Engagiert sich stark für den Erhalt der Tier- und Pflanzenwelt: Landwirtfamilie Müller aus Langgöns . FOTO: GECK
+
Engagiert sich stark für den Erhalt der Tier- und Pflanzenwelt: Landwirtfamilie Müller aus Langgöns . FOTO: GECK

Naturschutz

Naturschutz und Landwirtschaft? In Langgöns selbstverständlich!

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
    schließen

Seit Generationen betreibt die Familie Müller Landwirtschaft in Langgöns. In diesem Jahr trägt sie mit 30 Naturschutzmaßnahmen zum Erhalt der Tier- und Pflanzenwelt bei. Ein Besuch auf Hof Niederfeld.

Sämtliche Erntefahrzeuge sind an diesem Abend im Einsatz, Staubwolken bilden sich über den Feldern, es herrscht rege Betriebsamkeit auf der Anhöhe über Lang-Göns. Hier betreibt Familie Müller schon seit Generationen Landwirtschaft. Mehr als 90 Hektar bewirtschaften die Müllers.

Die Müllers, das sind Jörg Müller, promovierter Agrarwissenschaftler mit seiner Partnerin Michaela Eisenhardt, Vater Werner und Mutter Astrid. Dazu noch Jörgs Bruder Jens, ein Maschinenbau-Ingenieur, und dessen Frau Marina, die den anderen zur Hand gehen, wenn Not am Mann ist.

Es sind allerdings weniger die Mähdrescher und die familiären Bande, die die Müllers so besonders machen. Es ist ein anderer Fakt: 20 Prozent ihrer Flächen stellen sie für 30 Naturschutzmaßnahmen zur Verfügung. Dabei sind die Böden rund um Hof Niederfeld überaus ertragreich. Mit herkömmlicher Landwirtschaft ließe sich kurzfristig zumindest weit mehr Gewinn erwirtschaften als mit dem, was die Müllers nun machen. Natürlich werden auch Naturschutzmaßnahmen bezuschusst, aber einen Reibach macht man damit nicht. Doch ums Finanzielle geht es der Familie in diesem Fall ohnehin nicht.

Angefangen hat alles 2005, erzählt Jörg Müller. Martin Wenisch vom örtlichen Naturschutzbund sei damals auf die Familie zugekommen und habe gefragt, ob man etwas für den vom Aussterben bedrohten Feldhamster tun möchte, erinnert sich der 34-Jährige.

Damit ist er bei der Familie auf offene Ohren gestoßen. Also haben die Müllers einfach einen Teil des Getreides bis Oktober auf den Feldern stehen gelassen. Zum einen behalten die Hamster so ihre Deckung, und haben zum anderen die Möglichkeit, Vorräte für den Winter anzulegen. "Das war zu einer Zeit, als Biodiversitätsverlust nicht unbedingt ein beherrschendes Thema war", erzählt Müller.

Und so kam eines zum anderen. Auch das Amt für den ländlichen Raum in Wetzlar wurde zum Partner, half dabei, individuell abgestimmte Maßnahmen für den Betrieb zu finden und umzusetzen.

Vor zwei Jahren, erzählt Müller, habe es bei der Anzahl der Projekte dann "einen regelrechten Quantensprung" gegeben. Damals rief Hessens Umweltministerin Priska Hinz zehn Modellregionen ins Leben. Eine davon nennt sich "Gießen Süd". Neben Langgöns umfasst sie auch Flächen in Hüttenberg, Linden und Pohlheim. Die Projekte sind mehrjährig angelegt. Und natürlich war Familie Müller wieder dabei, sie integrierte gleich vier weitere Großprojekte in ihr landwirtschaftliches Handeln.

Diese Feldflurmaßnahmen zielen speziell auf die Tierwelt ab, sagt Jörg Müller. Dabei werden verloren gegangene Strukturelemente wie Säume, Feldraine, Hecken und Brachen wieder geschaffen. So kam unter anderem der "Rebhuhn-Brutplatz" dazu. Auf einer Blühfläche mit 15 Pflanzenarten finden die vom Aussterben bedrohten Tiere jede Menge Futter und Schutz für ihre Nester, umgeben von einer Brachfläche, die gewissermaßen als Sonnenbank dient.

Ein Getreidestreifen hilft auch dem Hamster, dort Vorräte für den Winter anzulegen. Aber bei Müllers hat man ebenso einen Blick für Pflanzen. So kommt es, dass nun im Rahmen des Projekts "Der bunte Acker" Urgetreidearten wie Dinkel, Emmer und Einkorn auf den Feldern rund um Lang-Göns reifen.

Ohne eine aufrichtige Grundüberzeugung ist das alles kaum möglich. Mutter Astrid Müller bringt es auf den Punkt: "Wir haben ein großes Interesse, dass die Natur in ihrer Vielfalt erhalten bleibt, ist sie doch die Grundlage unserer Existenz."

Dass diese Projekte den Betrieb manchmal auch vor große Herausforderungen stellen, will Jörg Müller gar nicht verschweigen. Schließlich müssen sie etwa bei der Fruchtfolgeplanung mit all ihren Konsequenzen bedacht werden. Auch die Dokumentationspflicht nennt er "aufwendig". Doch man mache das einfach, weil man etwas für den Naturschutz leisten möchte.

Dass die Müllers - zumindest auf kurze Sicht - finanziell sogar drauflegen, nehmen sie bewusst in Kauf. Sie sagen: "Wir denken generationenübergreifend." Die nächste wächst ja ohnehin bereits heran. Jörg Müllers Freundin Michaela ist schwanger. Und Janis und Lennard, die beiden Söhne seines Bruder Jens, haben den Hof schon längst für sich entdeckt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare