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Es bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe

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Langgöns/Hüttenberg (pad). Vor 124 Jahren wurde Paul Schneider geboren, vor 82 Jahren ermordet. Beides keine klassischen »Jubiläen«. Doch diese braucht es auch nicht. Denn die Werte, für die der »Prediger von Buchenwald« stand, sind auch 2021 tagesaktuell. Ihnen und seiner Lebensgeschichte widmet sich nun eine Ausstellung, die bis Ende September im Bürgerhaus Dornholzhausen zu sehen ist.

Vielen Menschen dürfte die Geschichte Paul Schneiders trotz seiner Präsenz - das Freizeitheim, ein Gemeindezentrum und eine Straße sind nach ihm benannt - nicht vollkommen bekannt sein, sagte Andrea Jung-Mack zur Eröffnung. Dieser wohnten rund 150 Besucher bei - mehr waren aufgrund des Hygienekonzepts nicht möglich.

Paul Dieterich, der Neffe und Autor des Buchs »Margarete Schneider«, gab einen Überblick über das Leben des Pfarres. Die Sangesfreunde Kleebachtal umrahmten diesen mit passenden Liedern. So hatte Ernst Reusch etwa eigens einen Chorsatz für »Droben steht die Kapelle« verfasst, worin die Wurmlinger Kapelle besungen wird. Während der Studienzeit in Tübingen lebte Schneider in Sichtweite dieser Kirche. Damals lernte er auch seine Frau Margarete kennen.

Paul Schneiders Vater war bereits Pfarrer in Hochelheim und Dornholzhausen gewesen, 1926 trat er dessen Nachfolge an. Kurz zuvor hatte er Margarete Dieterich geheiratet.

Zunächst stand Schneider der NSDAP nicht negativ gegenüber, da sich Adolf Hilter positiv über die Rolle der Kirche geäußert hatte. Da die Nazis jedoch schon früh ein menschenverachtendes Weltbild an den Tag legten, wurde dem Pfarrer schnell klar, dass sich dieses nicht mit der biblischen Lehre vereinbaren lässt. Zudem vereinnahmten die Nazis die Kirche für ihre Zwecke: Am 21. März 1933 sollten aus Anlass der Zusammenkunft des Reichstags die Kirchenglocken geläutet werden. Schneider lehnt diese ab, da man keine Staatskirche sei.

Er bezog Stellung und wurde Mitglied des Pfarrernotbundes. Nachdem SA-Führer Ernst Röhm die christliche Moral verspottete, kritisierte Schneider dies in seiner Predigt. Als er sich auch zu Äußerungen von Goebbels kritisch äußerte, wurde er in den Hunsrück strafversetzt.

Trotz des zunehmenden Drucks ließen es sich die Kirchengemeinden nicht nehmen, den Pfarrer gebührend zu verabschieden. In der Turnhalle Dornholzhausen - heute steht an dieser Stelle das Bürgerhaus - fand eine kleine Feier statt, bei der Paul Schneider das letzte Mal im Dorf predigte. »Nun aber bleiben Glauben, Hoffnung, Liebe«, zitierte er darin aus dem Korintherbrief.

Die Frauenhilfe hatte zum Abschied Margarete Schneider eine komplette Hüttenberger Tracht geschenkt. Sie ist in der aktuellen Ausstellung zu sehen.

Nachdem Schneider auch an seiner neuen Wirkungsstätte Dieckenschied für Nächstenliebe und die Trennung von Staat und Kirche eintrat, wurde er aus dem Rheinland ausgewiesen. Da er dennoch in seine Gemeinde zurückkehrte, wurde er verhaftet, kam ins KZ Buchenwald. Beim Fahnenappell zu Hitlers Geburtstag weigerte er sich, die Mütze abzunehmen. Er nannte die Hakenkreuzflagge ein Verbrechersymbol. Daraufhin kam er in Einzelhaft. Am 18. Juli 1939 wurde er ermordet.

Die DDR würdigte ihn später als »antifaschistischen Christen«, Papst Johannes Paul II. würdigte ihn als einen der Märtyrer des 20. Jahrhunderts, die für ihre Glaubenswerte starben.

Die Ausstellung zum Lebenswerk Paul Schneiders ist an allen Samstagen im September von 14 bis 16 Uhr sowie nach telefonischer Voranmeldung bei Ernst Reusch unter 0 64 47/13 88 geöffnet.

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