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Die Bedeutung von Feldwegen und deren Pflege ist Thema beim Expertengespräch. Foto: se

Gegensätze müssen nicht sein

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Langgöns(se). Landwirtschaft und Naturschutz müssen keinen Gegensatz bilden, allerdings ist es wichtig, dass Vertreter beider Seiten miteinander sprechen, sich austauschen, um den jeweils anderen auf die eigenen Probleme hinzuweisen und dann gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Das ist die Quintessenz einer Veranstaltung zum Thema "Landwirtschaft und Naturschutz", zu der Bürgermeister Marius Reusch am Montag ins Bürgerhaus Niederkleen eingeladen hatte. Zahlreichen Interessenten waren gekommen, in erster Linie Fachpublikum, Landwirte, Naturschützer, Jäger, Obstbauern, Mitglieder politischer Gremien und Fachmitarbeiter der Verwaltung.

Eröffnet wurde der Abend mit einem Vortrag von Dr. Heino Steinmetz vom Sprecher-Team "Arbeitskreis Lebensraum Feldwege" des Landkreises Gießen. Thema der Ausführungen: Nutzung und Pflege der Feldwege und Wegränder. "Feldwege bilden lineare Vernetzungselemente im Biotopverbundsystem", sagte Steinmetz.

Damit leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in der Feldflur. Einen Teil seiner Ausführungen widmete er der Pflege von Wassergräben. Dabei unterbreitete er den Vorschlag, im jährlichen Wechsel jeweils eine Seite zu betreuen (mähen, mulchen).

Es gab auch einen Meinungsaustausch darüber, wann Feldwegeränder zu mähen und zu mulchen bzw. die Mahd abzufahren sei. Unter gewissen Voraussetzungen sei dies in der EU bis zum 15. November vorgeschrieben, wurde berichtet. Als nicht sinnvoll wurde von den Landwirten die Festlegung auf einen Termin angesehen, obwohl ein solches Versäumnis Sanktionen nach sich ziehen könne.

In der anschließenden Diskussion kam eine Vielzahl von Aspekten zu Sprache. So hatte ein Naturschützer nicht ohne Stolz auf die Erhaltung der Lebensräume für Hamster in Langgöns hingewiesen. Demgegenüber stellte ein Jäger bedauernd fest, dass Jungfüchse im Frühjahr nicht bejagt werden dürfen. So werde der gesamte Zuwachs der Hamster von den Jungfüchsen weggefressen. Günther Oberländervom NABU Oberes Kleebachtal wies auf das bestehende Insektenproblem hin. Es gab darüber hinaus einen regen Austausch zwischen den unterschiedlichen Interessensgruppen.

Das Verbot von Glyphosat auf verpachteten Gemeindeflächen, konnte vernachlässigt werden, da Glyphosat ab Ende 2023 in Deutschland nicht mehr zum Einsatz kommen darf. Um es von verpachteten Gemeindeflächen zu verbannen, bedarf es einer Kündigung, und diese könnte sich bei Einhaltung der geltenden Fristen noch länger hinziehen. Also würde eine solche Kündigung wenig Sinn machen, wie auch der Bürgermeister feststellte. Und die Gemeinde selbst? "Jetzt probieren wir es ohne Glyphosat", sagte Reusch.

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