Paletten stehen in den Gängen, der Schriftzug der Feuerwehr prangt standhaft an der Wand.
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Paletten stehen in den Gängen, der Schriftzug der Feuerwehr prangt standhaft an der Wand.

Vergessener Ort

Nach 35 Jahren bereits baufällig: Warum das alte Feuerwehrhaus Langgöns leersteht

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
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Bis vor wenigen Jahren war das Feuerwehrhaus im Niederhofen die Heimat der Lang-Gönser Feuerwehr. Das alte Gebäude ist wegen seiner Schieflage größtenteils verlassen, aber nicht ganz nutzlos.

Das alte Feuerwehrgerätehaus in Lang-Göns hat seine besten Tage hinter sich. Graffitis prangen an den Wänden, die auch sonst in den vergangenen zehn Jahren sehr unansehnlich geworden sind. Dabei hat das Gebäude eine recht zentrale Lage. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich das Bürgerhaus, die Grundschule sowie die Sport- und Fußballplätze.

Seine eigentliche Funktion hat das Haus mit dem Neubau an der Alten Bach nicht mehr. Seit dieser Zeit aber wird es teilweise noch vom Bauhof genutzt. Untergestellt sind in der etwa 250 Quadratmeter großen Fahrzeughalle zahlreiche Gerätschaften, die Beleuchtung für den Weihnachtsmarkt und Stellwände für Ausstellungen.

Das Mannschafts-/Verwaltungsgebäude mit den Sozialräumen samt Schlauchturm dagegen wurde nach rund 35 Jahren wegen Einsturzgefahr stillgelegt. Der Turm von Pisa kann einem schon in den Sinn kommen, wenn man sich den breiten Spalt zwischen dem Gebäude und der Fahrzeughalle anschaut. Bereits in den 90er Jahren hatten sich die Schäden durch Setzungen bemerkbar gemacht. Sie erreichten Mitte der 2000er Ausmaße, dass man sich nach sorgfältiger Abwägung für einen Neubau an anderer Stelle entschloss.

Von außen sind die Schäden allerdings nicht zu erkennen. Richtig eindrucksvoll macht sich die Schieflage dagegen im großen Raum im Obergeschoss erkennbar, als Bauhofleiter Marko Pietron beim Ortstermin eine der dort gelagerten Kegelkugeln vorsichtig auf den Boden legt. Wie von Geisterhand rollt sie zielstrebig zum Fenster hin. Geplant ist deshalb, das Gebäude abzureißen. Das kann aber erst dann passieren, wenn für den Bauhof eine Lösung gefunden wurde, wenn es also eine neue Lager- bzw. Unterstellmöglichkeit gibt. Zwei Alternativen werden dafür in Betracht gezogen. In der Sache ist man jedoch noch nicht entscheidend weitergekommen.

Einweihung 1974 gefeiert

Wenn einer etwas zur Geschichte des Gebäudes sagen kann, dann ist es Ehrenwehrführer Dieter Thorn. Er hat in allen drei Häusern den Feuerwehrdienst getan, also auch noch im Gerätehaus an der Pinggasse. Da seien die räumlichen Gegebenheiten so beengt gewesen, dass ein Neubau her musste, erinnert er sich. 1974 war große Einweihung. Mit einem Ford Transit, dem LF 16 und dem Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) samt Anhängerleiter zog man ein. "Wir waren froh und glücklich", sagt Thorn. Bald darauf erhielt die Wehr einen VW-Bus und einen Unimog des Katastrophenschutzes und war damit auf einem zeitgemäßen Stand.

Die Feuerwehr konnte im Sozialgebäude allerdings nur das Erdgeschoss nutzen. Im ersten Stock war die Bärner Heimatstube untergebracht. Es gab keine Werkstatt, kein richtiges Lager, lediglich den großen Unterrichtsraum, eine Toilette, ein kleines Büro und einen kleinen Lagerraum. Das war auch der Grund dafür, dass die Feuerwehr in Eigenleistung in der Fahrzeug- und der Waschhalle einzog, um den vorhandenen Platz besser nutzen zu können.

Bald stellte sich heraus, dass auch das Flachdach undicht war. So wurden Mitte der 80er Jahre Satteldächer auf der Fahrzeughalle und dem Sozialgebäude errichtet. Auch eine Wärmedämmung bekam das Gebäude verpasst.

Zur Geschichte des Feuerwehrgerätehauses gehört auch die Gründung der Jugendfeuerwehr. Viel Platz hatte sie zunächst allerdings nicht; auch das war ein Grund dafür, neu zu bauen.

Die großen öffentlichen Feste zum 100- und 125-jährigen Bestehen der Feuerwehr wurden auf dem etwas entfernten Festplatz gefeiert. Doch intern wurde auch am Gerätehaus Geselligkeit großgeschrieben, erinnert sich Feuerwehr-Urgestein Thorn: "Der Zusammenhalt war groß."

Besagte Schieflage des Gebäudes sorgte nach 36 Jahren Dienst schließlich für ein vorweggenommenes Ende des Feuerwehrgeschehens im Niederhofen.

Für die anschließende Nutzung des Geländes gibt es schon ein Konzept. Den Stadtverordneten schwebt ein öffentlicher Platz vor, möglicherweise mit einem Veranstaltungsort, der etwa für das Dorfgemeinschaftsfest genutzt werden kann. Dann sind sicher auch wieder rauschende Feste an dem traditionsreichen Ort möglich.

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