Günther Oberländer und weitere Naturschützer haben sämtliche Feldwege in Cleeberg genau vermessen. FOTO: SRS
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Günther Oberländer und weitere Naturschützer haben sämtliche Feldwege in Cleeberg genau vermessen. FOTO: SRS

Vorschlagsliste von Nabu-Gruppen

Naturschützer schlagen Alarm: Wenn in Langgöns Feldwege verschwinden

  • vonStefan Schaal
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Naturschützer in Langgöns schlagen Alarm: Feldwege werden immer schmaler, sagen sie, weil Landwirte verbotenerweise ihre Ackerflächen verbreitert haben. Nabu-Gruppen haben der Gemeinde nun einen Forderungskatalog übergeben. Bürgermeister Reusch aber widerspricht den Naturschützern.

Klima, Insektensterben, Umweltschutz und der Kampf der Landwirte ums Überleben: Die ganz großen Themen kommen in Langgöns in einer Diskussion zur Sprache, die auf den ersten Blick nicht ganz so bedeutungsschwer erscheint. Naturschützer, Bauern, der Bürgermeister und Vertreter der Gemeinde streiten um Feldwege und ihre Breite.

Die Nabu-Gruppen des Oberen Kleebachtals sowie in Langgöns und Dornholzhausen beklagen, dass zahlreiche Feldwege in Langgöns verschwunden sind. Mitglieder der Gruppen waren vor allem in Cleeberg unterwegs. Mehr als 70 Prozent aller Feldwege seien dort durch die Verbreiterung von Ackerfläche inzwischen zu schmal oder gar verschwunden, sagt Günter Oberländer von der Nabu-Gruppe für das Obere Kleebachtal.

Wege seien von fünf auf 2,50 Meter geschrumpft. Man habe das gegenüber der Gemeinde mehrfach geäußert. "Aber in den vergangenen drei Jahren hat sich die Situation nicht verbessert." Die verschwundenen Flächen seien für Insekten und Kleintiere lebensnotwendig.

Die Nabu-Gruppen haben der Gemeinde eine Liste mit Vorschlägen übergeben. Die Flurstücke sollen demnach sofort vermessen und ihre Breite kontrolliert werden. Der vorgeschriebene Zustand der Feldwege, die Größe und die Nutzung sollen wiederhergestellt werden. Gleichzeitig soll die Gemeinde, so schlagen die Nabu-Gruppen vor, festlegen, in welcher Regelmäßigkeit die Feldwege zu pflegen sind. In der Brutzeit etwa sollten wenig oder nicht genutzte Feldwege gesperrt werden.

Bürgermeister Marius Reusch erklärt in Reaktion auf den Vorstoß der Nabu-Gruppen, man habe als Gemeinde inzwischen selbst die Feldwege in Cleeberg gemessen. Die Situation sei aber lange nicht so dramatisch wie von den Nabu-Gruppen dargestellt. "Da wird ein völlig falsches Szenario aufgebaut."

Die Breite der Wege sei in der Hälfte der Fälle in Ordnung. Reusch kritisiert vor allem "die Art und Weise", wie der Nabu vorgehe. Dieser sei doch kein offizieller Aufsichtsbetrieb der Gemeinde. "Es muss darum gehen, zusammenzuarbeiten und zu einer gemeinsamen Perspektive zu finden."

Tatsächlich, räumt Reusch ein, seien fünf der 71 Feldwege in Cleeberg verschwunden. "Das können wir nicht tolerieren", sagte er. Man sei mit den Eigentümern der Ackerflächen im Gespräch.

Das Thema kam am Mittwoch im Umweltausschuss zur Sprache. Ein Arbeitskreis wird nun gebildet, um über den Schutz und die Nutzung der Feldwege und die entsprechende Satzung der Gemeinde zu beraten. Neben Vertretern jeder Parlamentsfraktion sollen dabei auch Jäger, Landwirte und Naturschützer in dem Gremium sitzen, das am 4. März zum ersten Mal tagt.

Die Freien Wähler hatten bereits vor mehreren Monaten einen Antrag gestellt, die Feldwege der Gemeinde in Augenschein zu nehmen. "Es geht um das Wohl unserer Umgebung", sagte Klaus Kutt von der Fraktion. Die Diskussion um Feldwege richte sich nicht gegen die Landwirte. "Wir wissen, dass die Bauern um ihre Existenz kämpfen." Heidi Tonhäuser von der SPD-Fraktion stimmte zu: Bei den Feldwegen könne man eine Lösung nur "im Dialog mit den Landwirten" finden.

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