Das Paul-Schneider-Freizeitheim ist seit anderthalb Jahren geschlossen. Die Gemeinde prüft, Räume für einen Naturkindergarten anzumieten. FOTO: CON
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Das Paul-Schneider-Freizeitheim ist seit anderthalb Jahren geschlossen. Die Gemeinde prüft, Räume für einen Naturkindergarten anzumieten. FOTO: CON

Geringe Umbaukosten

Natur-Kita für Langgöns zum Schnäppchenpreis

  • vonPatrick Dehnhardt
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Im Paul-Schneider-Freizeitheim soll ein Naturkindergarten einziehen: Dieser Plan wurde am Montagabend dem Langgönser Sozialausschuss vorgestellt.

Im Paul-Schneider-Freizeitheim in Dornholzhausen soll ein Naturkindergarten einziehen: Dieser Plan wurde am Montagabend dem Langgönser Sozialausschuss vorgestellt.

Seit Jahrzehnten nutzten Konfirmanden- und Kirchengruppen das Heim für Freizeiten. Im Frühling 2019 hatte der Träger der Einrichtung, der Kirchenkreis an Lahn und Dill, den Betrieb gestoppt. Seitdem ist unklar, wie sich die Kirche zur Zukunft des Heims positionieren wird. Erst im Frühjahr 2021 soll einer Synode entscheiden, ob der Betrieb weitergeht oder die Gebäude verkauft werden.

25 Plätze im ersten Anlauf

In Langgöns ist das Interesse groß, die Einrichtung zu erhalten. Im November 2019 hatten die Kommunalpolitiker beschlossen, dass der Gemeindevorstand mit der Kirchenleitung über die Nutzung eines Teils der Räume für eine naturnahe Kita spricht.

Bürgermeister Marius Reusch berichtete, dass die Gespräche im Frühjahr bereits weit fortgeschritten waren. Dann habe Covid-19 für Verzögerungen gesorgt, zuletzt wechselte die Leitung des Kirchenkreises. Nun habe man ein "interessantes und gewinnbringendes Projektpapier erarbeitet", sagte Reusch.

Angedacht ist kein Waldkindergarten, sondern ein Naturkindergarten, sagte Reusch. Der Unterschied: Die Gemeinde will einen festen Raum im Erdgeschoss anmieten. Wenn es etwa wegen Sturm oder Dunkelheit nicht in den Wald gehen kann, soll er als Gruppenraum dienen. Dadurch wären zudem die gleichen Betreuungszeiten wie in den anderen kommunalen Kitas möglich. Zunächst sei ein Betrieb mit rechnerisch 25 Plätzen angedacht, diese Zahl könne durch eine zweite Gruppe gesteigert werden.

"Überschaubare" Kosten

Die Kosten für notwendige Umbauten - etwa kindgerechter Toiletten - sowie die Ausstattung des Gruppenraums bezifferte der Bürgermeister auf rund 27 000 Euro. Sollte eine Trennwand in den Raum eingezogen werden, würden sie sich auf 35 000 Euro erhöhen. Reusch nannte dies im Vergleich "sehr überschaubar": Der Landkreis als Trägeraufsicht habe mitgeteilt, dass die Einrichtung einer neuen Kita-Gruppe in der Regel eine halbe Million Euro kosten würde.

Nutzung für Seminare denkbar

Eine Kita allein würde das Freizeitheim jedoch nicht retten. Beim Kirchenkreis gibt es Pläne, es weiterhin parallel zum Kita-Betrieb für Kirchen- und Konfirmandenfreizeiten zu nutzen. Dabei soll sich der Schwerpunkt hin zum Aspekt "Bewahrung der Schöpfung" verschieben. Zudem könnte die Einrichtung für private und betriebliche Feiern und Seminare angemietet werden.

Lösung für Küchenbetrieb gesucht

Die Gemeinde Langgöns will auf diesem Weg mehrfach unterstützen: Zum einen soll die Breitband Gießen GmbH einen Glasfaseranschluss bis auf den ehemaligen Strauchhof legen, zum anderen wird geprüft, ob durch Ferienspiel- und Jugendarbeitsangebote die Auslastung des Areals gesteigert werden kann. Bei den auf Kirchenseite notwendigen Umbauten für den Kita-Betrieb will sich die Gemeinde mit maximal 30 000 Euro beteiligen, zudem anteilig die Kosten des Hausmeisters übernehmen. Für den Küchenbetrieb wird noch eine Lösung gesucht.

Geburtenstarke Jahrgänge

Isabell Dern (Grüne) lobte den Schritt hin zum Naturkindergarten mit langen Öffnungszeiten. Eine Waldkita sei meist aufgrund der kürzeren Betreuungszeiten ein Angebot für eine "Elitegruppe", welches Eltern mit normalen Arbeitszeiten nicht wahrnehmen könnten. Dies würde mit dem Konzept gut gelöst.

Jürgen Knorz (CDU) sieht darin eine gute Möglichkeit, das Freizeitheim zu erhalten und zudem in Langgöns auch ein waldkitaähnliches Angebot zu installieren. "Bei mir kommt nicht der Eindruck auf, dass dies besonders teuer ist."

Heidi Tonhäuser (SPD) fragte nach, ob der Bedarf überhaupt da sei: "Woher kommen die Kinder? Wird ein größerer Stromausfall erwartet?" Der Bürgermeister antwortete, dass die anderen Kitas praktisch ausgelastet seien, selbst die erst dieses Jahr neu geschaffene Gruppe in Dornholzhausen. "Es kommen geburtenstarke Jahrgänge."

Weitere Gespräche im Januar

Kristine Tromsdorf (SPD) machte sich über den Sicherheitsaspekt Gedanken: "Ich finde, dass sich Konfi-Freizeiten und ein Kindergarten in unmittelbarer Nähe beißen." Reusch sagte, dass man dies bei den Gesprächen berücksichtigt habe. "Der Kita-Bereich muss abgegrenzt sein und darf tagsüber nicht für jedermann zugänglich sein." Wenn die Kita das Außengelände nutze, sei dieses für die Besuchergruppen gesperrt.

An der Januarsitzung des Sozialausschusses soll ein Vertreter des Kirchenkreises teilnehmen, um weitere Fragen abzuklären.

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