausgleichsmaßnahmen getroffen wurden und welche ausgeblieben sind. Die Untersuchung wird bis Ende 2020 dauern.

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