Blick in den Niederkleener Steinbruch. ARCHIVFOTO: SE
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Blick in den Niederkleener Steinbruch. ARCHIVFOTO: SE

Bodenwäsche stößt auf Widerstand

  • vonConstantin Hoppe
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Langgöns(con). Was passiert im Steinbruch Niederkleen? Diese Frage dominierte am Mittwoch die Tagesordnung der 31. Sitzung des Langgönser Bau- und Infrastrukturausschusses. Dass dieses Thema die Niederkleener Bürger umtreibt, war auch an dem großen Interesse zu erkennen, auf das die Sitzung stieß.

Die Steinbruch Niederkleen GmbH plant auf dem Gelände des Steinbruchs eine Bodenverwertungsanlage anzulegen, in der alte Baumaterialien recycelt werden sollen. Dafür ist eine Änderung des Flächennutzungsplans im Bereich des Steinbruchs nötig, eine Bauleitplanung muss erstellt werden.

Die Planungen zum Projekt wurden vom Planungsbüro Fischer aus Wettenberg vorgenommen, von Holger Fischer präsentiert: Im Eingangbereich des Steinbruchs soll demnach das Recyclingzentrum für mineralische Sekundärbaustoffe geschaffen werden, das über 50 Jahre hinweg betrieben werden kann. Daneben soll weiterhin der Abbau von Kalkstein bis 2036 erfolgen. Als Perspektive ist auch die Aufbereitung von unbelastetem Bauschutt zur Herstellung von Recycling-Baustoffen geplant, was zeitlich an den Steinbruchbetrieb gekoppelt werden soll.

Alle angenommenen Fremdmassen benötigen eine zuvor vorgelegte Analytik, die eine Belastung ausschließt - hinzukommen zusätzliche Proben-entnahmen und Analyse dieser im Zeitraum von sechs bis acht Wochen. Die Planungen würden auch zu einer Verzögerung der Rekultivierung des Steinbruchgeländes führen - wenn auch in begrenztem Rahmen: Im Bereich der Bodenaufbereitung würde sich die Rekultivierung um 26 Jahre verzögern, allerdings nur auf 1,1 Hektar der Gesamtfläche von rund 25 Hektar. Dafür soll die Fläche im Zuge der Bauleitplanung in ein Sondergebiet umgewandelt werden. "In einer Stellungnahme wurde vorgeschlagen, dass gesamte Gelände in ein Industriegebiet umzuwidmen", erklärte Fischer dazu. "Aber dadurch würde eine ganze Reihe von Nutzungen ermöglicht - und ein Industriegelände wollen sie hier bestimmt nicht haben."

Zur Sitzung des Bau- und Infrastrukturausschusses stießen die Planungen auf viel Kritik sowohl bei den Bürgern als auch bei einigen Gremiumsmitgliedern: Besonders der verwendete Begriff der "Bodenwäsche" ließ einige hellhörig werden, versteht man darunter doch vor allem die Wiederaufbereitung kontaminierter Materialien. Dies entspreche jedoch nicht den Planungen, versicherte Fischer. In den nächsten Tagen soll deshalb eine Definition an die Beteiligten Gremien gesendet werden, in der die eingesetzten Techniken beschrieben werden. Auch das Fehlen eines neuen Rekultivierungsplans und eine vermeintliche Belastung des Grundwassers wurden kritisiert.

Gute Anbindung

Dabei gibt es gute Gründe, warum sich eine solche Anlage gerade hier anbietet: Einerseits die günstige verkehrliche Anbindung an der Landesstraße, inklusive guter Erreichbarkeit von Autobahnen, andererseits, dass keine landwirtschaftlich Flächen in Anspruch genommen werden müssen. Zudem gab es bei den bisher abgegebenen Stellungnahmen keinerlei Bedenken gegen den Standort. "Wir haben uns bei der Ausschreibung im Dezember 2017 bewusst damals für diesen Standort entschieden", meinte auch Jürgen Knorz (CDU) zu den Planungen. Eine Empfehlung gab der Ausschuss am Mittwoch noch nicht ab.

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