Margot (3. v. r.) und Kerstin Weil (r.) vom Agrarhandel Weil in Langgöns können zusammen mit ihren Angestellten Beate Russo (2. v. r.) und Barbara Keden wieder durchatmen. Coronabedingt liegen drei harte Monate hinter ihnen. FOTO: AGE
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Margot (3. v. r.) und Kerstin Weil (r.) vom Agrarhandel Weil in Langgöns können zusammen mit ihren Angestellten Beate Russo (2. v. r.) und Barbara Keden wieder durchatmen. Coronabedingt liegen drei harte Monate hinter ihnen. FOTO: AGE

Hochbeete, Mehl und Hühnerfutter

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
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Nach dem großen Ansturm auf den Landhandel in den vergangenen Wochen hat sich die Lage nun wieder einigermaßen normalisiert. Zeit zum Durchatmen auch bei Weil in Langgöns.

Das Frühjahr ist beim Agrarhandel Weil in Langgöns immer schon eine sehr lebhafte Zeit. Die Leute beginnen mit dem Erwachen der Natur, ihre Gärten auf die neue Saison vorzubereiten. Der coronabedingte Lockdown sorgte diesmal für eine besondere Herausforderung. Denn es ging hoch her in dem Betrieb, der von den Schließungen nicht betroffen war, versorgt er doch die Landwirte mit Futtermitteln, Saatgut und Pflanzenschutz. Systemrelevant also. Davon profitierte auch die normale Kundschaft und nutzte das mannigfache Angebot. Von der einzelnen Schraube über einen Eimer Farbe bis hin zum Nexalotte-Köder gibt es fast alles, was das Herz begehrt.

Margot Weil und Kerstin Weil berichten, dass es teilweise erheblicher Überzeugungsarbeit bedurft hätte, um die Kunden von den seinerzeit drei vorgeschrieben Vorsichtsmaßnahmen zu überzeugen: Mundschutz, Abstand und begrenzte Zahl an Einkaufswagen. Doch inzwischen habe es sich eingependelt. Man habe doch froh sein können, dass das Geschäft offen bleiben konnte, meint Kerstin Weil. "Da sind wir echt super durchgekommen." Doch das funktioniere nur, wenn man zusammenhalte. Ein freundliches Wort hier und da seien dann sehr hilfreich.

Neben der Einsicht in die Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen habe sich noch etwas ganz anderes etabliert, erzählen die beiden. Vielen sei zum ersten Mal bewusst geworden, dass der Agrarhandel der Grundstein in der Lebensmittelkette ist. Auch das Gespür für Regionalität sei gewachsen. Da gebe es aber immer noch ein Süd-Nord-Gefälle; Bayern sei da der Vorreiter.

Ein weiterer positiver Effekt sei, dass die Leute, vor allem die jüngeren wieder vermehrt von der Natur lernen, sie regelrecht und im Wortsinne begreifen. Das sei in der Vergangenheit zu kurz gekommen. "Die Leute haben wieder ein Verständnis für Natur bekommen", sagt Margot Weil.

Durch den Lockdown hätten die Leute auf einmal viel mehr Zeit gehabt. Nicht nur im Haus ausgemistet, auch der Garten wurde auf Vordermann gebracht. Erde und Mulch waren besonders heiß begehrt, ebenso Sand für Sandkästen. Durch Corona habe es etwa einen Boom bei Hochbeeten gegeben. Und damit wurde ordentlich gepflanzt, oft auch zusammen mit den Kindern. Setzkartoffeln und Tomaten waren die Renner.

Manchen Rückschlag hätten Kunden trotz Warnung einstecken müssen. Dass man vor den Eisheiligen etwa keine Gurken pflanzen sollte, wissen jetzt alle. Margot Weil sieht aber auch darin etwas Positives: "Dadurch lernt man", sagt sie ganz pragmatisch. Das kann sie auch von sich selbst behaupten, die 1977 nach Langgöns kam, mit ihrem Mann Ewald in das von Schwiegervater Kurt Weil gegründete Geschäft einstieg und 1999 die Expansion mit dem Neubau des Haus- und Gartenmarktes hinter dem Brauhaus wagte. "Ich konnte weder Schrauben noch sonstwas unterscheiden", erzählt sie. Doch schon lange ist ihre Fachkenntnis bei der Kundschaft geschätzt - egal, ob es um das richtige Mittel gegen Motten geht oder eine Unterlegscheibe für die Schraube.

Bedauerlich sei in der Hochphase gewesen, dass die Beratung doch immer mal wieder etwas zu kurz gekommen sei. Auch ans Telefon habe man zeitweise einfach nicht drangehen können. Doch das ist Vergangenheit. Mit der Öffnung der Schulen und der Kindergärten habe sich die Situation deutlich entspannt.

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