Britin auf Spurensuche

Das Grab ihrer Großmutter und Orte weiterer Vorfahren hat die Britin Yvonne Gilbert dieser Tage in Langgöns aufgesucht. Bei ihrem ersten Besuch in Deutschland wurde die Londonerin von Bürgermeister Horst Röhrig begrüßt. Begleitet wurde sie von dem Ehepaar Hildegard und John Rouse aus der Südpfalz. Röhrig informierte die Gäste über die Großgemeinde und speziell über Lang-Göns, dem Wohnort der Großeltern von Yvonne Gilbey.

Das Grab ihrer Großmutter und Orte weiterer Vorfahren hat die Britin Yvonne Gilbert dieser Tage in Langgöns aufgesucht. Bei ihrem ersten Besuch in Deutschland wurde die Londonerin von Bürgermeister Horst Röhrig begrüßt. Begleitet wurde sie von dem Ehepaar Hildegard und John Rouse aus der Südpfalz. Röhrig informierte die Gäste über die Großgemeinde und speziell über Lang-Göns, dem Wohnort der Großeltern von Yvonne Gilbey.

Wurzeln im "Neuen Frankfurter Hof"

Zum jüdischen Friedhof wurden die Gäste von den beiden Pfarrern Achim Kessler und Eduard Lucaci sowie Irene Köhler und Otto Berndt. Dort besuchte Yvonne Gilbey das Grab ihrer 1931 verstorbenen Großmutter Johanna Grünebaum. Anschließend wurden das Mahnmal für die deportierten Juden in der Amthausstraße und die Bismarckstraße 1 aufgesucht, wo das Haus von Abraham Grünebaum stand. Nach dem Kaffeetrinken bei Familie Berndt wurden die Unterlagen der Ausstellung von 2008 "Jüdisches Leben in Lang-Göns" durchgesehen. Aus dem Adressbuch von 1927 geht hervor, dass Abraham Grünebaum Eigentümer des Hauses Bismarckstraße 1 war. Er muss den ehemaligen "Neuen Frankfurter Hof" 1926/27 gekauft haben und mit seiner Frau Johanna von Holzheim (dort lässt sich die Familie bis 1776 zurückverfolgen) nach Lang-Göns umgezogen sein.

Der neue Standort bot dem Händler Abraham Grünebaum eine für die damalige Zeit hervorragende Infrastruktur: Dort gab es einen Telefonanschluss, die wichtige Main-Weser-Bahn und die Post waren vor der Haustür.

Yvonne Gilbey ging detailliert auf ihre Familiengeschichte ein. So hatte ihre 1907 geborene Mutter Milli Grünebaum einen jüngeren Bruder Eugen, der Anfang der Dreißigerjahre nach London auswanderte. Nach dem Tod seiner Frau Johanna heiratete Abraham Grünebaum Auguste Rosenstein. Beide wurden im September 1942 deportiert; sie wurden 1944 in Auschwitz ermordet.

Milli Grünebaum emigrierte 1933 nach Holland und heiratete im selben Jahr Erich Malachowski. 1938 wurde Yvonne in Amsterdam geboren. Ihr Vater wurde Anfang der Vierzigerjahre verhaftet, überlebte die KZ Theresienstadt und Auschwitz und kam im März 1945 im KZ Dachau ums Leben. In Amsterdam erkrankte Yvonne an Kinderlähmung. Mutter und Tochter überlebten den Krieg, weil sie von einer christlichen Familie in dem kleinen Dorf Grubbenvorst in der Nähe von Venlo versteckt wurden.

Noch heute denkt sie gern an die große Hilfsbereitschaft der Bewohner zurück. Nach dem Krieg zogen Mutter und Tochter nach London. Yvonne heiratete und gründete eine Familie. Mit ihrer Mutter hat sie nur selten über Deutschland und Lang-Göns gesprochen. Auch lehnte ihre Mutter, die 102 Jahre alt wurde, einen Besuch in Deutschland ab.

Die umfangreichen Vorbereitungen für diese Reise hatten die Eheleute Hildegard und John Rouse getroffen. Sie hatten 40 Jahre in England gelebt.

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