Mit einem Bagger wird Schlamm von den Ufern des Kleebachs abgetragen. FOTO: PAD
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Mit einem Bagger wird Schlamm von den Ufern des Kleebachs abgetragen. FOTO: PAD

Starkregen

Für mehr Hochwasserschutz am Kleebach: Bagger im Bach

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Nach einem Unwetter trat der Kleebach am 13. Juni über die Ufer, Schlamm blockierte das Bachbett. Nun wird aufgeräumt.

Ein Bagger steht am Ufer des Kleebachs. Mit viel Fingerspitzengefühl lässt der Fahrer die Schaufel sich wenige Zentimeter neben einer Stützwand in den Schlamm graben. Einen Augenblick später hebt er die braune Masse heraus, kippt sie auf einen Haufen am Ufer. Dort bleibt sie noch ein paar Tage liegen: Die Kleinstlebewesen sollen die Möglichkeit bekommen, ins Bachbett zurückzukehren.

Nicht nur der Baggerfahrer, auch die Verantwortlichen brauchten viel Fingerspitzengefühl, damit in Niederkleen der Kleebach ausgebaggert werden kann. Normalerweise wäre dies mitten in der Brut- und Setzzeit kaum möglich. Doch weil der Kleebach am 13. Juni nach einem Unwetter sein Bett verließ und zahlreiche angrenzende Häuser überschwemmte, bestand dringender Handlungsbedarf. Das Bachbett hatte sich durch Ablagerungen so zugesetzt, dass der Durchfluss für die Wassermassen zu schmal war.

Zustand von 2012 wiederhergestellt

Die Gemeinde besprach die Situation mit der Oberen und Unteren Wasserbehörde sowie der Unteren Naturschutzbehörde und bat darum, den Kleebach zeitnah ausbaggern zu dürfen. Nachdem durch ein artenschutzrechtliches Kurzgutachten eines Fachbüros nachgewiesen wurde, dass keine bedrohten Arten durch die Arbeiten gestört würden, gab es grünes Licht für die Maßnahme.

Durch die Arbeiten werde der Zustand von 2012 wieder hergestellt, berichtete Hans Noormann, Erster Beigeordneter der Gemeinde Langgöns, bei einem Ortstermin. Damals sei der Bach vermessen worden.

Uwe Müller vom Umweltamt berichtet, dass man vor einigen Jahren versucht habe, den Bach zu motivieren, sich selbst ein neues Bett freizuspülen. Dazu habe man Gräben gezogen und Steine gezielt in den Bachlauf gesetzt. "Das hat aber leider nicht wie geplant funktioniert." Daher sei jetzt der große Eingriff notwendig.

Zu wenig Gefälle

Ein Problem des Kleebachs ist, dass er innerhalb Niederkleens kaum Gefälle aufweist, die Fließgeschwindigkeit damit sehr niedrig ist. Dies begünstigt Ablagerungen. Als erste Maßnahme wurde das Bachbett von Büschen und Gras befreit. "Es war alles 1,50 Meter hoch zugewachsen", man habe das Wasser nicht sehen können, sagt Müller.

Nun werden die Ablagerungen abgetragen. Der Bach wird dadurch nicht tiefer, im Hochwasserfall haben die Fluten aber mehr Platz. Damit der Schlamm nicht bald wieder zum Problem wird, soll in Zukunft zweimal jährlich kontrolliert werden, ob sich der Zustand ändert. Bei Bedarf könne dann mit kleinen Maßnahmen Abhilfe geschaffen werden. Zudem kontrolliere nach jedem Hochwasser der Bauhof, ob Baumstämme oder Unrat liegenblieben sind und nun ein Hindernis bilden, sagte Noormann.

In Niederkleen werden die Arbeiten am Bach genau beobachtet. Kritik gab es bislang aber keine. "Die Leute sehen, dass das richtig gemacht wird", sagt der Erste Beigeordnte.

Kritische Stimmen kommen jedoch von außerhalb vom Kreisverband des Naturschutzbundes. "Diese Maßnahme ist lediglich ein nicht ausreichendes Herumlaborieren an Symptomen, ohne das eigentliche Problem anzugehen und wird auch nicht in der gewünschten Weise Erfolg haben", schreibt Peggy Schneeweiß. Sie favorisiert, außerhalb der Orte Überflutungsflächen für die Flüsse zu schaffen. Zudem schlägt der Nabu vor, das vorhandene Wehr technisch umzugestalten, damit es auch bei Starkregenereignissen hilft.

Das Hochwasserrückhaltebecken blieb in der Nacht des 13. auf den 14. Juni wirkungslos, da nicht manuell nachgesteuert werden durfte. Die Gemeinde führe seitdem mit den zuständigen Behörden Gespräche, um im Notfall das Becken steuern zu dürfen, sagte der Erste Beigeordnete.

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