Die Abendidylle trügt: Die Anwohner der Lang-Gönser Ortsdurchfahrt sind vom nächtlichen Lärm genervt. FOTO: PAD
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Die Abendidylle trügt: Die Anwohner der Lang-Gönser Ortsdurchfahrt sind vom nächtlichen Lärm genervt. FOTO: PAD

Tempo 30

In Langgöns fordern Bewohner und Politiker ein nächtliches Tempolimit

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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An der Lang-Gönser Ortsdurchfahrt ist es laut. Für das RP und Hessen Mobil ist es jedoch nicht laut genug, sie lehnen ein nächtliches Tempolimit ab. Die Gemeinde plant ein eigenes Gutachten.

Wenn ein großes Fahrzeug über die Rinne in der Fahrbahn vor seinem Haus fährt, vibrieren die Gläser im Schrank, berichtet Hans Dern (Grüne). Astrid Müller (Freie Wähler) muss die Fenster ihres Wohnzimmers geschlossen lassen, wenn sie ihren Besuch verstehen möchte. Beide wohnen an der Lang-Gönser Ortsdurchfahrt, leben seit Jahren mit dem Lärm. Sie wünschen sich, wie viele andere Anwohner auch, dort zumindest nachts Tempo 30.

Die Gemeinde Langgöns würde dieses Tempolimit sofort einrichten - darf es aber nicht, da es sich um eine überörtliche Straße handelt. Bürgermeister Marius Reusch sagte in der Gemeindevertretersitzung am Donnerstagabend, dass die zuständige Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil den Antrag abgewiesen habe. Laut Berechnungen des Regierungspräsidiums (RP) in Gießen sei es nicht laut genug, damit so eine Maßnahme ergriffen werden könne.

Was würde passieren, falls die Verwaltung einfach Tempo-30-Schilder aufhängen und darauf hoffen würde, dass dies die Straßenverkehrsbehörde nicht mit kriegt? Zu diesem Vorschlag sagte Dr. Michael Buss (Grüne), dass der ehemalige Bürgermeister Horst Röhrig einmal einfach einen Zebrastreifen hatte auftragen lassen. Als die Verkehrsbehörde dies mitkam, gab es Ärger - und der Zebrastreifen musste entfernt werden.

Klaus Kutt (Freie Wähler) erklärte, dass man bemüht sei, Menschen zum Wohnen in den alten Ortskernen zu animieren. In Lang-Göns würde der Lärm diese Bemühungen behindern. "Bei solch einer Straße mit solch einem Lärm kriegt man nur Leute dahin, die taub sind", sagte er überspitzt. CDU, FDP und Grüne stellten einen Antrag, dass man mit einem eigenen Gutachten den Berechnungen des RP entgegentreten solle.

Einigkeit herrschte in der Gemeindevertretung darüber, dass der schlechte bauliche Zustand der Straße das Problem noch verschärfe. Die vielen Schlaglöcher und Spurrinnen sorgen für zusätzlichen Lärm.

Schlechte Straße bietet Chance

Bürgermeister Reusch berichtete, dass noch unklar sei, wann die Straße saniert werde - "vor 2022 sind wir aber nicht in der Förderperiode". Isabell Dern (Grüne) fragte, ob dies nicht ein Hebel sei, mit dem man ansetzen könne: Ein Tempo-30-Limit aufgrund der Straßenschäden. Letztlich beschlossen die Gemeindevertreter, diese Möglichkeit prüfen zu lassen und mit einem eigenen Gutachten die Berechnungen des RP anzufechten.

Die Pläne der Nachbarkommunen Linden und Pohlheim, gemeinsam ein Mittelzentrum bilden zu wollen, sorgten bei der Langgönser SPD für Irritationen. Auf Nachfrage von Anja Asmussen erklärte der Bürgermeister, dass man in dieses Vorhaben nicht einbezogen worden sei.

Die SPD wollte zudem wissen, welchen Sachstand es zur Anschaffung eines Bürgerbusses gibt. Reusch teilte mit, dass das Land zwar das Förderprogramm fortsetze, sich jedoch der Bewerbungstermin verzögere. Voraussichtlich im August könne Langgöns Unterlagen einreichen. In den kommenden zwei Jahren würden lediglich 30 Busse für ganz Hessen zur Verfügung gestellt. Ob Langgöns zum Zuge käme, sei daher noch nicht absehbar.

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