Horst Röhrig
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Horst Röhrig

"Man liegt an der kurzen Leine"

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
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Langgöns(age). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt. An dieser Stelle gewähren Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen Einblicke in ihren neuen Alltag. Heute: der ehemalige Langgönser Bürgermeister Horst Röhrig.

Wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten gehört der wöchentliche Besuch des Fitnessstudios zum festen Programm. Seit vergangenem Juni, also nach dem Ende meiner Amtszeit, habe ich das auf zwei Termine aufgestockt. Außerdem habe ich mir mit Beginn des Jahres das Seniorenticket besorgt und Fahrten in die nähere und weitere Umgebung unternommen, etwa an den Rhein und nach Frankfurt.

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Die beiden genannten Punkte fallen jetzt weg. Dafür unternehme ich ausgedehnte Spaziergänge rund um Niederkleen. Die können schon mal zwei bis zweieinhalb Stunden dauern. Da kommen einige Kilometer zusammen. Dabei kommt man an Ecken, an denen man ewig nicht mehr war - oder sogar noch nie. Das Seniorenticket kann ich momentan erst mal an die Wand hängen. Dafür bin ich gerade dabei, meine Unterlagen zu sichten. So bereite ich etwa Familienfotos auf, um sie dem Gemeindearchiv beziehungsweise der Heimatstube zu überlassen. Darauf zu sehen sind typische Szenen aus den 60er Jahren, etwa Hausschlachtungen oder der Einsatz der Dreschmaschine im Ort. Und da ich nach wie vor im Vorstand des SPD-Ortsvereins bin, recherchiere ich gerade auch zu kommunalpolitischen Themen und bereite Besichtigungen vor. Vermehrt informiere ich mich jetzt im Internet, im Fernsehen und in der Zeitung über die aktuelle Situation. Zu den wenigen Highlights gehört das Einkaufen.

Was vermissen Sie am meisten?

Dass man derzeit nicht alles selbstbestimmt entscheiden kann, was man machen möchte. Man liegt gewissermaßen an der kurzen Leine. Ganz persönlich freut es mich, dass die Friseure bald wieder aufmachen. Das ist bei mir überfällig, war doch der ursprüngliche Termin gerade zu Beginn des Lockdowns abgesagt worden. Heute habe ich einen Termin für Anfang Mai ausgemacht. Außerdem habe ich eine Packung Mundschutz ordern können, was gerade im ÖPNV sehr nützlich ist. Ich denke, dass die Leute in den Städten, mehr unter den Ausgangsbeschränkungen zu leiden haben als wir auf dem Land. Ich glaube schon, dass das Ziel erreicht wird, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Die unterschiedlichen weiteren Vorgehensweisen sehe ich als Chance. So hat jeder die Möglichkeit, von den anderen zu lernen.

Und was ist positiv?

Nach der Krise wird vieles nicht mehr so sein wie vorher. Etwa dass "just in time" wird dann nicht mehr so stattfinden wie bisher. Als Kaufmann habe ich gelernt, dass man nicht von einem Kunden und nicht von einem Lieferanten abhängig sein soll. Grundsätze wie diese werden sicher wieder mehr befolgt. Ich kann mir gut vorstellen, dass es etwa Produktionsverlagerungen auf den europäischen Kontinent geben wird. Auch das Gesundheitssystem wird neu aufgestellt werden. Pflegeberufe werden endlich mehr wertgeschätzt. FOTO: AGE

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