Gesetz blockiert Kinderbetreuung

  • Patrick Dehnhardt
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Langgöns(pad). Ab 6. Juli sollen in der Gemeinde Langgöns die Kindertagesstätten wieder im Regelbetrieb öffnen. Im Sozial- und Kulturausschuss wurde am Montagabend darüber diskutiert, ob bereits zuvor mehr Kinder als bislang in der Notbetreuung untergebracht werden könnten. Dabei zeichneten sich schnell drei Kernprobleme ab.

Das Erste: Bis zum 6. Juli müssen die Gemeinden die Richtlinien des Kinderförderungsgesetzes (KiFöG) einhalten, erklärte Bürgermeister Marius Reusch. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Kind unter zwei Jahren rechnerisch 2,5 Plätze belegt. Gleichzeitig müssten sowohl der Fachkräfteschlüssel als auch die Vorgaben des Landkreises für Gruppengrößen in Covid-19-Zeiten eingehalten werden. Diese sehen bei Kindern ab drei Jahren eine Gruppengröße von maximal 15, bei unter drei Jahren von maximal acht vor. "Das ist für uns nicht zufriedenstellend", sagte Reusch.

Wollte man noch im Juni alle Langgönser Kinder zurück in die Kitas holen, müsste man daher deutlich mehr Gruppen bilden. Dabei werden die beiden weiteren Probleme deutlich: Es fehlen geeignete Räume und Personal.

Reusch berichtete, dass rund ein Dutzend Erzieherinnen selbst zur Covid-19-Risikogruppe gehören und verständlicher Weise freigestellt werden mussten. Aus den Reihen der Kita-Leiterinnen kam der Hinweis, dass sowohl die Kinder als auch die Erzieherinnen jeweils fest bei einer Gruppe bleiben müssen, ein Wechsel aufgrund der Pandemie-Vorgaben nicht erlaubt sei.

Isabell Dern (Grüne) schärfte den Blick auf die Probleme der Eltern. Einige hätten bereits ihren Jahresurlaub nehmen müssen und wären nun unbezahlt freigestellt, um ihre Kinder zu betreuen. Manchen drohe sogar der Jobverlust. Daher sei jedes Kind mehr, welches zurück in die Kita-Betreuung kehren könne, eine Erleichterung.

Kristine Tromsdorf (SPD) sieht eine Herausforderung auf das Kita-Personal zukommen, da die Corona-Zeit die Kinder verändert habe: "Viele kommen unsicher wieder."

Der Bürgermeister rief für die kommenden drei Wochen ein Ziel aus: "Wir müssen prüfen, ob wir schrittweise dahinkommen, eine deutlich größere Zahl an Kindern berücksichtigen zu können." Zunächst werden die Vorschulkinder zurückgeholt, um diesen einen ordentlichen Übergang in die Grundschule zu ermöglichen. In Dornholzhausen soll zudem eine zweite Gruppe starten.

Reusch dankte den Eltern, die Anspruch auf Notbetreuung haben, jedoch in einem "Platz-Sharing" ihren Kita-Platz an den Tagen abgaben, an dem sie ihn nicht benötigten. Dies habe die Kapazitäten bereits ein bisschen erhöht.

In der kommenden Woche will die Gemeinde eine umfassende Eltern-Info herausgeben. Mit der Rückkehr zum Regelbetrieb sieht Reusch eine Gefahr: "Die Kinder, aber auch die Eltern, setzen sich wieder einem ganz anderen Risiko aus. Es kommt zu mehr Kontakt."

Der Sozialausschuss diskutierte auch über eine Aufweichung der Sommerschließung. Normalerweise wären die Kitas in den drei letzten Sommerferienwochen zu. Um Eltern zu entlasten, die dann keine Betreuung organisiert bekämen, wolle man eine Notbetreuung einrichten. Bislang hätten die Eltern von sechs Kindern Bedarf angemeldet, sich zudem einige Erzieherinnen bereit erklärt, ihren Jahresurlaub zu verschieben.

Jürgen Knorz (CDU) schlug vor, dass man diesen Urlaub im Herbst durch Neueinstellungen wieder auffangen könnte. Reusch schärfte den Blick für das Problem: "Wir können noch fünf Stellen ausschreiben - aber kriegen wir die auch besetzt?"

Deutlich wurde, dass die Gemeinde Langgöns nicht die Absicht hat, die bis Juli gestundeten Kita-Beiträge einzuziehen: Bezahlen werden müsse nur in dem Umfang, wie man Betreuung in Anspruch genommen habe, sagte Reusch.

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