Der Krieg in und um Langgöns

  • vonConstantin Hoppe
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Langgöns(con). "Ich denke, ich stehe etwas in der Pflicht: Die Leute haben mir ihre Geschichten gegeben, dann muss ich es auch schreiben", sagt Werner Reusch über sein neuestes Buch. Der Ebersgönser schreibt derzeit an seinem mittlerweile dritten Band über die Ayers-Kaserne und den Zweiten Weltkrieg in und um Langgöns. Wieder werden darin Geschichten enthalten sein, die ihm Menschen und Familien aus der Region zugetragen haben. Dabei hätte er nie gedacht, dass es zu einem dritten Buch kommen könnte: "Aber nach meinem Vortrag im März 2019 gab es ein so starkes Feedback der Besucher, dass ich mich dazu entschloss, ein weiteres Buch zu schreiben", sagt Reusch im Gespräch mit dieser Zeitung.

In dem Buch mit dem Titel "Flugplatz Kirch-Göns - Ayers Kaserne - Magna Park - Vor 75 Jahren endete der zweite Weltkrieg" wird auch die Geschichte von Wilhelm Müller enthalten sein: Der 1920 geborene Ur-Lang-Gönser besuchte ab 1939 die Fliegerschule. Als Flugzeugführer war er von August 1942 bis Mai 1945 bei der Transportfliegergruppe I./TG 3 und flog mit einem Ju- 52-Transportflugzeug militärische Vorräte.

Kritische Töne aus der NS-Zeit

Dabei führten ihn die Befehle auch 25-mal nach Stalingrad, wo er als einer der letzten Piloten landete. Insgesamt absolvierte er in der Zeit zwischen 1939 und 1945 2126 Flüge mit einer Gesamtstrecke von 346 170 Kilometern. Am 9. Mai 1945 geriet er schließlich in russische Kriegsgefangenschaft und kam erst 1948 schwer krank wieder in seine Heimat zurück - ein Schicksal, das viele Männer in diesen Jahren teilten. Doch das Bemerkenswerte an der Geschichte von Wilhelm Müller ist, dass er über all die Jahre Tagebuch führte, seine Erlebnisse festhielt und dabei auch nicht an Kritik an den Befehlshabern in Berlin sparte. Müllers Familie machte die Tagebücher Werner Reusch zugänglich, der sich sehr darüber freute. "Ich bin so froh, dass ich das bekommen habe", so der Autor.

Auch eine weitere Tat des Gendarms Heinrich Engel konnte Reusch im Zuge der Arbeit an seinem dritten Buch aufspüren. Der Polizeimeister mit Dienstsitz in Großen-Linden war für seine Grausamkeit bekannt, verprügelte Kriegsgefangene und wird unter anderem mit der Erschießung von zwei kriegsgefangenen amerikanischen Piloten in Zusammenhang gebracht. Bei den Recherchen zu seinem neuen Buch wurde Werner Reusch nun auf die Geschichte von Heinrich Müller (geb. 1888) aus Leihgestern aufmerksam gemacht: Dieser war im Ersten Weltkrieg Soldat gewesen und wurde am 13. Dezember 1944 von Engels verhaftet und schließlich erschossen - vermutlich, weil er sich zuvor wiederholt kritisch über die Nationalsozialisten geäußert hatte. "Es sind nicht genügend Bäume da an der Straße zur Rindsmühle, damit man sie alle aufhängen kann", soll Müller zu einigen anderen Männern gesagt haben - einer der Kommentare, die schließlich an den Gendarm Engel herangetragen wurden und Müller zum Verhängnis wurden.

In Reuschs neuem Buch sind auf rund 240 Seiten insgesamt 35 Zeitzeugenberichte sowie über 350 historische Fotoaufnahmen enthalten. Darunter findet sich auch ein Foto, das nach der Bombardierung der Bismarckstraße am 22. Februar 1945 in Lang-Göns entstanden ist und eindrucksvoll die Schäden demonstriert. Gleichzeitig wird der dritte Band über Langgöns im zweiten Weltkrieg und die Ayers-Kaserne der letzte der Reihe sein: "Ein viertes Buch wird es nicht mehr geben", da ist sich Reusch sicher. FOTO: PM

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