Ein Unwetter hat in der Nacht vom 13. auf den 14. Juni im Kleebachtal für Überschwemmungen und Schlammlawinen gesorgt. FOTO: FEUERWEHR
+
Ein Unwetter hat in der Nacht vom 13. auf den 14. Juni im Kleebachtal für Überschwemmungen und Schlammlawinen gesorgt. FOTO: FEUERWEHR

Überflutungen

Nach Unwetter: Gemeinde darf Hochwasserbecken nicht nachregulieren

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
    schließen

Die beiden Hochwasserrückhaltebecken im Kleebachtal blieben beim Unwetter fast wirkungslos. Dennoch darf die Gemeinde Langgöns sie nicht manuell nachregulieren.

In Sachen Starkregen- und Hochwasserschutz im Kleebachtal ist Eile geboten. Das Thema stand im Zentrum einer Sondersitzung des Langgönser Haupt- und Finanzausschusses am Montag. Die Online-Sitzung wurde dabei von zahlreichen interessierten Bürgern im Netz verfolgt.

"Es ist eine Kernaufgabe der Gemeinde, die Bevölkerung vor Hochwasser zu schützen", hielt Bürgermeister Marius Reusch fest. Doch um wirkungsvoll handeln zu können, müsse man zunächst die Gefahrenstellen und neuralgischen Punkte in der Gemarkung kennen. Diese sind bei Starkregen andere als bei einem klassischen Hochwasser.

Experte soll Starkregengefahr analysieren

Die Gemeinde will darum von einem Fachbüro eine Starkregengefahrenkarte erstellen und sich Handlungsempfehlungen geben lassen. Da Unwetter nicht an Gemeindegrenzen halt machen, soll das gesamte Einzugsgebiet des Kleebachs untersucht werden, inklusive des durch Lang-Göns fließenden Dießenbachs. Der Wasserverband Kleebach habe bereits signalisiert, bei dem Projekt mitmachen zu wollen.

Klimaschutzmanagerin Susanne Müller berichtete, dass Dank des Beitritts zur Charta der Klimakommunen Langgöns für solch eine Analyse eine Förderung von 90 Prozent erhalten könnte - ebenso alle weiteren beteiligten Kommunen. "Auch die Weitergabe der Informationen an die Bürger ist möglich." Diese könnten für ihre Grundstücke einen Hochwasser- und Starkregenpass erhalten, der Risiken aufzeigt.

102 Liter Regen in kurzer Zeit

Wilhelm Simon (SPD) fragte, ob die Gemeinde die Gesamtkosten der Analyse übernehmen müsse, falls es keine Förderung gebe. Müller erläuterte, dass die Ausschreibung erst dann erfolgen dürfe, wenn der Förderbescheid vorliegt.

Klaus Kutt (Freie Wähler) berichtete, dass er seit 1983 jeden Tag Niederschlagsmessungen macht und diese ans Regierungspräsidium weiterleitet. Bis in die 1990er Jahre habe er immer wieder starke Regenfälle festgestellt. In den letzten Jahren sei man hingegen verschont geblieben. "Aber so etwas wie am 13. Juni hatten wir noch nie: 102 Liter in kurzer Zeit."

Der Ausschuss beschloss einstimmig, die Fördergelder für eine Starkregengefahrenanalyse zu beantragen und das Gutachten in die Wege zu leiten.

Behörden stellen sich quer

CDU, FDP und Grüne hatten beantragt, dass die Feuerwehr im Ernstfall die Hochwasserschutzanlagen bei Niederkleen und Dornholzhausen manuell bedienen dürfe. Reusch berichtete, dass die Gespräche bislang ergebnislos verliefen. Die Anlagen seien für langsam steigende Pegel ausgelegt seien. Bei Starkregen würden diese nicht automatisch funktionieren. "Man kann den Bürgern nicht vermitteln, dass solche Becken gebaut werden und keinen Schutz bringen."

Kutt vermutete einen anderen Grund: Die Rückhaltebecken "sollen dafür sorgen, dass die Lahn nicht überläuft. Deshalb ist den Behörden piepegal, ob in Niederkleen ein Keller vollläuft." Wäre dies anders, "würden sie der Gemeinde durch schnelle Entscheidungen einen Weg zeigen, wie sie Schaden von den Bürgern abhalten kann".

Einstimmig beschloss der Haupt- und Finanzausschuss, den Hilfsfonds für die Starkregengeschädigten auf den Weg zu bringen. Dafür ist zunächst eine Summe von 50 000 Euro vorgesehen, die im Bedarfsfall angehoben werden könnte. Reusch sagte, dass die Gemeinde 2008 nach Hochwasser in Lang-Göns schon einmal einen Fonds eingerichtet habe. Leider gebe es darüber keine umfassenden Aufzeichnungen.

Hilfsfonds für Opfer beschlossen

Der Bürgermeister schlug als Kriterium vor, dass nur Kosten angegeben werden können, die nicht von der Versicherung gedeckt werden, Zudem sollen nur Schadensstellen akzeptiert werden, die bei der Feuerwehr gemeldet wurden. Die Spanne sei jedoch sehr breit: Während einige Bürger rückgemeldet hätten, dass bei ihnen kein nennenswerter Schaden entstanden sei, liege dieser bei einem Haus in Dornholzhausen bei über 200 000 Euro, sagte Reusch.

Der Hilfsfonds wurde einstimmig beschlossen. Der Gemeindevorstand soll die Vergabekriterien erarbeiten und bei der nächsten Sitzung vorstellen. Zudem ruft die Gemeinde zu Spenden für die Hochwasseropfer auf.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare