pad_espa99_070521_4c
+
Ende Gelände: Laut Parzellenplan der Gemeinde geht der Kirschweg in Espa an dieser Stelle eigentlich weiter. Anlieger haben jedoch Zäune errichtet und ihre Grundstücke so vergrößert.

Mitten auf der Straße ein Zaun

  • VonPatrick Dehnhardt
    schließen

In den 1970er Jahren ließ sich mit Wochenendgebieten Geld verdienen. Private Unternehmer errichteten einen Großteil des Gebiets Espa-West, die Gemeinde hatte weder Einfluss noch einen finanziellen Vorteil. Vor einigen Jahren wurde in dem Areal dauerhaftes Wohnen zugelassen. Der Straßenausbau stellt die Planer vor Hindernisse.

In den Plänen der Gemeinde Langgöns existiert er als durchgehender Bogen: der Kirschweg. Deswegen gibt es Pläne, ihn in eine Einbahnstraße umzuwandeln. Vor Ort in Espa schaut die Lage jedoch anders aus. Denn Anlieger haben einen Abschnitt des Wegs ihren Gärten zugeschlagen und eingezäunt. Die Einbahnstraße würde so in einer Sackgasse enden.

Dorothea Krähling vom Planungsbüro Zick-Hessler zeigte den Mitgliedern des Umwelt- und Verkehrsausschusses zahlreiche Probleme auf, die das Verkehrskonzept und Straßenerneuerungsprogramm für das Areal Espa-West verkomplizieren.

Lange Zeit war das Areal ein Wochenendgebiet, sodass sich niemand an den teils nur geschotterten Wegen störte. Vor einigen Jahren wurde jedoch per Bebauungsplan das permanente Wohnen erlaubt. Bürgermeister Marius Reusch sagte, dass dies noch vor seiner Amtszeit geschah, man sich dem Thema nun aber widmen müsse. Denn sowohl der Zustand der Straßen als auch der Kanalisation sei schlecht.

Klaus Kutt (Freie Wähler) gab einen Einblick in die Entstehung des Gebiets, das aus drei Teilen besteht. Zunächst hatte eine Firma Holzhäuser errichtet und diese mit einem eigenem Brunnen erschlossen, um sie dann zu verkaufen. »Darauf hatte die Gemeinde Espa keinen Einfluss und auch keinen Vorteil davon«, sagte er. Dabei hätte Espa Geld gebrauchen können, der Gesamthaushalt 1968 umfasste lediglich 21 000 DM.

Dass der Rosenweg und der Kleeweg mit einer Breite von nicht einmal drei Metern für heutige Standards und Feuerwehrfahrzeuge zu schmal sind, sei auch in der Historie begründet, erklärte Kutt.

Die Eigentümer der Flächen errichteten den zweiten Abschnitt des Wochenendgebiets ebenfalls auf eigene Faust. »Die hatten nur im Sinn, so groß wie möglich Grundstücke zu verkaufen und haben mit Mühe diese zwei schmalen Wege abgeknipst.« Auch damals ging die Gemeinde finanziell leer aus.

1973 begann Espa, angrenzend ein Wochenendgebiet zu erschließen. Doch als es losgehen sollte, fielen die Baupreise aufgrund der Ölkrise in den Keller, erinnert sich Kutt an jenes eine Mal, als die Kommune vom Wochenendgebiet finanziell profitierte.

»Wir behielten am Ende eine unerwartete Menge Geld übrig.« Dieses wurde in Straßenbefestigung, Laternen und separate Kanäle für Abwasser und Regenwasser investiert.

50 Jahre später ist vor allen Dingen der Regenwasserkanal abgängig, berichtete Planerin Krähling über die Ergebnisse einer Untersuchung aus dem Jahr 2018. Zwar ließe sich dieser per Inliner-Verfahren - dem Ausbessern der Rohre von innen - sanieren. Da aber die Straßen nun befestigt werden sollen, würde es mehr versiegelte Fläche geben - und somit auch mehr Niederschlagswasser anfallen. Dafür seien die alten Rohre zu klein. Es zeichne sich ab, dass für die größeren Wassermengen ein Rückhaltebecken nötig werde - ob oberirdisch oder als Staukanal, sei noch zu klären.

Da die Straßen durchweg alle sehr schmal sind, ließen sie sich nur als Mischflächen ausbauen, sagte Krähling. Sie empfahl, das ganze Gebiet in eine Tempo-30-Zone umzuwandeln und den Eselspfad, Kleeweg und Rosenweg zur verkehrsberuhigten Zone zu erklären. Das Müllfahrzeug werde auch nach dem Ausbau einige Straßen nicht nutzen können, daher empfahl sie, Sammelpunkte für die Mülltonnen vorzusehen.

Der Espaer Ortstvorsteher Volker Rühl sagte, dass Handlungsbedarf bestehe. Er regte an, mit den Anliegern der zukünftigen Einbahnstraßen das Gespräch zu suchen, jedoch werde diese Regelung teilweise bereits jetzt praktiziert, »da lässt sich also was machen«. In Sachen Brandschutz habe die Feuerwehr Wege gefunden, wie sie trotz zu schmaler Straßen alle Gebäude erreichen könne. Jürgen Knorz (CDU) sprach von »einer Herausforderung. Aber wenn wir es machen, machen wir es richtig.«

Wie viel der Ausbau kostet und welchen Anteil die Anlieger tragen müssen, steht noch nicht fest. Die Politiker werden in den kommenden Jahren über den genauen Umfang des Ausbaus beraten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare