Fünf Jahrzehnte ist das her: Die feierliche Einweihung des Zeltplatzes mit musikalischer Umrahmung durch den Spielmannszug. FOTO: PM
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Fünf Jahrzehnte ist das her: Die feierliche Einweihung des Zeltplatzes mit musikalischer Umrahmung durch den Spielmannszug. FOTO: PM

70 Jahre alte Dachziegel haben ausgedient

  • vonConstantin Hoppe
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Langgöns(con). Der Verein Blasorchester und Spielmannszug Lang-Göns erhält für die Sanierung des Daches auf dem Sanitärgebäude seines Zeltplatzes einen finanziellen Zuschuss über 10 756 Euro von der Region Gießener Land. Die Freude beim Vereinsvorstand war groß, als vor wenigen Tagen der Förderbescheid in der Post lag: 80 Prozent der Kosten werden übernommen.

Bereits seit Mai 2019 führte der Zeltplatzkoordinator Reinhard Puhl Vorgespräche mit dem Regionalbüro des Vereins Gießener Land, im Januar wurde dann ein Förderantrag für die Sanierungsarbeiten am Sanitärgebäude gestellt.

Künftig zwölf Schlafstellen

"Mit der Umsetzung der Arbeiten wurde bereits begonnen, damit in der zweiten Jahreshälfte Nutzergruppen noch die Möglichkeit haben, den hierbei eingerichteten Schlafraum in Anspruch zu nehmen", sagte Puhl. Das Dach soll neu gedeckt werden, zudem eine zeitgemäße Wärmedämmung eingebaut werden. An der Giebelseite wird ein größeres Fenster als zweiter Fluchtweg eingebaut, zudem die Elektrik auf den neuesten Stand gebracht. Damit stehen zukünftig in dem rund 43 Quadratmeter großem Dachraum zwölf Schlafstellen bereit.

Das Sanitärgebäude wurde durch die Vereinsmitglieder vor über 50 Jahren in Eigenleistung errichtet. In vielen Arbeitsstunden entstanden im Erdgeschoss Toiletten, Duschen für Damen und Herren sowie ein Geräteraum für die zur Zeltplatzpflege notwendigen Maschinen und Werkzeuge.

Zur Dacheindeckung wurden seinerzeit gebrauchte Falzziegel verwendet, die nun ein geschätztes Alter von 70 Jahren haben. Mit der Sanierung will man den Zeltplatz für die nächsten Jahrzehnte attraktiv gestalten, sagte Puhl.

Doch wie kommt es dazu, dass eine Musikgruppe einen Zeltplatz in Eigenregie führt? Die Idee dazu kam dem damaligen Vorsitzenden des Vereins Otto Öhler 1969, als er zusammen mit Helmut Christen bei einem Zeltlager am Lagerfeuer saß.

Von Beginn an wurde die Horwertswiese als Standort ins Auge gefasst, Gespräche mit der Gemeinde und dem Jagdpächter geführt. Bereits im Herbst 1969 wurde das Areal eingezäunt und bepflanzt, im Dezember der Pachtvertrag für das 7980 Quadratmeter große Grundstück unterzeichnet.

Richtfest 1973, Einweihung 1977

Im Verein selbst gab es allerdings auch Kritik an dem arbeitsintensiven Projekt. Für die Verantwortlichen war darum klar, dass die Zeltplatzbetreuung nicht in Konkurenz zur Arbeit des Spielmannszugs geraten durfte - denn es gab nicht wenige Mitglieder, die mit dem neuen Projekt nichts zu tun haben wollten.

Gleichzeitig mussten genügend Personen aus dem öffentlichen Leben hinter diesem Vorhaben stehen, um nicht nach einem kurzen Aufflammen eine Bauruine hinterlassen zu müssen. Der damalige Bürgermeister Heinz Ulm, Kreisjugendpfleger Willi Banken und der damalige Landrat Ernst Türk standen jedoch hinter dem Projekt. Auch der Kreisjugendring signalisierte Interesse und sagte Unterstützung zu. Der Baustofflieferant war bereit, Rechnungen auf einen späteren Zeitpunkt zurückzustellen, Baufirmen gaben die Zusage zur kostenlosen Bereitstellung von Maschinen.

Nachdem der Bauantrag 13 Ämter und Institutionen durchlaufen hatte - darunter sogar die US-Armee - wurde am 8. Oktober 1972 der Grundstein für die Zeltplatzhütte gelegt.

In unermüdlicher Arbeit und unter größten Anstrengungen schufteten nicht nur die Vereinsmitglieder, sondern auch viele Vereinsfreunde nach Feierabend und an Wochenenden an der Zeltplatzhütte.

Als von Zimmermeister Willi Thorn das Gebälk gerichtet war, konnte am 3. November 1973 stolz das Richtfest gefeiert werden. Am 13. März 1977 wurde der Platz dann eingeweiht. Seitdem gab es immer wieder Erneuerungsarbeiten.

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