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Das Büro will Marius Reusch erst in der Sommerpause mit persönlichen Gegenständen einrichten. Neu ist bisher nur der Chefsessel. "Der alte Stuhl war nach 24 Jahren wirklich am Ende."

"Jetzt bist du’s"

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Langgöns (srs). Marius Reusch war auf dem Weg zu einer goldenen Hochzeit in Niederkleen, für die Jubilare holte er aus seinem Büro noch ein Geschenk. An seinem Schreibtisch blieb er dann am Samstag allerdings für einen Moment stehen - und nahm Platz. Fünf Minuten Stille. Fünf Minuten innehalten. Einige Tage zuvor hatte er seinen Amtseid abgelegt. "Ich habe gedacht: Jetzt bist du’s", erzählt Reusch und fügt schmunzelnd hinzu: "Jetzt gibt es keinen Letztverantwortlichen mehr, auf den man die Dinge abladen kann - außer dir."

Reusch hat seinen ersten Tag als Langgönser Bürgermeister hinter sich. Leger, im schwarzen Polohemd und in Jeans, präsentierte der neue Rathauschef am Montag knapp 30 Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung seine Ideen und Ziele. Reusch, der Geschichte, Deutsch, Politik und Wirtschaft auf Lehramt studiert hat, hielt keinen reinen Vortrag. Auf Karteikarten stellte er beispielsweise die Frage: "Warum arbeite ich bei der Gemeinde Langgöns?" Für ihn selbst sei es die Idee, "dass Bürger eine Gemeinde stellvertretend verwalten - als Dienst an der Allgemeinheit, mit einem eigenen Interesse."

Das neue Amt als Bürgermeister nahm Reusch anschließend wörtlich - und stellte sich hinter den Grill, um Burger für die Mitarbeiter zu brutzeln.

Seit 1. April bereits sitzt er im Büro des Bürgermeisters, zunächst als Stellvertreter seines urlaubenden Vorgängers. Als Erster Beigeordneter war Reusch immer wieder eingesprungen, wenn Horst Röhrig freie Tage hatte. "Es fühlt sich deshalb nicht wie ein Neustart an", sagt der neue Bürgermeister.

Familie hat oberste Priorität

Einige Brennpunkte hat er in den vergangenen Wochen indes ausgemacht: Die bisherigen Prognosen für die Entwicklung im Kita-Bereich seien unzutreffend, sagt Reusch. Es gebe wesentlich mehr Anmeldungen als angenommen, in der Personalplanung sieht der Bürgermeister einen "starken Handlungsbedarf." Für konkrete Schritte sei allerdings eine genauere Analyse erforderlich.

Er wolle für Transparenz und Offenheit stehen, erklärte Reusch bei seiner Antrittsansprache am Mittwoch. Eine weitere Bemerkung während seiner Rede sorgte für Aufsehen und Anerkennung: Er werde nicht jeden Termin wahrnehmen, sagte er. "Die Familie hat für mich oberste Priorität." Anhaltender Applaus drang daraufhin durch den Saal. Die Reaktion habe ihn beeindruckt, sagt der Vater eines zwei Jahre alten Sohnes.

Mit jedem Mitarbeiter im Rathaus hat Reusch in den vergangenen Wochen Einzelgespräche geführt. Eine Anregung des neuen Bürgermeisters: In Arbeitsgruppen können die Mitarbeiter Ideen entwickeln - zum Beispiel zur Struktur des Bauhofs oder zur Gestaltung der standesamtlichen Hochzeiten.

Sieben Monate sind seit der Wahl Reuschs zum Bürgermeister vergangen. Er hat Fortbildungen im Bereich der Verwaltung absolviert. Seine Ausbildung zum Lehrer konnte er allerdings nicht abschließen. Fünf Monate fehlten ihm, um das Referendariat zu beenden. Eine Verkürzung war nicht möglich. "Bürokratische Hürden. Das ist ärgerlich."

Das Büro will Reusch erst in der Sommerpause mit persönlichen Gegenständen einrichten. Neu ist bisher nur der Chefsessel. "Der alte Stuhl war nach 24 Jahren wirklich am Ende."

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