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Mit Silbersalzen zum perfekten Bild

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Von: Patrick Dehnhardt

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Walter Pfefferle beim Entwickeln des Bildes. © Patrick Dehnhardt

Langgöns (pad). Es ist eine Tür, die am besten geschlossen bleibt, wenn jemand dahinter arbeitet. Denn sonst sind alle Mühen umsonst: Schon ein Lichtstrahl kann alles zerstörten. Nicht umsonst heißt der Ort Dunkelkammer.

Was früher zur Ausstattung vieler Fotografen und selbstverständlich auch dieser Zeitung gehörte, ist mittlerweile nur schwer und vor allen Dingen im Hobbybereich zu finden. Walter Pfefferle, Fotokünstler aus Langgöns, hat sich der Arbeit mit der analogen Kamera verschrieben.

Dass auf der Rückseite der Kamera kein Monitor verrät, ob das Bild was geworden ist, dass zudem der Speicherplatz auf die Länge des eingelegten Filmes beschränkt ist, macht für ihn den Reiz aus.

Kürzlich etwa hat er eine junge Verkäuferin abgelichtet, die einem Jungen einen Crêpes über die Theke reicht. Nun ist der Moment gekommen, zu schauen, ob aus der Aufnahme etwas geworden ist. Erst muss der Film entwickelt werden, dann geht es in die Dunkelkammer.

Die Tür wird geschlossen, Rotlicht angeschaltet. Es hat keine Auswirkungen auf das Arbeiten mit dem lichtempfindlichen Material. Der Film wird in den Belichter eingespannt, darunter ein Fotopapier gelegt, die Lampe eingeschaltet.

Mit der Stoppuhr kontrolliert Pfefferle, wie lange er belichtet. Nach 20 Sekunden schaltet er das Licht aus, belichtet erneut mit einer zweiten Leuchte in anderer Farbe für einen genauso langen Zeitraum.

Nun wird es chemisch: Das Fotopapier kommt in ein Bad mit der Entwicklerlösung. Zunächst ist es nur ein nasses weißes Blatt. Doch nach kurzer Zeit werden die Konturen sichtbar, treten Augen, Haare hervor. Einen Augenblick später lässt sich das Gesicht mit allen Nuancen genau erkennen.

Pfefferle nimmt das Papier nach zwei Minuten aus der Lösung, legt es dann in ein Stoppbad mit Essigsäure. Darin wird der basische Entwickler neutralisiert. Nun geht es weiter in den Fixierer. Dort werden die Silbersalze abgewaschen, die noch auf dem Fotopapier verblieben sind, jedoch für das Bild nicht benötigt werden. Pfefferle ist mit dem Motiv zufrieden.

Er arbeitet bewusst mit schwarz-weiß, da dadurch Elemente des Bildes deutlich hervortreten, die bei einem Farbbild unsichtbar bleiben. »Es kommt anders heraus, als man es ursprünglich gesehen hat.« Ob ein Bild eher weich oder kontrastreich wirkt, hängt vor allem mit der Gradation des verwendeten Fotopapiers zusammen.«

Allein deshalb sei ein Foto nie ein exaktes Abbild der Realität, findet Pfefferle. Es bekomme seinen eigenen Charakter. »Es ist nicht nur rein mechanisch.« Fotografie ist eben eine Kunstform.

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