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In Langgöns sollen viele kleine Mulden das Hochwasser aufhalten

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Von: Patrick Dehnhardt

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Ortstermin mit Bürgermeister Marius Reusch (2. v. l.), Förster Frank Bremer (2. v. r.) und Klimaschutzmanagerin Susanne Müller (3. v. r.) an einer der neu geschaffenen Mulden. Diese soll bei Starkregen Wasser aufhalten, das sonst über die Wege schnell nach Dornholzhausen fließen würde. © Patrick Dehnhardt

Starkregen- und Naturschutz gehen im Langgönser Wald Hand in Hand. Dort wurden Mulden angelegt, die den Regen auffangen und so ans schnelle Abfließen in die Dörfer hindern sollen.

Das Kleebachtal war in den vergangenen Jahren immer wieder von Starkregen und dadurch bedingten Überflutungen betroffen. Die Ursache - plötzlich aufziehende Unwetter - lässt sich nicht bekämpfen. Ziel ist es darum, sich mit dem Problem zu arrangieren und mit möglichst vielen Maßnahmen die Folgen zu verringern.

Eine niederschwellige, leicht umzusetzende und kostengünstige Maßnahme wurde nun im Wehrholz bei Dornholzhausen sowie in Oberkleen realisiert: Es wurden Mulden gegraben.

Mulden zu bauen ist keine neue Idee. So werden sie etwa andernorts genutzt, um das Wasser im Wald zu sammeln und so länger für die Bäume nutzbar zu machen. Auch in Oberkleen waren bereits vor Jahrzehnten Mulden mit diesem Hintergedanken angelegt worden. Nun wurden in Langgöns neue Mulden gebaut, jedoch ist das Versickern bei diesen nur ein positiver Nebeneffekt. Denn in der Hauptsache geht es um den Starkregenschutz.

Revierförster Frank Bremer präsentierte dafür am Donnerstag im Waldgebiet Wehrholz ein gutes Beispiel. Zwischen zwei Hügeln bildet sich ein kleines Tal aus, in dessen Sohle ein winziger Bach durchs Laub rinnt - und dies auch nur, weil es in den letzten Tagen viel geregnet hat. Das Tal wird Richtung Westen immer breiter, mündet schließlich bei Dornholzhausen in den Kleebach. Was bedeutet: Alles Wasser, was hier anfällt, fließt Richtung Dorf. Bei starkem Regen sind dies große Mengen.

Aus drei Richtungen führen in dieses Tal Waldwege hinein. Während der Waldboden aufgrund seiner rauen Beschaffenheit viel Wasser aufnehmen und aufhalten kann, sind die Wege ein Problem, erklärt Bremer. Auf ihnen fließt der Regen zu schnell ab.

»Wasser gehört nicht auf den Weg«, sagt der Förster. Denn bei starkem Regen bilden sich Ströme. Ist zusätzlich der Straßengraben ungepflegt und kann nicht viel Wasser aufnehmen, fließt dieses über den Weg und spült den Belag weg.

Man wolle das Wasser am schnellen Abfließen hindern, sagt der Förster: »Das Ziel ist, dass Wasser möglichst lange in der Fläche zu halten.« Denn wenn es weniger schnell ins Tal fließt, bleibt dort auch mehr Zeit für Hochwasserschutzmaßnahmen. »Jede Minute, die wir das Wasser aufhalten können, hilft«, sagte Bürgermeister Marius Reusch. Nebenbei geht es auch darum, dass so mehr Nass im Waldboden versickert und damit über das Jahr hinweg den Bäumen zur Verfügung steht.

Zunächst wurden vier Kilometer Waldwege in Oberkleen und im Wehrholz bei Lang-Göns maschinell abgeschoben und so die Wegeoberfläche geglättet. Der Niederschlag fließt nun wieder ungehindert in die ebenfalls ertüchtigten Straßengräben ab. Von diesen zweigt im regelmäßigen Abstand ein kleiner Graben zu einer Senke ab.

Diese Löcher, die mit einem Minibagger angelegt wurden, haben jeweils ein Fassungsvermögen von wenigen Kubikmetern. »Viele dezentrale Maßnahmen entfalten über die Fläche ihre Wirkung«, beschreibt Bürgermeister Marius Reusch das dahinterstehende Konzept.

Am Donnerstag stand in vielen Mulden noch Wasser aus den vergangenen Tagen, einige waren bereits ausgetrocknet. Das sei auch das Ziel, sagte Bremer. Man wolle nicht neue Tümpel schaffen, die Mulden sollen trocken fallen.

Dennoch seien sie ein Paradies für Gelbbauchunken. Diese leben in der Nähe unter anderem auf der Motocross-Strecke. Auf ihrem Weg in neue Gefilde können die Mulden für sie als »Trittsteinbiotope« dienen - also als Unkenrastplatz.

Reusch sieht in den Mulden viele Vorteile: Sie würden nicht nur der Natur nützen, sonderen seien auch ein Stark-regenschutz, der ohne große Vorplanungen und langwierige Genehmigungsverfahren umgesetzt werden konnte. Für vier Kilometer Wegeertüchtigung und den Neubau von 15 Mulden habe die Gemeinde rund 10 000 Euro ausgegeben. Weitere Mulden sollen dieses als auch in den kommenden Jahren gebaut werden. Entsprechende Gelder sind im Haushalt eingeplant.

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