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Nie leise. Bisweilen streitbar. Immer hartnäckig.

Kommunalpolitik

Langgöns: Grande Dame der FDP tritt ab – Ortsverband wird aufgelöst

  • vonStefan Schaal
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Barbara Fandré, die Grande Dame der FDP in Langgöns, zieht sich aus der Kommunalpolitik zurück. Ihr Abschied bedeutet das Aus für die Liberalen in der Gemeinde, der FDP-Ortsverband wird aufgelöst. »Dass ich niemanden gefunden habe, der die Aufgabe übernimmt, ist eine Niederlage«, räumt Fandré ein. Warum hört sie auf?

Langgöns – Weihnachtlicher Schmuck liegt und hängt im Wohnzimmer der Familie Fandré, er hüllt den Raum in ein warmes Licht. »Ich konnte mich von der Deko noch nicht trennen«, sagt Barbara Fandré lachend, dann nippt sie an einem Cappuccino. Es ist Anfang Februar. Sie verspüre eine leichte Melancholie, sagt Fandré. Die Grande Dame der FDP in Langgöns bereitet ihren Rückzug aus der Kommunalpolitik vor. Die Langgönser Liberalen treten daher im kommenden Monat bei den Kommunalwahlen nicht mehr an. Es ist das Ende des Ortsverbands der FDP, der nun aufgelöst wird.

»Ich habe beschlossen, etwas mehr Ruhe in mein Leben zu bringen«, sagt Fandré. Sie wolle mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen, ihr Mann sei seit drei Jahren im Ruhestand.

62 Jahre ist Fandré inzwischen alt. 15 turbulente Jahre in der Kommunalpolitik hat sie hinter sich, immer in der Regierungsverantwortung. 15 Jahre Jamaika-Koalition mit der CDU und den Grünen. »»Der Ton im Parlament kann rau sein, die Zusammenarbeit innerhalb der Koalition und besonders zwischen der Franktionsgemeinschaft war immer auf Augenhöhe«, sagt Fandré. Auf die Frage, wie man mit Feindseligkeiten umgehen sollte, antwortet sie: »Man sollte sie bis zu einem gewissen Punkt ignorieren. Irgendwann sollte man sich aber zur Wehr setzen. Sonst geht man unter.«

Eine Szene im Bürgerhaus Lang-Göns, das Gemeindeparlament tagt: Fandré steht auf, um das Mikrofon zu ergreifen. »Die schon wieder«, raunt ein Vertreter aus der SPD-Fraktion - so laut, dass es jeder hört. »Tut mir leid«, sagt Fandré ins Mikrofon. »Sie müssen mich jetzt aushalten.«

Nie leise oder zurückhaltend. Bisweilen streitbar. Immer hartnäckig. So brachte sich Fandré in der Langgönser Kommunalpolitik ein. Hitzige Debatten zwischen ihr und dem langjährigen Bürgermeister Horst Röhrig (SPD) sind bis heute legendär. Immer wieder sei sie in den 15 Jahren auch persönlich angegangen worden, erzählt sie. Doch sie habe sich den Rat eines Kommunalpolitikers aus Hüttenberg, wo sie geboren und aufgewachsen ist, zu Herzen genommen: »Niemals Schwäche zeigen.«

Fandré hinterlässt Spuren in Langgöns, vor allem im sozialen Bereich. Sie hat den ersten Antrag für die heutige Seniorenwerkstatt initiiert, sie hat dort die stundenweise Betreuung von Menschen mit Demenz zur Entlastung pflegender Angehöriger in die Wege geleitet. Auch die Idee einer Waldkita, die nun vor der Realisierung steht, ist auf Fandrés FDP-Fraktion zurückzuführen.

Das Kämpfen auf politischer Ebene und das Bohren dicker Bretter hat sie Mitte der 90er Jahre erlernt. Damals sollte der Rechtenbacher Friedhof und so auch das Grab der Mutter Fandrés versiegelt werden. Fandré wehrte sich gegen die Gemeinde und nahm sich einen Anwalt - es war der Gießener FDP-Politiker Harald Scherer. Fandré knüpfte Kontakte mit den Liberalen, 2005 gründete sie den FDP-Ortsverband in Langgöns. Ein Jahr später saß sie für die FDP in der Langgönser Gemeindevertretung. Neben ihr war dort in den vergangenen Jahren auch das Ehepaar Baldus für die FDP aktiv, das sich nun aus beruflichen Gründen ebenfalls zurückzieht.

Fandré nahm ihre Aufgabe unterdessen als Einzelkämpferin wahr. Sie habe sich nie in einer parteipolitischen Schiene gefangen gefühlt, betont sie. Sie habe eigene Ideen und Ziele verfolgt. »Ich bin ich.«

Auf die Frage, ob in Langgöns möglicherweise weniger die FDP als die Persönlichkeit Fandrés wahrgenommen wurde, hält sie für einen Moment inne. »Ja«, sagt sie. »Vielleicht bin ich zu dominant.« Sie bedaure, dass es ihr in den 15 Jahren nicht gelungen ist, mehr Mitstreiter zu finden, um den Ortsverband nun weiter zu führen. Die FDP werde als Ideengeber fehlen.

Von Quotenregelungen für Frauen auf politischer Ebene hält Fandré wenig. »Es nutzt nichts, wenn sie es nicht wollen.« Für junge Frauen, die in die Kommunalpolitik einsteigen wollen, seien Rückgrat und Durchhaltevermögen wichtig, sagt Fandré. Dann fügt sie hinzu. »Politik ist nichts für Heulsusen.«

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