Das Urnengräberfeld auf dem Friedhof in Lang-Göns mit seiner ungewöhnlichen Ästhetik: Alle quadratisch angelegten Grabstellen sind eingerahmt von Platten, die zumal als Gehwege dienen. FOTO: VH
+
Das Urnengräberfeld auf dem Friedhof in Lang-Göns mit seiner ungewöhnlichen Ästhetik: Alle quadratisch angelegten Grabstellen sind eingerahmt von Platten, die zumal als Gehwege dienen. FOTO: VH

Gärtnerisch gestaltete Fläche

  • vonVolker Heller
    schließen

Langgöns(vh). Der Friedhof im Ortsteil Lang-Göns wurde noch zu Zeiten angelegt, als traditionelle Erdbestattung im Sarg alles dominierte und man folglich stets genügend Fläche einkalkulierte. Geringere Kosten und weniger Pflegeaufwand haben mittlerweile auch in Lang-Göns die Urne deutlich in den Vordergrund gerückt. Etliche der alten Grabstätten sind abgeräumt worden. In der Folge entstand auf einem heute viel zu großen Areal ein Flickenteppich von Gräberflächen und Rasenflächen. Vereinzelte Bäume stehen herum, etwa die große Platane an der Kapelle oder die stark nadelnde Kiefer im Westen.

Der Langgönser Sozialausschuss mit dem Vorsitzenden Ahmet Karadag (SPD) hatte zu einer Friedhofsexkursion eingeladen, um über Gestaltungsfragen zu sprechen. Mit dabei waren Bürgermeister Marius Reusch, die Leiterin des örtlichen Friedhofsamts, Nadine Riesener, der Vorsitzende des Umweltausschusses, Dr. Michael Buss, Gärtnermeister Walter Reber vom Betrieb Garten Volz (Lich), Alexander Parsch vom gleichnamigen Steinmetzbetrieb, Sabine Boller vom Bestattungsunternehmen Boller und Jakobi (Langgöns) und Bestatter Mathias Müller (Langgöns).

Mehr Platz für Gehbehinderte

Ein auffälliges Merkmal aller Gräberflächen ist die kompakte Aneinanderreihung von Grabstätten trotz vorhandener Fläche im Übermaß. Am deutlichsten dokumentiert diese unnötige Flächenersparnis das Urnengräberfeld im Osten mit seiner ungewöhnlichen Ästhetik: Alle quadratisch angelegten Grabstellen sind eingerahmt von Platten, die zumal als Gehwege dienen. "In Reih und Glied", so Reusch.

Jürgen Knorz (CDU) sagte, dass mit jeder angesetzten Gräberreihe der Zugang vor allem für gehbehinderte und Angehörige mit Rollator schwierig bis unmöglich werde."Weg mit den engen Reihen und mehr Grün verarbeiten", meinte Knorz. Alternativ zum Waldfriedhof könne man dort Bäume pflanzen und unter deren Krone Urnen beisetzen.

Knorz wusste von der aus Amerika kommenden Tradition der Erdbestattung auf einer Wiese (pflegeleicht wie das Rasenurnengrab). Wie Parsch aus seiner Erfahrung berichtete, bestimmten oft Zwänge wie Kosten und Pflege die Bestattungsform. Vor allem deshalb werde die Einäscherung so häufig gewählt. Riesener benannte die jährliche Höchstzahl an Erdbestattungen mit fünf.

Reber benannte den Ärger, wenn beim Rasenurnengrab - trotz anders lautender Vorgabe der Friedhofssatzung - kleine Andenken lägen. Der mit dem Mähen beauftragte Friedhofsgärtner müsse die Sachen wegräumen. Reber: "Der macht seine Arbeit und kriegt noch eins auf den Kopp". Es sei indes verständlich, bei einem Todesfall nicht zuerst die Satzung durchzulesen.

Nun kam der Memoriam-Garten ins Spiel. Die gärtnerisch gestaltete Fläche mit Stauden und Sträuchern entsteht nächstes Frühjahr auf der freien Rasenfläche unterhalb der klassischen Reihengräber - rechts der Kapelle.

Parsch und Reber sind die für Lang-Göns zuständigen Partner der Treuhandstelle für Dauergrabpflege Hessen-Thüringen (Frankfurt). Angehörige schließen mit der Treuhand einen Pflegevertrag ab, die Arbeit im Jahresverlauf übernimmt Reber. Im Memoriam-Garten stehen Pflanze und Urne nebeneinander. Erdbestattung ist möglich. Angehörige können kleinen Grünschmuck beilegen. Reber schlug einen "Masterplan für die Friedhofsbepflanzung" vor, Reusch "kleinere Strukturen".

Drei Bereiche stehen laut Bürgermeister zunächst oben auf der Liste: Memoriam-Garten, Weiterführen des Urnengräberfelds in neuer Gestalt und Baumbestattungen im Westteil. Es sei aber zu klären, ob man dabei parallel vorgehen solle oder nacheinander.

Sitzbänke und Wasserschöpfstellen würden jedenfalls ausgetauscht werden. Buss (Grüne) mahnte, nicht ausschließlich die Kostenfrage zu stellen. Alleine durch Gebühren sei die Umgestaltung nicht machbar. Schon Bürgermeister Röhrig habe immer zusätzlich einen Haushaltsposten für die Pflege von Grünanlagen angesetzt, so Buss. Der parkähnliche Charakter des Friedhofs solle weiter betont werden.

Über die Friedhofsgestaltung Lang-Göns berät der Sozialausschuss am 19. Oktober, der Umweltausschuss am 21. Oktober. Neue Bestattungsformen fließen ebenfalls in die Friedhofsordnung ein, die soeben überarbeitet wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare