Das Rathaus in Langgöns
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Das Rathaus in Langgöns

Reusch aus Quarantäne zurück

Bürgermeister und Mitarbeiter waren infiziert: Wie im Langgönser Rathaus auf das Coronavirus reagiert wurde

  • vonStefan Schaal
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Der Langgönser Bürgermeister ist von seiner Corona-Erkrankung genesen, auch dem ebenfalls erkrankten Mitarbeiter im Rathaus geht es wieder gut. Dass das Virus nicht auf weitere Kollegen übergegriffen ist, ist auch auf Maßnahmen zurückzuführen, die die Rathausverwaltung ergriffen hat.

Zurück im Rathaussessel - zurück in der Normalität allerdings noch lange nicht: Der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch ist von seiner Corona-Erkrankung genesen, ein weiterer vor gut zwei Wochen infizierter Mitarbeiter im Rathaus ist ebenfalls wieder gesund. Dass das Virus nicht auf weitere Kollegen übergegriffen ist, ist auch auf Maßnahmen zurückzuführen, die die Rathausverwaltung ergriffen hat.

So sind die Mitarbeiter streng voneinander getrennt in zwei Schichten tätig. Vor dem Schichtwechsel reinigen und desinfizieren die Kollegen ihre Büros, jeden Telefonhörer und jede Türklinke. Während ihrer Schicht arbeiten sie in ihren Büros allein und weitgehend isoliert.

Es ist ein Rathaus im Ausnahmezustand. Mitarbeiter mit Vorerkrankungen und Ältere arbeiten ohnehin ständig im Homeoffice. In der Zeit der Erkrankung Reuschs und des Mitarbeiters befanden sich außerdem acht weitere Kollegen in Quarantäne, die mit ihnen vor der Corona-Diagnose in einem Abstand von weniger als 1,50 Metern in Kontakt gewesen waren.

Marius Reusch

"Das Rathaus gleicht einem Geisterhaus", sagt Reusch. Auf die Frage, ob das Gemeinschaftsgefühl der 30 Mitarbeiter der Langgönser Verwaltung unter den aktuellen Maßnahmen leiden könnte, entgegnet der Bürgermeister: "Im Gegenteil. Die Krise und das Arbeiten im Notbetrieb stärkt das Bewusstsein dafür, welche Rolle und welche Bedeutung man für die Gemeinde hat." Reusch fügt hinzu: Wir sind handlungsfähig geblieben."

Der Bürgermeister hat sich am Samstag vor drei Wochen im Rathaus bei dem erwähnten Mitarbeiter angesteckt. "Wir haben gemeinsam am Kopierer gestanden und haben Bürgerbriefe verschickt", berichtet Reusch. Am selben Tag hatte er an einem Treffen der Bürgermeister im Kreis Gießen teilgenommen - glücklicherweise vor seinem Termin im Rathaus und vor dem Kopieren der Bürgerbriefe. Andernfalls hätten nach der Corona-Diagnose Reuschs vorsorglich sämtliche Bürgermeister des Kreisgebiets in Quarantäne geschickt werden müssen.

Die Bürgermeisterversammlung zu einem Zeitpunkt, als die Landesregierung bereits die Obergrenze für Versammlungen von 100 auf fünf Menschen reduziert hatte, habe er selbst kritisch gesehen, sagt Reusch.

Am Dienstag wurde Reusch nun negativ auf das Coronavirus getestet, seit Mittwoch ist er wieder im Dienst. Auch seine Ehefrau war an Corona erkrankt, hat das Virus inzwischen aber ebenso gut überstanden.

"Das war kein Spaß", blickt Reusch auf die vergangenen zwei Wochen zurück. Er habe an zwei, drei schweren Tage unter Atemnot und starkem Reizhusten gelitten, berichtet er. Fieber habe er in der Zeit nicht gehabt. Auf die Frage, wie ihn die Rathauskollegen nach seiner Rückkehr begrüßt haben, schmunzelt der Bürgermeister - und sagt: "Mit Abstand." FOTO: SRS

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