1. Gießener Allgemeine
  2. Kreis Gießen
  3. Langgöns

»Die SPD gefährdet Arbeitsplätze«

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Constantin Hoppe

Kommentare

_090301_4c
Die Lützelwiesen direkt am Gewerbegebiet Perchstetten sollen nicht für Gewerbeerweiterungen genutzt werden. © Stefan Schaal

Langgöns könnte schon bald neue Gewerbeflächen ausweisen, um heimischen Unternehmen Platz für Erweiterungen zu bieten. Doch die SPD spricht sich dagegen aus.

Der Entwurf des Regionalplans des Regierungspräsidiums (RP) Mittelhessen sieht in der Gemeinde Langgöns zwölf Hektar Fläche für neue Gewerbegebiete vor. Dafür soll die Fläche Perchstetten/Lützelwiesen als entsprechendes Gebiet ausgewiesen werden. Eine Entwicklung, die in den vergangenen Wochen für einige Aufmerksamkeit in den Gemeindegremien sorgte. Am Donnerstag traf nun die Gemeindevertretung eine Entscheidung zu den Flächen.

Nach Auffassung der CDU-Fraktion sind die Lützelwiesen nicht für eine Gewerbeerweiterungsfläche geeignet. Stattdessen sollte diese am Steinacker, südlich des Weges Perchstetten, geschaffen werden. »Die Lützelwiesen weisen sehr gutes Ackerland auf. Beim Steinacker sagt ja bereits der Name, dass der Boden hier weniger wertvoll ist«, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Jürgen Knorz. Zudem ist die direkt an der L 3133 und A 485 liegende Fläche auch verkehrlich gut zu erschließen. Weiterhin sprechen sich die Mehrheitsfraktionen von CDU und Grünen dafür aus, die im Regionalplan aufzunehmende Fläche auf neun statt zwölf Hektar zu verkleinern.

Anders sieht das die SPD. Die Fraktion spricht sich für den kompletten Verzicht neuer Gewerbeflächen im Regionalplan aus. »Es heißt immer, dass mehr Gewerbeflächen und mehr Gewerbesteuereinnahmen gebraucht werden. Aber ist dem wirklich so?«, fragte Gerald Dörr (SPD). »Langgöns ist schon heute überdurchschnittlich gut mit Gewerbeflächen ausgestattet. Wir müssen schauen, ob wir wirklich weitere Naturflächen zerstören müssen - die natürlichen Grundlagen müssen uns etwas wert sein.« Deshalb lehnt die SPD-Fraktion die Erweiterung an beiden Standorten ab. Stattdessen sollte geprüft werden, ob man neue Gewerbeflächen in einer interkommunalen Zusammenarbeit schaffen könnte, beispielsweise mit Hüttenberg.

Ein Antrag, der bei den Mehrheitsfraktionen für Stirnrunzeln sorgte: »Unter dem vorherigen SPD-Bürgermeister Horst Röhrig wurden deutlich mehr und größere Gewerbeflächen ausgewiesen, wenn auch nur als Optionen«, sagte Michael Buss, Fraktionsvorsitzender der Grünen. »Auch wenn es aus Sicht der Grünen natürlich gut ist, dass die SPD ihren Standpunkt überdacht hat, so stellt sich doch die Frage, was dann mit den hier ansässigen Gewerbebetrieben geschehen soll?« Denn die neu auszuweisenden Flächen sollen vor allem dafür genutzt werden, ortsansässigen Betrieben die Möglichkeit zur Vergrößerung zu bieten. Ohne solche Möglichkeiten sehen die Mehrheitsfraktionen die Gefahr, dass Arbeitsplätze in Langgöns verloren gehen könnten.

»Mit ihrer Strategie gefährdet die SPD gute Arbeitsplätze in Langgöns. Und wenn dann der erste Betrieb abwandert, gehen die Diskussionen um die Schuldfrage los. Und schuld ist dann der Bürgermeister«, sagte Buss. »Ich denke, die SPD hat mit ihrem Antrag die Absicht, unserem Bürgermeister zu schaden. Das finde ich unredlich.«

Bürgermeister Marius Reusch gab zu bedenken, dass die Gemeinde Langgöns eine der wenigen Kommunen ist, für die überhaupt noch größeres Entwicklungspotenzial im Gewerbe gesehen wird. »Das verdanken wir der Lage direkt an der Autobahn und mit einer Bahntrasse. Natürlich ist der Schutz von Natur und Landschaft ein wichtiges Ziel, aber nicht das einzige Ziel.«

Die vorgelegten Änderungen zum Regionalplan inklusive der Aufnahme des Gebiets Steinacker erhielten letztlich die Zustimmung der Gemeindevertretung - lediglich die SPD-Fraktion sprach sich gegen den genannten Vorschlag aus. Der Antrag der SPD zu einem kompletten Verzicht auf neue Gewerbeflächen wurde noch einmal in die Ausschüsse zur Beratung verwiesen und wird zur zweiten Offenlage des Regionalplans erneut thematisiert.

Auch interessant

Kommentare