Ein Swimmingpool verspricht Badespaß - braucht aber auch kubikmeterweise Trinkwasser. SYMBOLFOTO: DPA
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Ein Swimmingpool verspricht Badespaß - braucht aber auch kubikmeterweise Trinkwasser. SYMBOLFOTO: DPA

Corona-Folgen

Immer mehr Menschen kaufen Pools, das führt zu Problemen mit dem Wasserverbrauch

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Aufgrund heißer Sommer und nun auch Corona haben sich immer mehr Menschen einen Pool angeschafft. Die Wasserversorger stellt es vor Herausforderungen.

Planschbecken war gestern: Immer mehr Menschen besitzen einen Pool. Covid-19 und der dritte heiße Sommer in Folge haben diesen Trend weiter verstärkt. Das Wichtigste bei einem Pool ist das Wasser - gleichzeitig ein wertvolles Lebensmittel.

Wenn ein großer Pool befüllt werden soll, braucht es dafür viel Trinkwasser. In der Gemeinde Langgöns kümmern sich der Technische Betriebsleiter Mike Schmidt und die Kaufmännische Betriebsleiterin Sabrina Becker federführend um die Wasserversorgung für die Bevölkerung, Schulen, Kindergärten und Gewerbe.

Früher habe man Standrohre für das schnelle Füllen der Schwimmbecken verliehen, erinnert sich Schmidt. Mittlerweile sei man davon abgekommen, da die dadurch verursachten Schäden am Leitungsnetz zu hoch waren. Wenn innerhalb von zwei bis drei Stunden zig Kubikmeter Wasser aus einer Leitung fließen, die sonst nur Hauswasserhähne bedient, habe dies Auswirkungen. Unter anderem würden Ablagerungen losgerissen, die dann sowohl in den Häusern selbst als auch bei der Technik der Wasserversorger Schäden verursachen.

Ein weiteres Problem: "Wenn zu viele Leute gleichzeitig einen Pool füllen, ist irgendwann der Hochbehälter leer. Es braucht Zeit, ihn wieder aufzufüllen", sagt Becker. "Wenn das Wasser dann als Löschwasser für die Feuerwehr fehlt, wird es schwierig."

Die Gemeinde Langgöns rät dazu, den Pool über einen normalen Gartenschlauch zu füllen. Das brauche zwar Zeit, "doch diesen Wasserverbrauch können wir kompensieren", sagt Schmidt.

Am Ende der Badesaison darf das Wasser aus dem Pool übrigens nicht einfach aufs Grundstück abgelassen oder zur Rasen- oder Gartenbewässerung verwendet werden, da sonst der Boden und das Grundwasser verunreinigt werden. "Der Besitzer behandelt als Hobbychemiker das Wasser mit Chlor", erklärt der Technische Betriebsleiter. Die Badegäste schleppen Sonnencreme oder auch medizinische Salben auf ihrer Haut mit ins Wasser.

Das Regierungspräsidium Gießen hat darum entschieden, dass es sich bei Wasser aus Swimmingpools um belastetes Wasser handelt. "Am schonendsten entsorgt man es über die Abwassersysteme", sagt Becker. Ansonsten drohen im schlimmsten Falle Geldstrafen.

Am Rande des Taunus ist die Trinkwasserversorgung eine Herausforderung. Während es in Cleeberg oder Niederkleen gute Tiefbrunnen gibt, sitzt das Dorfzentrum von Espa auf einem praktisch trockenem Fleck. Die Grundwasserbildung ist in Langgöns stark vom Niederschlag abhängig. Wochenlange Dürre führt zu sinkenden Pegeln auch unter der Erde. "Da haben Sie sofort dieses Defizit", sagt Schmidt.

Ein Teil des Trinkwassers für die sechs Ortsteile stammt aus den eigenen Brunnen und Quellen, der Rest wird von außerhalb zugekauft, erklärt der Technische Betriebsleiter. "Aus eigenen Stücken schaffen wir es nicht." Zudem will man die gemeindeeigenen Brunnen nicht bis zur Belastungsgrenze ausreizen. Je schonender sie behandelt werden, desto länger kann man sie nutzen, sagt er. "Wir wollen lange von diesen Quellen profitieren." Der Bau eines neuen Brunnens ist hingegen teuer.

2020 ist aus wasserwirtschaftlicher Sicht ein besonderes Jahr, sind sich Schmidt und Becker einig. Unter anderem ist der Wasserverbrauch in der Corona-Krise deutlich gestiegen. Becker hat die Zahlen parat.

Wurden 2019 im ersten Halbjahr 66 000 Kubikmeter Wasser aus den eigenen Brunnen gefördert, waren es im selben Zeitraum in diesem Jahr 71 000 Kubikmeter. Die zugekaufte Wassermenge stieg gar um 14 Prozent von 224 000 auf 257 000 Kubikmeter.

Diese steigenden Zahlen liegen nicht allein daran, dass sich jetzt jeder 30 Sekunden lang die Hände wäscht. Es sind mehr Bürger zu Hause, die sonst außerhalb des Gemeindegebiets arbeiten. "Den Lockdown haben wir beim Wasserverbrauch deutlich gespürt", sagt Schmidt. "Was sonst in Büros und den Arbeitsstätten bewältigt wurde, wurde dann zu Hause erledigt, etwa der Toilettengang."

Normalerweise gebe es einen hohen Verbrauch frühmorgens - wenn die Leute sich für die Arbeit fertig machen - und früh abends, wenn sie nach Hause kommen. Derzeit sei der Verbrauch tagsüber kontinuierlich.

Umso wichtiger sei es jetzt, Wasser zu sparen. Die Gemeinde Langgöns, aber auch viele andere Kommunen, fordern derzeit dazu auf, die Garten- und Rasenbewässerung mit Leitungswasser einzustellen, keine Autos zu waschen oder Schwimmbecken zu füllen.

Was passiert, wenn die Trinkwasserversorgung zusammenbricht, hat man erst jüngst in einer Kommune in Niedersachsen gesehen: Die Menschen mussten ihr Wasser an Tankwagen holen. Schmidt sieht jedoch noch weitere Folgen. Es dauere Tage, ein trockengefallenes Leitungsnetz wieder in Betrieb zu nehmen. Die Rohre müssten entlüftet und gespült werden, noch Jahre später sei die Gefahr von Wasserrohrbrüchen erhöht.

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