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Im Umgang mit Frida lernen die Kinder, Rücksicht auf andere Lebewesen zu nehmen.

Therapiehund

Kinder statt Schafe hüten

Zusammen mit ihrer Besitzerin Julia Fuchs wird Hütehündin Frida zum Therapiehundegespann ausgebildet. Im Kindergarten "Löwenzahn" in Niederkleen ist sie bereits im Einsatz.

Frida ist der neue Star und Liebling bei den Kindern der Gemeinde-Kita "Löwenzahn" in Niederkleen. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine neue Figur aus einer Kinderserie oder die neuste Spielzeug-Modeerscheinung, sondern um eine zwei Jahre alte Altdeutsche Hütehündin, die mit ihrer Besitzerin und Erzieherin, Julia Fuchs die Ausbildung zum Therapiebegleithund absolviert hat und nun regelmäßig die Kita besucht.

Altdeutsche Hütehunde sind sehr selten und drohen auszusterben. Frida wurde ursprünglich extra für die Aufgaben des Hütehundes gezüchtet, aber dieser Plan ging für die Züchter nicht auf. Schon früh zeigte sich, dass Frida weniger Interesse an einer Herde hatte, als an den Menschen, die ihr nahe stehen. Julia Fuchs übernahm Frida. Schnell war klar, dass ein Hund mit Fridas Agilität und Intelligenz eine Aufgabe im Leben brauchte.

Viel Unterstützung

So beschloss ihre neue Besitzerin, eine Ausbildung zum Therapiebegleithund zu absolvieren. Sowohl der Bürgermeister, als auch ihr Kita-Team unterstützten ihre Idee von Anfang an und auch die Eltern stehen der ungewöhnlichen Idee offen und positiv gegenüber. Die Ausbildung dauert noch bis Ende des Jahres.

An fünf Wochenenden über die Monate verteilt müssen die beiden jeden Tag von 10 bis 17 Uhr Übungen absolvieren und neue Fähigkeiten erlernen. Diese werden Zuhause mit viel Disziplin und spielerischem Lernen vertieft. Erste Hilfe, Körperbau des Hundes, aber auch praxisorientierte Übungen, wie der Besuch und Umgang mit körperlich eingeschränkten Menschen, sind Aufgaben, denen die beiden sich während dieser Zeit stellen müssen. Neben der klassischen Therapiebegleithund-Ausbildung kommt Frida aber auch bereits in der Kita zum Einsatz.

Tiergestützte Pädagogik

In Niederkleen testet man derzeit das Potenzial der tiergestützten Pädagogik. Die Kinder lernen den respektvollen Umgang mit anderen Lebewesen. Nicht nur der Umgang mit Tieren, sondern auch untereinander soll so empathischer werden.

"Wenn Frida im Kindergarten ist müssen wir alle ganz leise sein, weil sie so gut hört", erklärt eines der Vorschulkinder am Dienstag in einer Lernstunde mit Frida. Dass es sich gerade mal um die zweite Sitzung in dieser Runde handelt, merkt man dabei weder der Junghündin noch den Kindern an. In einem Sitzkreis beschäftigen sich die Kinder und Erzieher der Gruppe mit Wissenswertem rund um die verschiedenen Hunderassen und ihre "Berufe".

Spielpartner, Freund und Ruhepol

Obwohl die Gruppe beinahe so groß wie eine Schulklasse ist, und durch die Lernspiele immer wieder in Bewegung gerät, liegt Frida in aller Seelenruhe auf ihrer Decke und holt sich nur links und rechts von sich gelegentlich eine Streicheleinheit ab. Lernspiele für die Kinder, bei denen Frida mit Leckerlis belohnt wird, Hundesport, aber auch Vertrauensübungen wie Fellbürsten stehen auf dem Plan.

Dabei wird immer darauf geachtet, dass Kinder und Hund nicht alleine sind und Frida nicht überfordert wird. Sie wird deshalb auch nach ihrer Ausbildung nicht häufiger als zwei Mal die Woche in der Kita zum Einsatz kommen. Die Übungseinheiten mit den Kindern gehen nie über eine Stunde hinaus. Nur an Tagen, an denen sie alle zusammen einen Ausflug in den Wald machen, wird dieses Limit deutlich überschritten, aber das ist auch die Zeit, in der sich ein sportlicher Junghund wie Frida am wohlsten fühlt. Neben respektvollem Umgang, spielendem Lernen, anerkennen von Regeln und der Förderung kommunikativer und kognitiver Kompetenzen hat Frida auch noch einen ganz besonderen Einfluss auf die Kinder. Frida ist für sie nicht nur Spielpartner und Freund, sondern auch noch ein psychologischer Ruhepol: "Ich finde es schön, wenn ich Frida streicheln kann, das tut mir so gut." Mit diesen Worten beendet eines der Vorschulkinder eine weitere Lernstunde der Kindertagesstätte Löwenzahn mit ihrem "Kita-Hund" Frida.

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