"Kinder sind unsere Zukunft", erklärt Harry Windirsch sein Engagement für Kitas. FOTOS: PM
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"Kinder sind unsere Zukunft", erklärt Harry Windirsch sein Engagement für Kitas. FOTOS: PM

Engagement für Kitas

Warum ein Langgönser einen Brief aus dem Bundeskanzleramt erhalten hat - "Ich kann einfach nicht Nein sagen"

  • vonStefan Schaal
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Wenn in Langgöns Hilfsbereitschaft gefragt ist, ist Harry Windirsch nicht weit. Der 55-Jährige hat mehr als 15 000 Euro für Kitas gesammelt, ähnliche Aktionen hat er in Bayern und Sachsen-Anhalt gestartet. Kürzlich hat er der Bundeskanzlerin geschrieben - und eine Antwort erhalten.

Harry Windirsch nimmt einen Schluck Kaffee, zieht an einer Zigarette, dann hält er fest: "Was soll man sagen. Wir sind bemüht." Der 57-Jährige trägt einen grauen schmucklosen Pullover, die Haare sind verstrubbelt. Windirsch ist keiner, der gerne im Mittelpunkt steht. Wenn allerdings Hilfsbereitschaft in Langgöns gefragt ist, dann ist er nicht weit. Kaum jemand engagiert sich so stark in seiner Gemeinde, wenn es um die gute Sache geht.

Für Kitas gesammelt

Für Kindergärten in der Gemeinde hat Windirsch in den vergangenen Jahren 15 100 Euro gesammelt. Er wurde daher auch schon mal als "der gute Engel" bezeichnet.

Das Geld für die Kitas hat er durch Spendenaufrufe und durch das Aufstellen von Spendenboxen in Geschäften sowie mit eigenen Mitteln akquiriert, im Rahmen dieser Aktionen hat er Preise für Gemälde von Kindergartenkindern ausgelobt. Die Spendengelder wurden dann in Kitas für Spielgeräte und beispielsweise für Teppichböden verwendet.

"Die Neugier begeistert mich jedes Mal"

In Gemeinden in Bayern sowie in Sachsen-Anhalt hat Windirsch ähnliche Aktionen für Kindertagesstätten initiiert. "In Lindau lebt eine Schwester, und in Allstedt habe ich Bekannte", erklärt der Langgönser. Sein Ziel: "Irgendwann soll es solche Spendenaktionen in jedem Bundesland geben."

Die Motivation für sein Engagement erklärt der Vater zweier inzwischen erwachsener Kinder so bescheiden wie er eben ist. Er sei beruflich immer wieder in Schulen und Kindergärten unterwegs, erzählt der Elektromeister, der mit seiner Langgönser Firma auf die Ortung von Rohrbrüchen sowie auf Anlagen- und Bautrocknung spezialisiert ist. "Kinder fragen dann schnell, was ich da mache. Die Neugier begeistert mich jedes Mal."

"Es geht nicht um meine Person"

Ihm falle in Kitas häufig auf, dass es immer wieder an Spielzeugen und Lernmaterial mangele. So sei das Vorhaben entstanden, Spendengelder zu sammeln. "Kinder sind unsere Zukunft", sagt er. "Wenn sie in vernünftiger Umgebung groß werden, dann ist das langfristig auch gut für uns."

Windirsch zieht wieder an seiner Zigarette. Angesprochen auf die Bezeichnung als "Engel" kommt er ins Schmunzeln. Ein wenig schmeichelt ihm der Titel schon. Das ist ihm anzumerken. Dann aber betont er: "Es geht nicht um meine Person." Er fügt hinzu: "Das Haus ist abgezahlt, wir brauchen einfach nicht mehr so viel." Vor allem hoffe er, dass seine Spendenaktionen Nachahmer finden.

"Die Bundeskanzlerin begrüßt Ihr Engagement zugunsten der Kindergärten in Langgöns" 

Vor ein paar Monaten hat Windirsch der Bundeskanzlerin einen Brief geschrieben, um möglichst breite Unterstützung für seine Spendenaktion zu gewinnen. In dem Schreiben bittet er Angela Merkel um ein, zwei Sätze, um mit Zitaten der Bundeskanzlerin für seine Spendenaktion für Kindergärten werben zu können. Es sei eine "dummdreiste Anfrage", räumt er gegenüber der Kanzlerin in dem Brief ein. Ausdrücklich bitte er nicht um Geld.

Tatsächlich landete wenige Tage später ein Schreiben aus dem Büro des Bundeskanzleramts in Windirschs Briefkasten. "Die Bundeskanzlerin begrüßt Ihr Engagement zugunsten der Kindergärten in Langgöns", heißt es darin. Mit Zitaten allerdings könne sie nicht dienen, es gebe schlicht "eine Vielzahl vergleichbarer Anfragen", die die Kanzlerin "beim besten Willen" nicht alle erfüllen könne. Doch sie wünsche ihm "weiterhin viel Erfolg." Eine leichte Enttäuschung kann Windirsch nicht verbergen, als er den Brief überfliegt.

Geboren in Australien

Geboren wurde der 57-Jährige am anderen Ende der Welt. Seine aus dem Taunus stammenden Eltern waren nach Australien ausgewandert, bis zum dritten Lebensjahr lebte er in einem Stadtteil von Adelaide. Dann aber zog die Familie zurück nach Hessen, Windirsch machte eine Ausbildung zum Elektromechaniker, gründete im September seine Firma A.B.T. und zog im März 1994 mit seiner Frau Conny und Tochter Tatjana nach Lang-Göns.

Durch die beiden Kinder, die Handball und Basketball spielten, lernte Harry Windirsch schnell Menschen im Dorf kennen. Er und seine Frau packten außerdem an, beim Thekendienst bei Veranstaltungen zum Beispiel. Er stellte Stromverteiler auf dem Langgönser Weihnachtsmarkt auf, stellte Geräte beim Bau des Vereinsheims der Fußballer des TSV Lang-Göns zur Verfügung. 2012 verkaufte er seinen Oldtimer - einen Opel Rekord Caravan, Baujahr 1963 - für den Förderverein PalliativPro.

Wie die Idee geboren wurde

Windirschs Engagement für Kindergärten hat auf einem Hoffest angefangen. "Wir haben den Gästen gesagt, dass wir keine Geschenke brauchen und wir stattdessen Spenden für Kitas in Langgöns sammeln wollen", erzählt er. Es kamen 1510 Euro zusammen - und die Idee war geboren, weitere Gelder für den guten Zweck zu gewinnen. Windirsch spricht mit leiser Stimme. Ihm sei wichtig, deutlich zu machen, dass die Spendenaktion überregional stattfinden soll. "Momentan werden die Bundesländer und Städte von uns aufgrund von Beziehungen ausgesucht." Zukünftig soll dies aber unabhängig von familiären Beziehungen oder Bekanntschaften geschehen. "Wir möchten einfach darauf hinweisen, dass es unabhängig des Wohnorts oder der angedachten Spende es immer wieder Einrichtungen gibt, die eine Zuwendung bedürfen." Warum er sich so sehr sozial engagiere? "Ich kann einfach nicht Nein sagen."

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