Die Betreiberin der Eisdiele hofft auf eine baldige Lockerung der Regeln und eine Erlaubnis für den Straßenverkauf. 
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Die Betreiberin der Eisdiele hofft auf eine baldige Lockerung der Regeln und eine Erlaubnis für den Straßenverkauf. 

Corona-Einsatz in Langgöns: "Acht Polizisten haben unser Eiscafé umstellt"

  • vonStefan Schaal
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Kuriose Szene in Langgöns: Ein Corona-Einsatz der Polizei sorgt für Diskussionen.

Langgöns(srs). Die Polizei fuhr am Samstag vor zehn Tagen in Lang-Göns in der Straße Niederhofen vor, Einsatzkräfte blieben vor "Susis Eiscafé" stehen. Geschäftsführerin Susanne Müller erzählt: "Ich kam mir vor wie eine Schwerverbrecherin. Acht Polizisten haben mich umstellt."

Die Beamten forderten Müller auf, das Café zu schließen und den Straßenverkauf einzustellen - gelte doch in Hessen ein vollständiges Verkaufsverbot für Genussmittel wie Eis. Müller kramte allerdings ein Schreiben der Gemeinde Langgöns hervor, wonach der Straßenverkauf weiterhin erlaubt sei. Der Fall verdeutlicht vor allem eines: Regeln, die in der Corona-Krise zum Teil sehr kurzfristig geändert werden, sorgen für Verwirrung.

Wie viele weitere Eisdielen-Besitzer im Kreis Gießen hatte Müller Ende März ihr Café schließen müssen. Dann aber las sie den Info-Brief der Gemeinde. "Ich habe frisches Eis für das Wochenende hergestellt." Die Neuerung, dass inzwischen auch der Straßenverkauf verboten ist, verschickte die Gemeinde erst am Montag darauf. "Sehr ärgerlich", sagt Müller, die ihr Café nun wieder komplett schließen musste. Sie habe sich auf die Nachricht aus dem Rathaus verlassen.

Allerdings stellt die Ausbreitung des Coronavirus auch kommunale Verwaltungen vor extreme Herausforderungen, wie Peter Müller vom Langgönser Ordnungsamt erklärt. Täglich erhalte man vom Innenministerium neue Handlungsanweisungen. Gleichzeitig arbeite man unter außergewöhnlichen Bedingungen im Schichtbetrieb und zum Teil in Quarantäne. Bürgermeister Marius Reusch und ein weiterer Mitarbeiter sind wie berichtet am Coronavirus erkrankt. Info-Briefe verschicke man nun nicht mehr, sagt der Ordnungsamtsleiter.

Die Eisdielen-Betreiberin Müller muss derweil kein Bußgeld zahlen. Sie hofft auf eine baldige Lockerung und eine Erlaubnis für den Straßenverkauf. Die diskussionswürdige Trennung des erlaubten Verkaufs von Grundnahrungsmitteln und des Verbots von Genussmitteln sei nicht nachvollziehbar. "Es ist ungerecht", sagt Müller. "Jeder Döner darf öffnen, wir aber nicht."

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