Kahlgefressene Äste: Die Raupen des Schwammspinners haben in diesem Revier ganze Arbeit geleistet, wie die Aufnahme von Stefan Ambraß (Leiter Forstamt Wetzlar) zeigt. FOTO: PM
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Kahlgefressene Äste: Die Raupen des Schwammspinners haben in diesem Revier ganze Arbeit geleistet, wie die Aufnahme von Stefan Ambraß (Leiter Forstamt Wetzlar) zeigt. FOTO: PM

Kahlfraß im Langgönser Wald

  • vonred Redaktion
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Langgöns(pm). Diese Nachtfalter machen keine halben Sachen: Im zweiten Jahr in Folge ist in den Forstrevieren Langgöns und Hüttenberg eine Massenvermehrung des Schwammspinners zu verzeichnen. Das Forstamt Wetzlar hat nun die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Göttingen eingeschaltet. Mehrere Fachleute der Anstalt unter Leitung von Dr. Pavel Plasil besichtigten dieser Tage gemeinsam mit den Revierförstern der betroffenen Areale, Rolf Krämer und Lutz Herbel sowie Forstamtsleiter Stefan Ambraß die am stärksten betroffenen Waldteile um den Waldsportplatz Oberkleen und am "Kleebaum" in Cleeberg.

Plasil erläuterte im Anschluss an die Besichtigung, grundsätzlich seien durch die Fraßtätigkeit der Raupen des Schwammspinners sehr viele Bäume entlaubt worden. Der Falter befalle vorrangig die Eiche, verschmähe aber auch nicht andere Laub- und Nadelbäume zur Nahrungsaufnahme. Es sei davon auszugehen, dass die betroffenen Bäume größtenteils im Rahmen des "Johannistriebs" wieder austreiben. Eine Bekämpfung komme jedoch aufgrund gesetzlicher Regelungen erst nach einem zweijährigen Monitoring mit dem biologischen Bekämpfungsmittel Bazillus Thuringensis infrage. Nach Mitteilung von Uwe Müller, Umweltberater der Gemeinde Langgöns, besteht aber auch die Möglichkeit, dass die enorme Population des Schwammspinners aufgrund von Krankheiten, Parasiten oder aber einer für diesen Falter ungünstigen Witterung zusammenbricht und sich die Natur so selbst hilft.

Vorsicht: Raupen nicht anfassen

Um den Zustand und die Vitalität des Schwammspinners im Langgönser Wald zu überprüfen, haben die Fachleute der Forstlichen Versuchsanstalt Proben der Raupen und fertigen Falter genommen, die nun untersucht werden. Den Revierbeamten wurden für das Monitoring spezielle Pheromonfallen ausgehändigt, mit denen die männlichen Falter des Schwammspinners eingefangen werden. Durch das wöchentliche Auszählen der Fänge kann dann eine Prognose für die Situation im kommenden Jahr erstellt werden.

Die Falterzählung dauert noch bis Ende August. Im Herbst beginnt der nächste Schritt des Monitorings. Dazu wird nach einem standardisierten Verfahren die Dichte der Eigelege des Schwammspinners in den Eichenwäldern ermittelt. Die Ergebnisse des Monitorings werden dann zeigen, ob eine Bekämpfung von den Forstfachleuten empfohlen wird. Ob diese Maßnahmen dann tatsächlich ergriffen werden, entscheiden letztlich die betroffenen Waldeigentümer und die zu beteiligenden Behörden.

Bei mehrmaligem Kahlfraß in der Eiche besteht die Gefahr, dass die Eichenbestände absterben. Plasil hofft, dass die Vermehrung des Falters wieder zurückgeht und keine Bekämpfung notwendig sein wird. Grundsätzlich weist er darauf hin, dass von den Faltern des Schwammspinners keine Gefahren für Menschen ausgehen. Die mit langen Haaren besetzten Raupen des Schwammspinners sollten jedoch ebenso wie die ähnlich aussehenden Raupen des Eichenprozessionspinners nicht angefasst werden, da hiervon u. a. schwere allergische Reaktionen ausgehen können.

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