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Der Niederkleener Steinbruch auf einem Luftbild.

Klare Mehrheit für Recyclingbetrieb

  • vonPatrick Dehnhardt
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Langgöns (pad). In Deutschland gibt es ein Recht auf Meinungsfreiheit. Dieses Recht umfasst jedoch nicht, dass die eigene Meinung zwangsläufig richtig sein muss oder andere ihr folgen müssen. Gleiches gilt für eine Demokratie: Wenn eine Mehrheit die eigenen Vorschläge ablehnt, dann kann einen das ärgern - jedoch ist dies nicht undemokratisch.

Verfüllung nur mit Betreiber möglich

In Langgöns und insbesondere in Niederkleen sind die Meinungen zum Steinbruch geteilt. »Zukunft jetzt« hatte bereits in der Ortsbeiratssitzung gegen die Pläne des Betreibers für eine Bodenwäsche gekämpft, jedoch in dem Gremium keine Mehrheit hinter sich vereinen können. In der Gemeindevertretersitzung erneuerte Eva Oberschelp (Grüne) die Kritik an den Plänen: »Ich sehe hier den Bürgerwillen nicht durchgesetzt.« Außerdem äußerte sie ihr Misstrauen gegenüber den Gutachten unabhängiger Fachbüros sowie bezweifelte, dass die Aufsichtsbehörden regelmäßig unangekündigt kontrollieren würden. Zudem sprach sie von einem »Affront« gegen die Mitglieder von »Zukunft jetzt«.

Tim Schröder (CDU) widersprach dem: »Ich weise zurück, dass es ein Affront gegen die demokratisch gewählten Vertreter im Ortsbeirat ist. Die zwei Drittel, die sich nicht für ›Zukunft jetzt‹ entschieden haben, haben eine andere Meinung.« Die Entscheidung sei demokratisch und offen zustande gekommen.

Jürgen Knorz (CDU) erinnerte daran, dass Oberschelp beim Vergabeverfahren zur Verpachtung des Steinbruchs 2017 mitgewirkt habe. »Alle gewählten Vertreter sind gleich gesetzt. Nicht einige Vertreter sind gleicher oder haben höhere Ziele.« Er sprach sich entschieden dagegen aus, ständig Verdächtigungen zu äußeren, ohne Beweise vorzulegen.

Auch in der eigenen Fraktion wurde Oberschelp kritisitiert. Michael Buss (Grüne) sagte: »Man sollte in einer Demokratie anerkennen, dass nach Wahlen nicht nur eine Stimme zu Wort kommt.« Wolle man den Steinbruch renaturieren, »brauchen wir einen Betrieb dieses Steinbruchs, um den Erdaushub einzulagern und die Verfüllung vorzunehmen«. Würde man man das Loch im Gelände kurzfristig schließen wollen, müsste man aus ganz Hessen Erdaushub nach Niederkleen bringen. Dadurch würde der Lkw-Verkehr deutlich ansteigen, was niemand wolle. Zudem seien solch langen Transportwege ökologisch unsinnig. Stattdessen solle Erdaushub aus der Region eingelagert werden.

Buss sagte, dass die Bodenwäsche dazu diene, Rohstoffe für den Bau aus dem Erdaushub zu gewinnen, ihn somit besser zu nutzen. Dies sei nachhaltig und schone Resourcen. Zudem sei die Kommune Verpächter des Steinbruchs und damit am längeren Hebel. »Wenn es große Mängel gibt, wird der Pachtvertrag nicht verlängert.«

Letztlich votierte ein Großteil der Gemeindevertreter für die Änderungen des Bebauungs- und des Flächennutzungsplans und damit pro Bodenwäsche. Gegenstimmen gab es zwei bei den Grünen, je eine aus der SPD und CDU sowie eine Enthaltung (Grüne).

Verhandlungen zu Freizeitheim

Hingegen einstimmtig beauftragten die Gemeindevertreter den Gemeindevorstand, in Verhandlungen mit dem Kirchenkreis an Lahn und Dill über eine Nutzung und Ankauf des Paul-Schneider-Freizeitheims zu treten. Langgöns würde dort gerne einen Naturkindergarten einrichten. Dieser soll Betreuungszeiten bis 17 Uhr anbieten und so auch für Eltern attraktiv sein, für die beispielsweise aufgrund langer Arbeitszeiten ein Waldkindergarten mit kürzeren Betreuungszeiten ausscheidet.

Für die Kinderbetreuung werden nicht alle Räume des Freizeitheims benötigt werden. Eine Arbeitsgruppe soll für deren Nutzung Vorschläge entwickeln. Tim Schröder, Petra Führer, Dr. Axel Wehrendt, Gerhard Dörr, Isabell Dern und Thorsten Fuchs wurden in diese berufen.

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